Hinsichtlich der Klagevoraussetzungen hat der Arbeitnehmer zu
beweisen, dass (1) er oder sie Mitglied einer geschützten Gruppe ist;
(2) die erforderliche Qualifikation für diesen Arbeitsplatz vorlag;
(3) die Kündigung oder die Ablehnung der Einstellung trotz Vorliegen
der Qualifikation ausgesprochen worden ist und (4) die Position
anschließend mit einer Person besetzt worden ist, die nicht Mitglied
einer geschützten Gruppe ist. Diese Beweisführung kann mittels
direktem Zeugen- oder Urkundsbeweis, indirektem Anscheinsbeweis oder
statistischem Beweis (anhand der Anzahl der unter die
Antidiskriminierungsgesetze fallenden Arbeitnehmer innerhalb des
Betriebes) geführt werden. Bei sexuellen Belästigungen muss der
Arbeitnehmer nachweisen, dass das Umfeld am Arbeitsplatz unerträglich
war oder er/sie zu sexuellen Handlungen oder Duldungen durch einen
Vorgesetzten gezwungen wurde und der Arbeitgeber dieses Vorgehen
geduldet hat. Dies setzt jedoch die Kenntnis des Arbeitgebers voraus,
der somit zumindest vor zivilrechtlichen Folgen eines "Ersttäters"
geschützt ist.
b)
Beiderseitige Rechte
Im US-amerikanischen und Florida-Recht gibt es bezüglich der Rechte
von Arbeitnehmern und Arbeitgebern einige Besonderheiten, die dem
deutschen Gesetz nahezu unbekannt sind:
Im Recht von Florida können Arbeitgeber mit vier oder mehr
Beschäftigten bei der Einstellung Alkohol- und Drogentests durchführen
lassen. Bei einem bereits bestehenden Arbeitsverhältnis können solche
Tests beispielsweise dann verlangt werden, wenn der Arbeitnehmer
begründet verdächtigt wird, Drogen oder Alkohol zu missbrauchen.
Solche Verdachtsmomente können sich aus Zeugenaussagen oder abnormen
bzw. sprunghaftem Verhalten bei Erbringung der Arbeitsleistung
ergeben. Weiterhin können derartige Tests im Rahmen einer
verpflichtenden Routine-Fitness-Untersuchung durchgeführt werden. Ist
das Testergebnis positiv verlaufen oder verweigert der Arbeitnehmer
die Teilnahme, hat der Arbeitgeber grundsätzlich ein Kündigungsrecht
bzw. das Recht, eine Einstellung zu verweigern.
Eine weitere Besonderheit des Arbeitsrechts in Florida ist der
"Florida Clean Air Act". Generell besteht in öffentlichen Gebäuden
außerhalb speziell gekennzeichneter Zonen Rauchverbot. Derart
geschützte "public places" sind nicht nur Gerichtsgebäude,
Regierungsgebäude, Museen und Restaurants, sondern auch jeder
Arbeitsplatz. Gestattet ist das Rauchen lediglich in privaten Büros,
die der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Sobald sich der
Arbeitsplatz innerhalb einer Raucherzone befindet, muss jeder
Arbeitnehmer mit einem Arbeitsplatz innerhalb dieser Zone zustimmen.
Verweigert der Arbeitnehmer diese Zustimmung, darf der Arbeitgeber
diesen Arbeitsplatz nicht als Raucherzone ausweisen. In einem Gebäude
darf nicht mehr als die Hälfte der Fläche als Raucherzone ausgewiesen
werden. Einige Örtlichkeiten sind vollkommen ausgenommen und dürfen
keine Raucherzonen ausweisen: Fahrstühle, Treppenhäuser, Wartezimmer,
Schulbusse etc.
Aufgrund des "Convenience Store Security Acts", müssen Betriebe, die
ihr Geschäft nachts offen halten, zahlreiche Sicherheitsbestimmungen
zum Schutz der Arbeitnehmer beachten. Diese Sicherheitsvorkehrungen
umfassen unter anderem das Aufstellen einer Überwachungskamera. Waren
Mitarbeiter des Geschäftsbetriebes bereits Opfer eines Überfalles, so
greifen verstärkte Sicherheitsvorschriften, die der Geschäftsinhaber
zu erfüllen hat, darunter der Einbau von kugelsicherem Glas und die
Bereitstellung von bewaffnetem Sicherheitspersonal.
c) Gehalt und Arbeitszeit
Bundesrechtlich liegt der zu zahlende Mindestlohn von erwachsenen
Arbeitnehmern nach dem "Fair Labor Standards Act" derzeit bei 5,15
Dollar pro Stunde. Für Beschäftigte im Servicebereich, die regelmäßig
Trinkgelder erhalten, liegt der vom Arbeitgeber zu zahlende
Mindestlohn bei 2,13 Dollar pro Stunde, wobei eine Aufstockung der
Vergütung zu erfolgen hat, wenn der Arbeitnehmer mit Hilfe der
Trinkgelder nicht den Mindestlohn von 5,15 Dollar erreicht. Weitere
Besonderheiten gelten für jugendliche und behinderte Arbeitnehmer, die
unterhalb des Mindestlohns beschäftigt werden können.
Die wöchentliche Arbeitszeit der meisten Arbeitnehmer liegt bei 40
Stunden. Überstunden müssen bundesgesetzlich zusätzlich vergütet
werden, wenn die tägliche Arbeitszeit um mehr als 1,5 Stunden
überschritten wird. Nach dem Recht von Florida müssen Überstunden erst
ab 10 Stunden Arbeitszeit pro Tag vergütet werden. Leitende
Angestellte und Führungskräfte sind von dieser Regelung ausgenommen.
d)
At-will-employment
Während das deutsche Arbeitsrecht die Dispositionsfreiheit von
Arbeitgebern bei der Kündigung von Arbeitnehmern erheblich einschränkt
und von der Schutzbedürftigkeit des schwächeren Arbeitnehmers ausgeht,
existiert in den Vereinigten Staaten außerhalb tariflicher Verträge
generell kein Kündigungsschutz.
Das US-amerikanische Arbeitsrecht basiert auf der Freiheit der
Vertragsparteien, jederzeit eigenverantwortlich eine Entscheidung über
den Fortbestand des Arbeitsverhältnisses treffen zu können.
Der durchschnittliche amerikanische Arbeitnehmer wechselt während
seines Berufslebens den Arbeitsplatz etwa acht Mal.
Wenn
überhaupt ein schriftlicher Arbeitsvertrag abgeschlossen wird, wird
dieser in den Vereinigten Staaten zumeist als "at-will-employment"
(Arbeitsverhältnis auf Widerruf) ausgestaltet. Sowohl der Arbeitnehmer
als auch der Arbeitgeber können bei dieser Vertragsart die
Beschäftigung grundsätzlich zu jeder Zeit beenden, ohne eine
Begründung für die Beendigung angeben zu müssen.
<< zurück <<
2 von 3
>> vorwärts >>