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Karin und Jan Heitmann aus Norddeutschland haben geschafft, wovon so
viele träumen: Sie gewannen im Jahr 2000 die Greencard und
entschlossen sich sofort, den großen Schritt nach Amerika zu wagen.
Die Heitmanns zogen nach Sarasota, wo sie auch heute noch wohnen. Ihr
Ferienhäuschen dort hatten sie allerdings schon vorher – als hätten
sie gewusst, dass sie irgendwann einmal für immer hier leben würden.
Mit dem Gedanken, nach Florida auszuwandern, hatten sie schon des
Öfteren gespielt. Zunächst war Großbritannien angedacht, weil eine
Arbeitserlaubnis in den USA soviel schwieriger zu bekommen ist, doch
der erste gemeinsame Urlaub in Florida ließ die Beiden dann
umschwenken. „Und wenn, dann sollte es durch die Greencard sein!”,
entschloss sich Karin. Das Fernweh ist Jan bereits in die Wiege gelegt
worden.
Schon seine Eltern hatten Pläne, nach dem Krieg nach Kanada
auszuwandern. Die Heitmanns waren schon jahrelang an die Ostküste
gekommen, hatten vom Norden bis nach Key West alles erkundet und sich
schließlich für die Stadt Sarasota an der Golfküste entschieden.
Warum? „Zuerst wollten wir auf die Keys ziehen, aber das war uns zu
abgeschieden und es gibt dort kaum Jobs”, erklärt Jan. Die Ostküste
ist zu verstädtert, die Gegend um Naples „zu alt“ und Sarasota „genau
richtig”. „Die Stadt ist sehr europäisch geprägt und es gibt viele
junge Menschen hier”, fügt Karin hinzu.
In den letzten Jahren vor der Übersiedlung haben sie in Büsum gelebt,
davor in Schleswig – und irgendwann hat es ihnen nicht mehr gefallen
in Deutschland. „Wir mussten einfach raus, irgendetwas fehlte uns, die
Jobs als Pharmareferenten machten keinen Spaß mehr und wir haben uns
in unserer Haut nicht mehr wohl gefühlt. Also dachten wir uns: Auf zu
neuen Ufern!”. Nachdem die Mutter behutsam auf den großen Schritt
vorbereitet wurde und alles verkauft war, ging es dann über den großen
Teich.
Die Jobsuche begann getreu dem Motto: ‚Nicht alles ist so einfach, wie
es aussieht’. Zuerst versuchte Jan für $ 5,95 pro Stunde Autos zu
verkaufen, dann fertigte er bei 35 Grad Sommerhitze Stahlbetonteile
an: „Ich bin nun wirklich einiges gewohnt, aber ich dachte, die Sonne
brennt mir das restliche Hirnwasser aus der Schale.” Durch Zufall fand
er dann einen Job im Hotelgewerbe, heute leitet er als einer der
Manager das „Tropical Breeze Resort of Siesta Key“. Karin fand einen
Job bei einem Immigrationsanwalt, dann erwarb sie ihre Lizenz als
Mortgage Broker und Realtor und hat sich selbständig gemacht.
Sprachprobleme gab es so gut wie keine: Jans Englisch war durch einen
einjährigen Aufenthalt während seines Lehramtsstudiums in England
bereits auf entsprechendem Niveau, Karin holte schnell auf, indem sie
in ihrem neuen Job einfach ins kalte Wasser geworfen wurde – „und das
war auch gut so.”
Die Vorteile, die die Heitmanns am Leben in Amerika sehen, sind die
größere Freiheit, mehr Selbstbestimmung und weniger staatliche
Gängelung – und das Leben läuft in Eigenverantwortung ab. Außerdem
fällt ihnen auf, dass die Menschen hier zufriedener wirken und nicht
so mürrisch herum laufen wie viele in Deutschland. Unterschiede im
Sozialverhalten fielen ihnen auch schnell auf: „Amerikaner sind keine
,englisch sprechenden Deutschen’, wenn man so denkt, dann wird man
enttäuscht sein.” Die Heitmanns versuchen immer ohne Vorurteile zu
sein, man müsse nur versuchen, sich die Mentalität und Denkweise der
Amerikaner klar zu machen: „Es ist im Grunde wie in Deutschland”, sagt
Jan, „manche Amerikaner haben uns förmlich adoptiert, mit anderen wird
man nie warm.” Die sprichwörtliche Oberflächlichkeit beruhe nur auf
einer falschen Erwartungshaltung. Die Deutschen seien, auf eine andere
Weise, genauso oberflächlich. „Der Amerikaner versucht in der Regel,
niemandem auf den Zeh zu treten. Manche Deutsche treten von einem Zeh
auf den nächsten. Ein absolutes Plus ist natürlich das Klima – und man
lebt mit weniger Geld besser”, sagt Jan.
Nachteile seien zum Beispiel, dass man in den USA viel mehr kämpfen
und sich immer durchsetzen muss. Die soziale Absicherung sei lausig –
Amerika ist halt kein Sozialstaat, und wer sein Hauptaugenmerk auf
sechs Wochen bezahlten Strandurlaub lege, der werde kaum die ersten 12
Monate überdauern. Hartnäckigkeit, Beständigkeit und die Kunst, sich
immer wieder von Nackenschlägen aufzurappeln – das sei genau das, was
man in Florida braucht.
Für Reisen bleibt dem Ehepaar wenig Zeit, und wenn, dann geht es in
heimische Gefilde auf die Keys, nach St. Augustine, zum Panhandle oder
auch schon mal bis nach New Orleans. Außerdem sind sie viel mit ihrem
Boot unterwegs.
Und was bedeutet Glück für die Beiden in bezug auf Florida? „Wir haben
hier unsere neue Heimat gefunden, nette Menschen, eine schöne
Umgebung, ein schönes Haus mit Pool – letzteres hätten wir in
Deutschland nie verwirklichen können – und eine wieder gewonnene
Freiheit. Die ist in Deutschland im Jahre 2003 nun wirklich unter die
Räder gekommen.”
„Jeder kann es, wenn er smart und hart an die Arbeit geht, zu einem
gewissen Ansehen und Erfolg bringen“
„Das Leben ist hier einfach lebenswerter“
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