Zurück nach Europa will er aber schon, nicht nur, um sein Studium
dort zu beenden. “Ich könnte mir schon vorstellen für länger hier zu
leben, zum Beispiel um ein oder zwei Semester an einer amerikanischen
Uni zu verbringen oder einfach um noch mehr Erfahrungen fürs Leben zu
sammeln. Vielleicht würde ich dann ja sogar mit der Zeit auf die Idee
kommen, für immer hier zu bleiben, da das Leben hier so manche
Annehmlichkeiten bietet... Sonne, Strand und vieles vieles mehr...
Aber erst mal gehe ich wieder zurück nach Hause - ganz getreu dem
Motto: ‘my home my castle’!”
Ein Highschool-Jahr in den USA
Jelka Diedenhofen ist 17 Jahre alt und lebt für ein Jahr in den USA.
Seit sie vor ein paar Jahren erfahren hat, dass man anstelle der
elften Klasse an einem deutschen Gymnasium als Alternative den
sogenannten “11th grade” an einer amerikanischen Highschool besuchen
kann, wollte sie dieses Abenteuer unbedingt wagen. Vor einem Jahr hat
sie sich bereits beworben und schließlich einen Platz im Rotary
Exchange Program bekommen. Seit August wohnt die Bochumerin bei einer
Gastfamilie in Miami, wo sie auch zur Schule geht, zur “Senior
Highschool”, vergleichbar mit der Oberstufe an deutschen Gymnasien.
“Am Anfang war es schwierig, Kontakte zu knüpfen”, erzählt Jelka,
“aber dann habe ich gemerkt, dass ich einfach auf die anderen zugehen
muss. Meine Mitschüler waren zwar freundlich und interessiert, aber
stets ein bisschen reserviert. Ich war letztendlich diejenige, die den
Kontakt gesucht hat.”
Mittlerweile hat sie so viele Bekanntschaften geschlossen, dass sie
kaum noch ein Wochenende in ihrem neuen Zuhause verbringt - “obwohl es
dort superschön ist und meine Gasteltern mich wie eine echte Tochter
behandeln.” Die beiden für Jelka zuständigen Rotary-Districts in Miami
kümmern sich sehr um die insgesamt neun internationalen
Austauschschüler in Miami Dade. “Sie organisieren nicht nur tolle
Ausflüge und Campingfahrten, wir haben auch wöchentliche Meetings, in
denen wir unsere Erfahrungen austauschen und von unserem jeweiligen
Heimaland berichten.” Auf diesen Treffen haben die Teenager
Gelegenheit, etwas über die Kulturen der anderen Teilnehmer zu
erfahren, die in diesem Jahr zum Beispiel aus Japan, Brasilien,
Finnland oder Ungarn kommen. “Dadurch, dass die Rotary-Chairmen und
-women die Gruppe das ganze Jahr begleiten und wir regelmäßige Treffen
haben, ist unsere Gemeinschaft schon richtig zusammen gewachsen”, sagt
Jelka. Im Gegensatz zu vielen Austausch-Organisationen ist es dem
Rotary-Club wichtig, dass die Teilnehmer nicht nur die Sprache des
Gastlandes optimieren, sondern aktiver Teil der zunächst fremden
Kultur werden, Verantwortungs- und Selbstbewusstsein lernen und als
“Youth Ambassadors” interkulturelle Lebensarten und Traditionen
austauschen. “Eigentlich gefällt mir einfach alles hier. Aber wenn ich
mich entscheiden müsste, sind meine neuen Freunde das Wichtigste”,
findet Jelka.
Die Ausflüge, die die selbstbewusste und fröhliche
Austauschschülerin bisher mit der Gastfamilie, den Rotariern oder
neuen Freunden unternommen hat, haben sie schon bis auf die Bahamas
geführt: “Meine Gastfamilie hat dort ein Boot, von dem aus sie öfter
Hummer fangen gehen.” Die designierte “Hummer-Expertin” Jelka weiß
inzwischen genau, wie das geht: “Man dreht einfach den Schwanz des
Hummers, der den essbaren Teil enthält, um die eigene Achse und wirft
den Kopf zurück ins Meer. Dabei musst du aufpassen, dass er nicht mit
den Scheren nach deinen Fingern schnappt.” Auch mit anderen
Meeresbewohnern ist Jelka schon auf Tuchfühlung gegangen: beim
Schwimmen mit Delfinen. Einmal hat Gastvater Robert sogar eine
Passagiermaschine gechartert, um “seine beiden Töchter” über den
Atlantik nach Nassau fliegen zu lassen; “da hatten wir sogar einen
eigenen Piloten!”
Kulturelle Unterschiede oder Missverständnisse sind eher selten.
“Das einzig Negative ist mir bei der Anmeldung auf der Highschool
passiert: Das Sekretariat hat das deutsche Notensystem nicht anerkannt
und bestand auf Siegeln anstatt Stempeln auf meinem mitgebrachten
Zeugnis. Aber dann hat sich doch noch alles geklärt.” Vermisst hat
Jelka auch noch nichts in fünf Monaten USA. “Klar vermisst man die
Familie und Freunde zu Hause - aber ein Jahr alleine ist wirklich kein
Problem, schließlich mache ich so eine einzigartige Erfahrung so
schnell nicht wieder”, sagt Jelka, die für ihre 17 Jahre schon sehr
viel Durchblick, Intellekt und Verantwortung zeigt. Dann fällt ihr
doch noch etwas ein, was sie in Florida vermisst: “Deutsche
Schokolade!”
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