Musiker zieht es
nach Florida
Interview
mit Neil Crilly,
Executive Director, Florida Chapter of the
National Academy of Recording Arts & Sciences (GRAMMYS)
Florida Sun: Welche Musikrichtung
gilt zurzeit als die populärste in Florida? Ist es Country Music, Hip
Hop oder Dance Music?
Neil Crilly: Vielleicht alle drei zusammen. Das kommt darauf
an, wo die Menschen leben. Man könnte von drei Regionen Floridas
sprechen, wo jeweils eine Musikrichtung besonders beliebt ist. In und
um Miami herum ist es zweifellos Latin Music, die hier ihren
Schwerpunkt hat. Zentralflorida ist ein eher ländliches Gebiet, dort
ist Country unschlagbar. Dann bleiben noch die nördlich davon
gelegenen Regionen ab Orlando und Tampa, hier ist das populär, was
gemeinhin „Rock und Pop“ genannt wird.
Jedes Gebiet bringt immer wieder großartige Künstler hervor, wie
Matchbox aus Orlando oder N-Sync, die ebenfalls von dort stammen. Oder
aus früheren Jahren Tom Patty, der aus Jacksonville kommt. KC and the
Sunshine Band haben ebenfalls hier angefangen. Florida ist musikalisch
gesehen ein interessanter Landstrich und viele haben ihre ersten
Platten in Miami aufgenommen. Andere kamen hierher, nachdem sie schon
bekannt waren wie The Eagles, die aus Kalifornien stammten. Auch Rod
Stewart zählt zu denen, die jetzt hier arbeiten. Und die Bee Gees
nicht zu vergessen, die ebenfalls hierher gezogen sind.
Florida Sun: Welchen Einfluss hat die spanischsprachige Musikszene auf
das ganze Land?
Neil Crilly: Seit 1980 ist Latin Pop hier immer wichtiger geworden.
Auslöser war die TV-Serie Miami Vice. Das brachte einen großen Schub
für alles „Latinoartige“. Das tropische Klima, das Stadtbild von Miami
und der ganze Stil wurden populär durch den Erfolg der Fernsehserie.
Bewirkt hat das auch einen gewaltigen Schub für die Musikrichtung aus
Florida. Immer mehr Partys fanden statt und zahlreiche Clubs wurden
eröffnet. Dies alles trug dazu bei, dass spanischsprachige Musik immer
mehr zum Mainstream wurde. Ein wichtiger Name in diesem Zusammenhang
muss dabei erwähnt werden: Jon Secada. Und viele folgten ihm nach, so
wie Ricky Martin. Wir können so weit gehen zu behaupten, dass vieles,
was heute weltweit populär ist, hier in Miami begann.
Florida Sun: Gibt es auch einen indianischen Einfluss auf die Musik in
Florida?
Neil Crilly: Ich glaube, ihr Einfluss ist leider nicht sehr groß. Sie
haben einige Künstler, wie Robby Roberts, der Indianer ist. Aber neben
ihm gibt es nur wenige Musiker, die einem größeren Publikum bekannt
wurden. Eine der Aufgaben der Academy of Recording Arts & Sciences ist
es, die Musik der Native Americans zu fördern. Es wurde im letzten
Jahr eine „Native American Music Grammy Categorie“ zu den bereits
bestehenden Auszeichnungen hinzugefügt. Der erste Preis in dieser
Musiksparte ging an eine Zusammenfassung verschiedener Pow Wow Lieder,
dafür gab’s den Grammy. Vielleicht tragen wir damit zur allgemeinen
Anerkennung dieser Musik bei.
Florida Sun: Gibt es noch die früher sehr populäre Folkmusic?
Neil Crilly: Ich fürchte nein. Das ist für Musiker aus Florida
schwierig. Ich unterstütze diese Musikrichtung, aber Folkmusic ist
nicht sehr beliebt in Florida. Sie war früher im ganzen Land
verbreitet – ich nenne nur Bob Dylan –, aber heute ist das nicht sehr
gefragt.
Florida Sun: Sind Blues und Jazz hier beliebter?
Neil Crilly: Blues wurde vor Rock’n Roll „erfunden“ und ist immer so
etwas wie die Basis von Rock’n Roll geblieben. Deshalb wird Blues auch
immer aktuell bleiben und gespielt werden. Dasselbe gilt für Jazz.
Jazz ist sehr populär in Florida. Das beweisen eine ganze Reihe von
Jazzfestivals im ganzen Land.
Florida Sun: Was ist denn das größte Jazzfestival Floridas?
Neil Crilly: Das bekannteste dürfte das Sun Jazz Festival von West
Palm Beach sein. Seit einiger Zeit nahm es auch noch andere
Musikrichtungen auf. Im letzten Jahr spielte zum Beispiel Lenny Kravitz. Es entwickelt sich immer mehr zum Music Arts & Craft Festival
am Meer, was ich sehr gut finde. Als Besonderheit von Florida floriert
der Latin Jazz als Musikrichtung. Dieser Stil hat sich hier gut
etabliert.
Florida Sun: Und die Liebhaber klassischer Musik?
Neil Crilly: Auch sie finden in Florida etwas. Hier spielen zahlreiche
klassische Orchester. Diese Musik findet immer ihre Liebhaber und dem
tragen Konzerte im ganzen Land Rechnung.
Die Fragen stellte
Harald Schmautz