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Mercedes Osceola (16), Bird-Clan
Du trägst den Titel Miss Seminole Junior. Wie gewinnt man diesen
Wettbewerb?
Daran nehmen junge Seminole Mädchen teil, die von einer Jury in
Etikette, Höflichkeit und Wissen drei Tage lang bewertet werden. Doch
es ist kein Schönheitswettbewerb, hier geht es darum, wie traditionell
man ist. Wenn man die Seminole Sprache kann, dann hilft das sehr
weiter. Je mehr man über seine Kultur weiß, umso mehr Chancen hat man.
Wo bist Du aufgewachsen?
Ich bin auf der Hollywood Reservation geboren und besuche eine private
christliche Schule.
Was ist Deine Religion?
Ich glaube an das Christentum, doch gleichzeitig an unsere
traditionellen Wege. Wir haben eine Zeremonie, die wir Green Corn
Dance nennen. Ich gehe dort jedes Jahr hin, doch es ist auch gut, in
Gott zu vertrauen. Ich bin mit dem Green Corn Fest aufgewachsen. Meine
Mutter ermunterte mich immer, dort hin zu gehen, selbst wenn ich mal
keine Lust hatte. Sie sagt, das ist der richtige Weg, sie ist so
aufgewachsen.
Was tut man auf dem Green Corn Fest?
Wir spielen ein Ballspiel "Stickball", und wir tanzen sehr viel. Jeder
Tag hat eine andere Bedeutung. An einem Tag tanzen wir die ganze
Nacht, den nächsten Tag wird nichts gegessen und an einem Tag wird
Männern die Haut aufgekratzt, bis sie bluten. Das ist der Aderlass.
Bist Du sehr traditionell?
Ja, meine Eltern haben mich so erzogen. Ich spreche auch unsere
Sprache, Miccosukee.
Sprichst Du mehr Englisch oder Miccosukee?
Ich versuche, mehr Seminole zu sprechen. Meine jüngeren Geschwister
sprechen es nicht so viel, ich versuche sie dazu zu ermuntern. Meine
Geschwister sind 13,12,11, und 5 Jahre alt. Ich bin die Älteste.
Hat das eine spezielle Bedeutung?
Die ältesten Mädchen sorgen für die jüngeren Geschwister. Ich bin
sozusagen die zweite Mutter.
Wer ist für den Haushalt verantwortlich?
Meist die Frauen. Der Mann sollte derjenige sein, der jagt oder
arbeitet. Die Frau kann natürlich auch arbeiten. Wenn beide arbeiten,
hilft meistens die Großmutter mit.
Welche Traditionen hältst Du ein?
Da sind viele, so darf man zum Beispiel keinen Ring am Zeigefinger
oder Daumen tragen. Man glaubt, dass sonst eine Schlange den Finger
abbeißen wird. Oder man sollte nicht auf einen Friedhof schauen, da
sonst die Geister der Verstorbenen die eigene Seele in Beschlag
nehmen. Wenn jemand stirbt, muss man für vier Tage trauern, ohne
anstrengende Dinge wie Sport zu betreiben.
Mit welcher Tradition kannst Du Dich besonders identifizieren?
Ich mag es, wie in der Seminolegesellschaft die Frauen den Haushalt
kontrollieren. Wir nehmen vielleicht den letzten Namen vom Mann an,
aber die Kinder erhalten immer den Clan der Frau. Es ist verboten,
innerhalb desselben Clans zu heiraten. Ein Clan ist wie eine große
Familie, das ist Blutsverwandtschaft. Die Frauen sind für den Haushalt
verantwortlich und die Onkel sind sehr stark in der Erziehung der
Kinder mit eingebunden - nicht der Vater. Der Vater gehört eigentlich
nicht richtig zur Familie, er ist wie ein Besucher, da er nicht dem
gleichen Clan angehört.
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Wer mehr über die Seminole
Indianer erfahren möchte, findet viele Informationen auf deren
Webseite: www.seminoletribe.com |
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