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Baseball

  

Für deren Fans war der Umzug gleich bedeutend mit Landesverrat. Nicht selten gibt es Spieler, die in zehn oder mehr verschiedenen Mannschaften gespielt haben. Einige Namen sind aber untrennbar mit einer Mannschaft verbunden, wie zum Beispiel Babe Ruth (The Babe) und (Joltin’) Joe DiMaggio (NY Yankees) oder (Say hey) Willie Mays (San Francisco). Schon diese Spitznamen geben die innige Verbindung mit den Fans wieder.

Ehemalige Stars, insbesondere, wenn sie in die Baseball Hall of Fame aufgenommen wurden, erzielen bei Autogrammstunden mehr Geld als während ihrer aktiven Laufbahn. Die Sammelwut an Baseball-Souvenirs treibt die Preise von ehemals getragenen Uniformen und sonstigen Spielgegenständen leicht in in sechsstellige Höhe. Der Ball vom 62. Home Run von Mark McGwire (St. Louis), mit dem er einen fast 40 Jahre alten Saisonrekord brach, wurde ihm von einem Platzwart geschenkt zurückgegeben, der Ball vom 63. Homerun wurde von einem Fan für eine Million Dollar versteigert.

Der Traum vom großen Baseball-Geld lockt viele ins Baseball-Land USA. Kurz vor dem Jahreswechsel 1997/98 setzte sich der kubanische Werfer Orlando Hernandez zusammen mit einigen anderen Flüchtlingen in ein Boot, um seiner Heimat in Richtung USA zu entfliehen. Was folgte ist ein Lehrbuchbeispiel an Baseballkapitalismus: In den Bahamas angekommen, wurde Hernandez von seinem zukünftigen Agenten abgeholt, die übrigen Bootsinsassen wurden zurück nach Kuba deportiert. Anstatt nun direkt in die USA zu gelangen, ließ sich Hernandez erstmal formell in Costa Rica nieder; damit konnte er unter Umgehung bestimmter Amateurspielervorschriften unmittelbar seine Leistungen an den Meistbietenden verkaufen.

In der Dominikanischen Republik, einer Fundgrube für Talentsucher „verjüngen“ sich oft aufstrebende Talente mittels gefälschter Papiere. Jedes Jahr kehren wirtschaftliche Themen im Baseball wieder, die bei den Fans Grausen auslösen. Spielerstreiks, Spielerklau zwischen den Mannschaften oder jetzt die Finanzierung neuer Baseballstadien mit mehr Luxusboxen aus der öffentlichen Hand erregen stets die Gemüter.

Warum bleibt aber Baseball trotzdem stets im Herzen der Amerikaner? Beobachten Sie mal, wie Eltern mit ihren kleinen Kindern auf der Straße oder im Garten Ballwerfen und -fangen spielen. Das relativ langsame Tempo bewirkt eine entspannte Stimmung, abseits aller Hektik. Baseball ist wie das Leben, wo Können, Talent und Erfahrung sich in Sieg oder Niederlage spiegeln. Ursache und Wirkung, Motiv und Konsequenz sind hier so klar definiert. Baseball ist zugegebenermaßen die amerikanische Sportart, die sich dem Ausländer am wenigsten erschließt.

Der Autor James Jiao ist im Berufsleben als Senior-Finanzberater tätig.
 

Die Regeln
Zwei Teams zu je neun Spielern stehen sich beim Baseball gegenüber, wobei jede Mannschaft im Wechsel einmal die Feld- und einmal die Schlagmannschaft ist. Die Aufgabe der Schlagmannschaft besteht darin, den Ball ins Feld zu schlagen und daraufhin über die einzelnen Bases zurück zur Homebase zu laufen. Eine vollendete Runde bedeutet einen Punkt (Run).

Jedes Team muss vor Spielbeginn eine Schlagreihenfolge der Spieler festlegen, die im Verlauf des Spieles nicht mehr verändert werden darf. Die Schlagmannschaft verliert ihr Schlagrecht und somit auch die Möglichkeit, Punkte zu machen, nachdem drei ihrer Spieler „aus“ gemacht worden sind. Sie befindet sich jetzt in der Defensive und versucht ihrerseits möglichst schnell drei der gegnerischen Schläger „aus“ zu machen.

Redewendungen
„Wer Baseball versteht, versteht auch die Amerikaner“. Die amerikanische Umgangssprache enthält viele Baseballanalogien. Eine Auswahl:
To strike out: Misserfolg haben
To hit a homer: Großen Erfolg haben
Bottom of the ninth (inning): Fünf vor zwölf
To throw someone a curveball: Täuschungs- oder Hindernisversuch
To be in left field: von allen anderen unbeachtet sein
To get to base with someone: Mit jemandem Schmusen; 1st base: Küssen, 2nd base: fummeln etc.
Batting Average: Erfolgsquote
(He) goes for the long ball: Spielt auf Risiko
Totally different ballgame: Ganz anderer Tatbestand
Raincheck: Gutschein (für ein ausgefallenes Spiel)

 

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Barry Bonds, San Francisco Giants
Foto: 2001 Touchdown Image

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