Ausgewandert:
"Viele waren neidisch, manche haben mich für verrückt erklärt!"
Florida Sun im Interview mit dem deutschen Physiker und Manager Dr.
Eckehardt Hamann, der mit dem O-Visum ein neues Leben in den USA
begannen
FL Sun: Warum entschieden Sie
sich, in den USA zu leben?
Dr. Hamann: Mein Plan war es, mindestens ein halbes Jahr lang
im sonnigen Süden zu leben. Ich hatte die Qual der Wahl zwischen
Italien, Kalifornien und Florida. An Florida mag ich besonders, dass
ich mit meinen 59 Jahren noch als junger Mensch angesehen werde, das
Klima natürlich und die relative Nähe zu Deutschland.
FL Sun: Was ist an Ihnen so außergewöhnlich, dass Sie sich für
ein O-Visum qualifiziert haben?
Dr. Hamann: Ich war gar nicht so von mir überzeugt, mein
hervorragender Anwalt brachte mich auf die Idee. Ich bin Physiker,
Ingenieur sowie Manager und habe unter anderem viele Jahre bei Bosch
gearbeitet. In den USA war ich maßgeblich an der Einführung eines
Abgasreinigungssystems, das von den führenden Autoherstellern
verwendet wird, beteiligt. Außerdem halte ich ein paar Patente.
FL Sun: Was tun Sie heute in Florida?
Dr. Hamann: Ich habe eine Firma gegründet, die deutschsprachige
Investoren im Erwerb und Ausbau von Unternehmungen unterstützt und
fehlgeschlagene Investitionen saniert.
FL Sun: Worin sehen Sie die Vor- und Nachteile eines O-Visums?
Dr. Hamann: Man wird nicht gezwungen zu investieren und kann
sehr einfach die Green Card erhalten. Mein Visum-Antrag wurde schon
nach einer Woche genehmigt.
FL Sun: Was haben Freunde zu Ihren Auswanderungsplänen gesagt?
Dr. Hamann: Toll, wir wollen nachkommen! Viele beneiden mich,
bodenständige Freunde dagegen haben mich für verrückt erklärt.
FL Sun: Haben sich Ihre Erwartungen an ein Leben in den USA
erfüllt?
Dr. Hamann: Sicher, ich kannte Florida ja schon sehr gut. Man
darf eben
nicht den Fehler begehen, ein paar Mal als Tourist zu kommen und sich
dann wundern, wenn der Alltag ganz anders aussieht.
FL Sun: Was gefällt Ihnen an Florida und was nicht?
Dr. Hamann: Ich bewundere die Offenheit und Akzeptanz der
Menschen gegenüber fremden Kulturen. Negativ fallen mir die
Vorgehensweisen vieler amerikanischer Anwälte auf, die versuchen, aus
jedem Missgeschick der Leute Geld zu machen. Man wollte mich
verklagen, weil mein Hund einen anderen Hund biss. In Deutschland wäre
das mit etwas Pflaster erledigt gewesen.
FL Sun: USA oder Deutschland: Wo ist es einfacher zu leben und
zu arbeiten?
Dr. Hamann: Ich lebe gern in beiden Ländern, doch Deutschland
ist eher rückständig. Viele meiner Freunde, die kleine Unternehmer
sind, haben keine Lust mehr, für den Fiskus in Deutschland zu
arbeiten. In den USA herrscht ein freundlicheres unternehmerisches
Umfeld. Das Leben ist unkomplizierter, man darf seinen Erfolg offen
zeigen. In Deutschland wird man dann schnell als neureich und
ungebildet abgestempelt. Im Sozialstaat Deutschland fehlt die
Motivation, sich anzustrengen, das setzt sich in den Unternehmen fort.