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Interview: Ulf Merbold

  

"Mein Lebensmotto fand ich nicht im All"

Florida Sun im Interview mit Dr. Ulf Merbold, dem ersten Deutschen in amerikanischer Raumfahrtmission, über seine Erfahrungen in Cape Canaveral und Florida.

Als am 28. November 1983 die Raumfähre "Columbia" von der Startrampe des amerikanischen Raumfahrtzentrums Cape Canaveral abhob, war Dr. Ulf Merbold als Wissenschaftsastronaut an Bord, der erste Deutsche, der an einer amerikanischen Raumfahrtmission teilnahm.
Die intensiven Vorbereitungen und das Training bis zu diesem Höhepunkt nahmen sechs Jahre in Anspruch. Am 22. Januar 1992 gelang ihm das Comeback und so startete er zum zweiten Male von Cape Canaveral aus ins All.

FL Sun: Herr Dr. Merbold, als erster Deutscher, der von amerikanischem Boden ins All startete - welche Beziehung haben Sie zu den USA?
Dr. Merbold: Eine gute natürlich. Ich bin in Vorbereitung der Flüge sehr oft in den USA gewesen, besonders in Florida. Es hat mir dort immer sehr gut gefallen. Ich fand es faszinierend, dass in Cape Canaveral die Technik steht, mit der auch wirklich geflogen wird. In Houston zum Beispiel laufen Tests nur mit technischen Kopien. Ich wollte immer in Florida trainieren, die Geräte in die Finger nehmen, mit denen man im All auch wirklich zu tun hat.

FL Sun: Was gefällt Ihnen am Urlaubsstaat Florida?
Dr. Merbold: Das Meer, die vielen Wasserstraßen und Ferienstimmung. Nach meinen Flügen war ich mehrmals wieder dort, um Kollegen starten zu sehen. Ich war natürlich auch schon in Disneyworld, bin mit einer kleinen Maschine auf die Keys geflogen. Doch um einfach Urlaub in Florida zu machen, dafür bin ich zu oft da gewesen.

FL Sun: Herr Dr. Merbold, was empfehlen Sie Besuchern, sich in Cape Canaveral unbedingt anzusehen?
Dr. Merbold: Auf jeden Fall sollte man an einer der Bustouren teilnehmen, damit kann man das gesamte Gelände besonders gut erkunden. Die Filme über Raumfahrt im IMAX-Kino sind sehr interessant und das Museum kann ich auch empfehlen.

FL Sun: Sie sind 1994 im russischen Sternenstädtchen zur Weltraumstation MIR, Ihrer dritten Weltraummission, abgehoben. Worin liegen die Unterschiede zwischen den Amerikanern und Russen?
Dr. Merbold: Ein wichtiges Kriterium ist, dass die Amerikaner Englisch, oder was sie für Englisch halten, sprechen. Das ist ein Vorteil. Die amerikanische Technik ist viel leistungsfähiger, andererseits muss man den Russen Respekt für die MIR-Station zollen. Sie sind die Einzigen, die seit 15 Jahren eine bemannte Raumstation betreiben. Bedenken Sie nur den ungeheuren Aufwand. Es müssen ständig Wasser, Lebensmittel, Wäsche, Treibstoff und vieles mehr geliefert werden, damit das Licht dort oben nicht ausgeht.

FL Sun: Was gibt es Neues bei Ihnen, werden wir Sie wieder bei einem Flug sehen können?
Dr. Merbold: Außer mir sind noch 16 weitere Astronauten bei der Europäischen Raumfahrtorganisation angestellt, von denen einige noch nie geflogen sind. Denen muss ich den Vortritt lassen, denn ich hatte schon drei Flüge! Natürlich würde ich sofort wieder starten! Das müsste allerdings eine richtig gute, interessante Mission mit viel Wissenschaft sein.

FL Sun: Das Erlebnis eines Weltraumfluges ist so überwältigend und Sie sind einer der wenigen, die diese Erfahrung jemals machen werden. Haben Sie während Ihrer Missionen ein Lebensmotto gefunden?
Dr. Merbold: Ja, aber das fand ich nicht im All, sondern auf der Erde: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

FL Sun: Wir bedanken uns ganz herzlich für das Interview und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg in Ihrer wissenschaftlichen Arbeit.

Der Wissenschaftler bewarb sich bereits 1977 auf eine Stellenausschreibung der
Deutschen Forschungs-und Versuchsanstalt für Luft-und Raumfahrt. Unter insgesamt 700 Bewerbern wurden nach unzähligen Tests insgesamt fünf Kandidaten an die ESA gemeldet. Am 1. Juli 1978 kam die entscheidende Nachricht: Dr. Ulf Merbold erhält einen Zeitvertrag als Wissenschaftsastronaut.



 

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