Als Praktikant, Highschool-Schülerin und Rechtsreferendar nach
Florida
“Florida, das Rentnerparadies” - Was in den 80er Jahren schmunzelnd
über den Sunshine-State gesagt wurde, stimmt schon längst nicht mehr.
Trotz aufflackerndem Anti-Globalisierungstrend vor allem an deutschen
Schulen und Universitäten, wollen immer mehr junge Leute zeitweise in
die USA. Gerade weil sie sich mit gesellschaftlichen und
weltpolitischen Themen auseinandersetzen, versuchen sie dem Mythos
Amerika auf den Grund gehen. Sie nehmen Clichés und Vorurteile nicht
unreflektiert an, sondern möchten selbst das Leben in dem Land
erfahren, das noch heute als das “Land of Opportunities” gilt.
Drei junge Menschen, die im Herbst 2002 nach Florida gekommen sind, um
mehr über das Leben, Arbeiten und die Kultur der Vereinigten Staaten
kennen zu lernen, erzählen von ihren Erfahrungen.
Auslandspraktikum in US-Maklerfirma
Martin Junker ist 25 Jahre alt und kommt aus Mönchengladbach. Seit
September 2002 absolviert der Student der Wirtschaftswissenschaften
ein Praktikum bei der Immobilienfirma International Realty Consultants,
Inc. in Naples, wo er sich hauptsächlich um die Gebiete Buchhaltung
und Budgetierung kümmert. Er ist seit zwei Jahren an der Fontys
Internationale Hogeschool of Economie in Holland eingeschrieben und
hofft, sein Studium im Sommer 2004 als Bachelor of Economics beenden
zu können.
Im fünften Semester ist ein Praktikum vorgeschrieben, das Martin in
den USA absolvieren wollte: “Ich habe schon länger mit dem Gedanken
gespielt, einmal den “American Way of Life” nicht nur im Urlaub,
sondern auch im Alltag kennen zu lernen. Alles ist so anders hier, ob
es das Arbeiten im Büro ist, das Verhalten im Straßenverkehr, in Bars
oder im Supermarkt. Ich finde es einfach spannend, einmal in einem
außereuropäischen Land zu leben und mich dort zu integrieren.” Dass er
während seines Aufenthaltes hier auch seine Englischkenntnisse
aufpolieren kann, ist für ihn ein positiver Nebeneffekt.
Schwierigkeiten mit der Konversation in der Fremdsprache am
Arbeitsplatz hat Martin jedoch nicht, denn viele der Seminare in Venlo
werden auf Englisch gehalten, so dass Begriffe aus Wirtschaft, Handel
und Marketing kein Neuland für ihn waren, als er im Herbst sein
Praktikum in Florida begann.
“Amerika hat mich schon immer gereizt, nicht nur weltpolitisch,
auch persönlich. Wir hatten einmal eine amerikanische
Austauschschülerin bei uns zu Hause, mein Bruder hat ein Jahr in den
USA gelebt, und irgendwie haben so viele Elemente des Lebens in
Deutschland ihren Ursprung in Amerika, dass ich schließlich dem Reiz
nachgegeben und mich für ein Praktikum in den USA beworben habe.”
Martin hat seine Bewerbung an die Zentrale der
Deutsch-Amerikanischen Handelskammer in New York geschickt und ist von
dort aus an die International Realty Consultants, Inc. weiter
vermittelt worden. In seinem viermonatigen Aufenthalt konnte er manche
Vorstellungen vom Leben in den USA bestätigen, aber auch so manches
Vorurteil aufheben: “Was natürlich sofort auffällt, wenn man erst
einmal selbst hier arbeitet, ist der Unterschied in punkto
Arbeitsbedingungen. Urlaubs- und erlaubte Krankheitstage sind rar,
dafür ist das Arbeitsklima unter den Kollegen mehr als angenehm und
easy. Man duzt ja alle hier, auch den Chef.” Als besonders angenehm
empfindet er, dass er von seinen neuen Kollegen sofort als
vollwertiges Teammitglied akzeptiert wurde: “Die Arbeit ist
abwechslungsreich und anspruchsvoll, ich erfülle nicht das Cliché des
Kaffee kochenden Praktikanten”.
In Martins Augen ist einfach alles in den Staaten “größer und mehr”
als in Europa, “der Straßenverkehr ist enorm, dafür aber defensiver
als bei uns. Die Öffnungszeiten sind genau umgekehrt: Die meisten
Läden hier haben viel länger geöffnet, oft 24 Stunden, aber die Bars
in Naples schließen dummerweise schon um 2 Uhr nachts.”
Als positiv empfindet er die Offenheit der Menschen in Florida,
aber auch diese Medaille hat zwei Seiten: “Schön ist, dass die Leute
viel leichter ansprechbar sind als bei uns. Du gehst einfach auf sie
zu oder sie kommen von selbst auf dich zu, aber sie vergessen dich
auch eher wieder. Vielleicht ist das die berüchtigte Oberflächlichkeit
der Amerikaner. Auch deren Humor ist anders, nicht so sarkastisch,
eher Goofystyle, aber trotzdem lustig.” Nichtsdestotrotz nennt Martin
neben Golfen, Tauchen und Fitness als eine seiner
Lieblingsbeschäftigungen in Naples: “Einfach rausgehen und nette
Amerikaner kennen lernen!” Sonne und Strand sind bisher auch nicht zu
kurz gekommen, Freunde und Familie aus Deutschland haben ihn bereits
besucht, und zusammen mit dem zweiten deutschen Praktikanten der
Firma, Sven, hat Martin Kurztrips nach Miami und zu den Inseln in der
Umgebung unternommen, zum Beispiel nach Marco, Captiva oder Sanibel
Island.
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1 - Bei der Arbeit: Praktikant Martin Junker mit seinem Chef, Rainer
Filthaut von International Realty Consultants

2 - Austauschschülerin Jelka Diedenhofen beim Schwimmen mit Delfinen

3 -
Rechtsreferendar Nicolai von Steinäcker feierte Halloween in Miami |