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Interview: Virginia Osceola

  

Virginia Osceola (41), Bird-Clan

Wo sind Sie aufgewachsen?
In den Everglades, westlich von Miami auf der Miccosukee Indianer Reservation. Zu dieser Zeit gab es dort nur Sümpfe und ein paar Häuser. Die meisten von uns lebten in Chikees. Im Jahre 1972, da war ich 12, baute mein Vater ein Haus.

Wie wohnte es sich in einem Chikee?

Mir gefiel es, das war alles, was ich kannte. Ein bisschen Angst hatte ich, wenn Hurrikane kamen. Da mussten wir alles in Plastik verpacken. Mit 23 Jahren heiratete ich einen Seminole Mann vom Panther Clan und zog auf die Hollywood Reservation.

Was tun Sie beruflich?
Nach der Highschool ging ich zwei Jahre aufs College in Miami. Dort studierte ich Verwaltungsmanagement. Mein Mann und ich besitzen einen Tabakshop, der 24 Stunden geöffnet ist, sowie einen Kunsthandwerksladen auf der Reservation. Ich manage beide. Mein Mann baut Chickee Huts, das sind große Sonnenschirme aus Palmenwedeln, auf Bestellung. Wie Sie sehen, sind wir sehr beschäftigt, zumal wir auch fünf Kinder, vier Mädchen und einen Jungen, haben.

Sind Sie traditionell?
Ja, sehr sogar.

Was bedeutet traditionell sein bei den Seminolen?
Ich versuche, unsere Sprache zu erhalten. Meine Kinder verstehen die Miccosukee Sprache, doch ich bin enttäuscht, dass sie diese nicht immer sprechen. Hier auf der Hollywood Reservation gibt es viele Kinder, die nur noch Englisch können. Wenn man mit ihnen spricht, verstehen sie einen, doch sie antworten in Englisch.
Da der Stamm der Seminole eine Art Mutter-Gesellschaft ist, bedeutet traditionell sein für mich, die Kinder zu erziehen. Die Verantwortung der Erziehung, Bildung und Traditionen liegt vollkommen auf meinen Schultern. Ich nehme diese Aufgabe sehr ernst und versuche, meinen Kindern unsere Traditionen mit auf den Weg zu geben. Zum Beispiel besuchen wir das jährliche Green Corn Fest. Mindestens zweimal im Jahr reisen wir zu verschiedenen Orten, wo sie über offenem Feuer kochen, essen und tanzen. Ich lehre sie, über offenem Feuer zu kochen, so wie es mir meine Mutter und Großmutter beibrachten. Ich zeige ihnen auch die traditionellen Tänze. Das ist mein Beitrag, um unsere Kultur zu ehren und zu erhalten.

Denken Sie, die Traditionen werden heute noch genügend gepflegt?

Für einige Zeit war nicht viel Interesse an unserer Kultur vorhanden, da wir damit beschäftigt waren, Geld zu verdienen und Essen auf den Tisch zu bringen. Wir mussten arbeiten und noch mehr arbeiten. Doch jetzt haben wir mehr Gelder von den Kasinos und all den anderen Unternehmen des Stammes. Unsere Menschen beginnen jetzt zu sagen, wir sind sehr weit gekommen, doch wir müssen unsere Kinder auch die traditionellen Wege lehren. Seit ein paar Jahren versuchen die Kinder auch wirklich zu lernen, da ist Interesse vorhanden. In unserer eigenen Schule auf der Big Cypess Reservation zwischen Fort Lauderdale und Naples sowie in den verschiedenen Reservationen wird ihnen nun Sprache und Kultur beigebracht, was vorher nicht möglich war.
 

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Mehr Informationen:

Wer mehr über die Seminole Indianer erfahren möchte, findet viele Informationen auf deren Webseite: www.seminoletribe.com


 



 

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