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Billy L. Cypress (59), Bear-Clan
Wo sind Sie aufgewachsen?
In einem kleinen Indianerdorf in Collier County, Florida. Als ich
sechs Jahre alt war, zog meine Familie auf die Hollywood Indianer
Reservation. Hier habe ich die meiste Zeit meines Lebens verbracht.
Damals existierten nur wenige Städte in Florida. Vieles von dem, was
wir heute in Miami kennen, war noch gar nicht da. Das kleine
Indianerlager in den Everglades, in dem ich aufwuchs, würden die Leute
heute als sehr primitiv bezeichnen.
Können Sie uns die damaligen Lebensverhältnisse beschreiben?
Wir lebten in Chickees, den Strohhütten der Seminole. Es war, als wenn
man mitten in der Wildnis lebte, ohne Strom, nur mit einem Feuer zum
Kochen. Es gab auch keine Toiletten, man ging in die Büsche. Heute
leben wir Seminole in normalen Häusern, so wie alle Amerikaner. Unser
Stamm hat eine Menge getan, um die Lebensverhältnisse zu verbessern.
Doch damals war es eben so. Ich mag beide Zeiten. Und obwohl die
Seminole heute in schönen Häusern wohnen, besitzen viele trotzdem noch
ein Chickee. Es ist gut, beides zu haben.
Können Sie uns etwas über Ihren Werdegang erzählen?
Ich studierte vier Jahre an der Stetson University in Florida, diente
bei der Armee und arbeitete später für viele Jahre im Büro für
Indianerangelegenheiten (Bureau of Indian Affairs), darunter auch in
Washington D.C. Seit 11 Jahren bin ich leitender Direktor des Seminole
Museums AH-THA-THI-KI. In den letzten Jahren reiste ich viel nach
Europa, wie nach London und Berlin, um den Stamm dort bekannt zu
machen.
Denken Sie, dass die Traditionen Ihres Stammes heute noch so
gepflegt und eingehalten werden wie zur Zeit in der Sie aufwuchsen?
Die Traditionen werden noch gepflegt, aber wir haben schon viel
verloren. Sehen Sie, irgendwie auf unserem traditionellen Weg färbte
das Christentum auf viele Indianer ab. Diese gaben ihre alte Religion
ab, da die Kirche sagte, wir müssen unsere alten Wege aufgeben. Die
meinten, ihr seid jetzt modern und viele Seminole erwiderten, o.k.,
wir vergessen die alten Geschichten und gehen nicht mehr zum Green
Corn Dance. Der Green Corn Dance ist unsere Religion, den haben wir
schon vor tausenden von Jahren zelebriert, selbst bevor Kolumbus kam,
und wir sollten das fortführen. Das Green Corn Fest wird noch heute
jährlich an einem Platz durchgeführt, der für die Öffentlichkeit nicht
zugänglich ist.
Unsere Menschen hatten dem damals einfach den Rücken gekehrt und sind
Christen geworden, unglücklicherweise. Durch das Christentum haben wir
viel verloren. Da ist eine kleine Gruppen von Seminolen, die noch
immer sehr traditionsbewußt ist, aber auch nicht mehr wie es mal war.
Deswegen ist das Museum so wichtig. Wir versuchen damit, Traditionen
zu erhalten. Wir probieren, alles wieder dahin zurückzubringen, wo es
einmal war, oder wenigstens einige Traditionen am Leben zu erhalten.
Bezeichnen Sie sich als traditionell?
Ich war sehr traditionell als ich aufwuchs, aber meine Familie ging
sehr zeitig zum Christentum über, zur "Southern Baptist Church". Wir
gehen zur Kirche und singen dort auch Indianerlieder, doch die Hymnen
sind die gleichen, die weiße Christen benutzen. Um Ihre Frage zu
beantworten, ob ich traditionell bin: Ja und Nein, wohl ein Mix aus
beidem. In den letzten Jahren bin ich nicht zum Green Corn Dance
gegangen. Ich könnte schon, doch viele Christen entscheiden sich, ihn
nicht zu besuchen. Andere Christen wiederum gehen zum Green Corn Dance
und meinen, da sei nichts dabei, wenn sie gingen, da es ja eigentlich
nur einen Gott gebe.
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Wer mehr über die Seminole
Indianer erfahren möchte, findet viele Informationen auf deren
Webseite: www.seminoletribe.com
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