Abseits aller
Hektik
James Jiao bringt Ihnen die amerikanische Sportart Baseball näher.
Baseball ist
die älteste Teamsportart in Nordamerika. Im Gegensatz zu Basketball
und American Football hat es nie deren weltweite Verbreitung gefunden.
Vielleicht gerade deshalb gilt Baseball auch noch als „uramerikanisch“
und rangiert in unserem patriotischen Bewusstsein gleich hinter Mutti,
der amerikanischen Flagge und Apfeltorte an vierter Stelle.
Während das
Umfeld dieser Sportart sich seit 125 Jahren laufend ändert, findet das
Spiel selbst nach den ewig gleichen Regeln statt. Auch darum lieben
wir Amerikaner das Traditionsreiche an diesem Spiel. Während in den
Footballstadien heute laute Hip-Hop Musik aus den Boxen plärrt, werden
alle Zuschauer beim Baseball am Ende des 7. Innings zum Mitsingen beim
Lied „Take me out to the ball-game“ eingeladen. Bei
Fernsehübertragungen werden stets längst vergangene spielentscheidende
Momente wieder in Erinnerung gerufen. Während sich die
Geschichtsschreiber darüber streiten, wer die Regeln und damit
Baseball „erfunden“ hat, sind sich die meisten einig, dass das
englische Spiel „Rounders“ Anfang des 19. Jahrhunderts die
Mustervorlage gab. Das erste Profiteam gab es 1869 und bereits wenige
Jahre später gab es Sperrklauseln und Ablösevereinbarungen. 1889
beschwerten sich die Eigentümer der Mannschaften über die hohen
Spielergehälter von 2500 US-Dollar (Im Dezember 2000 schloss der in
Miami lebende Spieler Alex Rodriguez einen Vertrag mit den Texas
Rangers, der ihm über zehn Jahre 252 Millionen US-Dollar bezahlt).
Die National
League als Profi-Liga entstand 1871. Heute spielen 31 Mannschaften
verteilt in der National und der American League. Die Saison läuft von
April bis Oktober, mit den World Series zwischen den beiden Ligaersten
als Endspiel-Serie. Dieser Titel ist etwas irreführend, denn außer
zwei kanadischen Mannschaften ist die Welt allenfalls mit einigen
japanischen, kubanischen und dominikanischen Spielern in den beiden
Ligen vertreten.
Mit den Florida
Marlins und den Tampa Bay Devil Rays sind zwei Mannschaften aus
Florida in der „Major League“, dem Sammelbegriff für die beiden ersten
Ligen. Florida ist aber in der Spätwintervorbereitungszeit (Preseason)
vieler Mannschaften temporäres Zuhause. Hier kann man in einer
ursprünglichen Umgebung hautnah 20 Teams wie die New York Yankees
(Tampa), Cleveland Indians (Winter Haven), Baltimore Orioles (Ft.
Lauderdale), Boston Red Sox (Ft. Myers) und mehr in der so genannten
Grapefruit-Liga beobachten.
Auf- und
Abstiegsangst kennt man nicht; unterhalb der Major League gibt es drei
Klassen von Minor-Leagues, deren Mannschaften mit Erstligateams
assoziiert sind. Dort werden neue Talente mit Spielpraxis aufgepäppelt
und alternde Stars sammeln als Spielertrainer erste Erfahrungen. Den
Erstligateams droht allenfalls der wirtschaftliche Abstieg; diese sind
nicht als Verein mit Mitgliedern organisiert, sondern als
Wirtschaftsunternehmen. Wenn eine Mannschaft unrentabel ist, wird sie
kurzerhand mit der Hoffnung auf eine Finanzspritze verkauft; im
schlimmsten Fall droht der Umzug in eine neue Stadt. Die berühmtesten
Beispiele sind die Dodgers, früher in Brooklyn, heute in Los Angeles,
sowie die Giants, früher in New York, heute in San Francisco.
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