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Wir haben die Greencard-Lotterie gewonnen!

                     Von Daniela Boettcher


Karin und Jan Heitmann aus Norddeutschland haben geschafft, wovon so viele träumen: Sie gewannen im Jahr 2000 die Greencard und entschlossen sich sofort, den großen Schritt nach Amerika zu wagen.

Die Heitmanns zogen nach Sarasota, wo sie auch heute noch wohnen. Ihr Ferienhäuschen dort hatten sie allerdings schon vorher – als hätten sie gewusst, dass sie irgendwann einmal für immer hier leben würden. Mit dem Gedanken, nach Florida auszuwandern, hatten sie schon des Öfteren gespielt. Zunächst war Großbritannien angedacht, weil eine Arbeitserlaubnis in den USA soviel schwieriger zu bekommen ist, doch der erste gemeinsame Urlaub in Florida ließ die Beiden dann umschwenken. „Und wenn, dann sollte es durch die Greencard sein!”, entschloss sich Karin. Das Fernweh ist Jan bereits in die Wiege gelegt worden.

Schon seine Eltern hatten Pläne, nach dem Krieg nach Kanada auszuwandern. Die Heitmanns waren schon jahrelang an die Ostküste gekommen, hatten vom Norden bis nach Key West alles erkundet und sich schließlich für die Stadt Sarasota an der Golfküste entschieden. Warum? „Zuerst wollten wir auf die Keys ziehen, aber das war uns zu abgeschieden und es gibt dort kaum Jobs”, erklärt Jan. Die Ostküste ist zu verstädtert, die Gegend um Naples „zu alt“ und Sarasota „genau richtig”. „Die Stadt ist sehr europäisch geprägt und es gibt viele junge Menschen hier”, fügt Karin hinzu.

In den letzten Jahren vor der Übersiedlung haben sie in Büsum gelebt, davor in Schleswig – und irgendwann hat es ihnen nicht mehr gefallen in Deutschland. „Wir mussten einfach raus, irgendetwas fehlte uns, die Jobs als Pharmareferenten machten keinen Spaß mehr und wir haben uns in unserer Haut nicht mehr wohl gefühlt. Also dachten wir uns: Auf zu neuen Ufern!”. Nachdem die Mutter behutsam auf den großen Schritt vorbereitet wurde und alles verkauft war, ging es dann über den großen Teich.

Die Jobsuche begann getreu dem Motto: ‚Nicht alles ist so einfach, wie es aussieht’. Zuerst versuchte Jan für $ 5,95 pro Stunde Autos zu verkaufen, dann fertigte er bei 35 Grad Sommerhitze Stahlbetonteile an: „Ich bin nun wirklich einiges gewohnt, aber ich dachte, die Sonne brennt mir das restliche Hirnwasser aus der Schale.” Durch Zufall fand er dann einen Job im Hotelgewerbe, heute leitet er als einer der Manager das „Tropical Breeze Resort of Siesta Key“. Karin fand einen Job bei einem Immigrationsanwalt, dann erwarb sie ihre Lizenz als Mortgage Broker und Realtor und hat sich selbständig gemacht. Sprachprobleme gab es so gut wie keine: Jans Englisch war durch einen einjährigen Aufenthalt während seines Lehramtsstudiums in England bereits auf entsprechendem Niveau, Karin holte schnell auf, indem sie in ihrem neuen Job einfach ins kalte Wasser geworfen wurde – „und das war auch gut so.”

Die Vorteile, die die Heitmanns am Leben in Amerika sehen, sind die größere Freiheit, mehr Selbstbestimmung und weniger staatliche Gängelung – und das Leben läuft in Eigenverantwortung ab. Außerdem fällt ihnen auf, dass die Menschen hier zufriedener wirken und nicht so mürrisch herum laufen wie viele in Deutschland. Unterschiede im Sozialverhalten fielen ihnen auch schnell auf: „Amerikaner sind keine ,englisch sprechenden Deutschen’, wenn man so denkt, dann wird man enttäuscht sein.” Die Heitmanns versuchen immer ohne Vorurteile zu sein, man müsse nur versuchen, sich die Mentalität und Denkweise der Amerikaner klar zu machen: „Es ist im Grunde wie in Deutschland”, sagt Jan, „manche Amerikaner haben uns förmlich adoptiert, mit anderen wird man nie warm.” Die sprichwörtliche Oberflächlichkeit beruhe nur auf einer falschen Erwartungshaltung. Die Deutschen seien, auf eine andere Weise, genauso oberflächlich. „Der Amerikaner versucht in der Regel, niemandem auf den Zeh zu treten. Manche Deutsche treten von einem Zeh auf den nächsten. Ein absolutes Plus ist natürlich das Klima – und man lebt mit weniger Geld besser”, sagt Jan.

Nachteile seien zum Beispiel, dass man in den USA viel mehr kämpfen und sich immer durchsetzen muss. Die soziale Absicherung sei lausig – Amerika ist halt kein Sozialstaat, und wer sein Hauptaugenmerk auf sechs Wochen bezahlten Strandurlaub lege, der werde kaum die ersten 12 Monate überdauern. Hartnäckigkeit, Beständigkeit und die Kunst, sich immer wieder von Nackenschlägen aufzurappeln – das sei genau das, was man in Florida braucht.
Für Reisen bleibt dem Ehepaar wenig Zeit, und wenn, dann geht es in heimische Gefilde auf die Keys, nach St. Augustine, zum Panhandle oder auch schon mal bis nach New Orleans. Außerdem sind sie viel mit ihrem Boot unterwegs.

Und was bedeutet Glück für die Beiden in bezug auf Florida? „Wir haben hier unsere neue Heimat gefunden, nette Menschen, eine schöne Umgebung, ein schönes Haus mit Pool – letzteres hätten wir in Deutschland nie verwirklichen können – und eine wieder gewonnene Freiheit. Die ist in Deutschland im Jahre 2003 nun wirklich unter die Räder gekommen.”

„Jeder kann es, wenn er smart und hart an die Arbeit geht, zu einem
gewissen Ansehen und Erfolg bringen“

„Das Leben ist hier einfach lebenswerter“
 

 

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