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Endstation Paradies

                        Von Daniela Boettcher

Sabine und Rolf Braun aus Münsingen haben sich
ihren ganz persönlichen amerikanischen Traum erfüllt - und das, ohne ihn geplant zu haben.


Stilvoll und modern, aber gleichzeitig so gemütlich, dass man es am liebsten gar nicht mehr verlassen will: Das in fröhlich-warmen Erdtönen ganz in Rot und Apricot gehaltene Wohnzimmer der beiden 34-jährigen Wahl-Floridianer passt sich wunderbar der es umgebenden Landschaft an. Blickt man vom Balkon ihres Hauses hinunter, durch die saftig grünen Palmen, die sich ans Geländer schmiegen, und schwenkt den Blick auf den türkisfarbenen Pool und die weißen, in der Sonne schimmernden Boote im königsblauen Wasser des Waterways gleich hinter der Hotelanlage, muss man einfach glauben, man sei direkt im Paradies. Sabine und Rolf führen das Hotel “Villa Venezia” in Fort Lauderdale und haben außerdem zusammen eine Design- und Baufirma namens SARO.

Vor sieben Jahren kamen sie in die USA - zunächst aber gar nicht mit der Option, ein eigenes Business aufzubauen. Nach dem Studium landeten sie in Florida, um von hier aus sechs Monate durch die USA zu reisen. Um das Reisen unkomplizierter zu machen, eröffneten sie ein Konto bei einem deutschen Banker in Ocala. Dessen spontanes Angebot, mit ihnen zusammen einen Golf & Country-Club zu planen und zu bauen, war allerdings so verlockend, dass die beiden nie ihre Reise gen Westen fortsetzen sollten. “Wenn man in Florida etwas Neues aufbauen will, braucht man eine große Portion Idealismus”, sagt Sabine.

Also packten sie die Gelegenheit beim Schopf und halfen dabei, aus einem wild wuchernden Stückchen Florida einen Golfrasen zu machen – es galt, mit Unterstützung deutscher Privatinvestoren Häuser auf das Gelände zu bauen und zu verkaufen. “Wir hatten den Kopf frei für Abenteuer jeder Art, verlieren konnten wir nichts.” Bevor das sechsmonatige Visum auslief, haben Sabine und Rolf noch geheiratet – der zweite, umso wichtigere Schritt für eine gemeinsame Zukunft in Amerika. Zurück in Deutschland haben sie dort alles aufgegeben und sind voller Enthusiasmus wieder in die USA gekommen.

Doch kaum hatten sie dort ihr erstes H1B-Arbeitsvisum, das sie über die Baufirma der Kontaktperson beantragt hatten, war der “Abenteuer-Gedanke” nicht mehr da, es wurde ernst. Das neue Apartment war schmutzig und klein, das Loch im Auspuff des alten Chevy Blazer, den sie auf einer nächtlichen Auto-Auktion ersteigert hatten, musste ab und zu mal provisorisch zugelötet werden. Dann zog sich der Besitzer der Firma aus dem Geschäft zurück, was Sabine praktisch über Nacht zur Vize-Präsidentin und Rolf zum Supervisor der Baufirma machte.

Während einiger Jahre harter Arbeit auf der Golfanlage, in der sie den ein oder anderen Dollar auf die hohe Kante legen konnten, tat sich mit der Übernahme der “Villa Venezia” noch ein weiteres Standbein auf. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten mit einem unlauteren Manager hat sich das “Island Resort” zu einem erfolgreichen Feriendomizil etabliert, aus dem die Besucher gar nicht mehr ausziehen mögen. Parallel haben beide frischgebackenen Hotelbesitzer noch jeweils ein Zweitstudium absolviert, um zusätzlich zum deutschen einen amerikanischen Abschluss zu haben und so ohne Schwierigkeiten ihre eigene Bau- und Designfirma zu leiten.

Jahre- und nächtelanges Büffeln nahmen sie gerne in Kauf. “Außerdem habe ich mir mit dem Innenarchitektur-Fernstudium einen Kindheitstraum erfüllt. Jetzt weiß ich endlich, was ich wirklich kann und was mir beruflich am meisten Spaß macht”, sagt Sabine. Fast die gesamte Einrichtung der zehn Hotel-Einheiten in der “Villa Venezia” hat Sabine zusammen gestellt und dekoriert. Und Rolf? “Ich habe hier an der Uni meine Contracter License erworben.” Auf die Frage, welche Berufsbezeichnung er im Deutschen jetzt hätte, wirft Sabine ein: “Baulöwe!”
Als wäre das noch nicht genug, hat Sabine sich zur Standesbeamtin zertifizieren lassen und traut seitdem Hotelgäste und andere Paare, ganz nach Wunsch unter den Palmen am Swimmingpool oder am weißen Sandstrand.

Die beiden Geschäftsleute haben für sich ein Geheimrezept entdeckt, das sie gerne an andere weitergeben: Behält man die deutsche Zuverlässigkeit, legt alles Konservative ab und mischt dies mit dem “American Way of Life”, hat man eine große Chance auf seinen persönlichen amerikanischen Traum. “Eine Kontaktperson, die dir die Tür öffnet, ist hilfreich - aber durchlaufen musst du selbst”, betont Sabine. “Es war vor allem schön zu sehen, dass die berufliche Zusammenarbeit eine sehr positive Erfahrung darstellte. Wir haben herausgefunden, dass unsere Talente sich absolut ergänzen und wir zusammen so viel mehr erreichen können als allein.”

Das kleine Familienglück ist perfekt: Ein eigenes Unternehmen, ein eigenes Hotel mit Pool direkt am Wasser... Was könnte da noch fehlen? Bei der Frage nach dem Kinderwunsch kommt die Antwort: “Das ist unser nächstes Projekt...”
 


Selbst gestaltetes
Hotelzimmer


Blick vom Balkon auf den Pool von Villa Venezia und den
Intracoastel Waterway


Hochzeit am weißen Sandstrand:
Sabine traut ein deutsches Urlaubspärchen


Entspannen nach der Arbeit mit Hund Ally


Sabine und Rolf auf dem Balkon ihrer Wohnung

 

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