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Von den exklusiven Vororten Orlandos über
Boca Raton, Miami Beach und Naples bis hin zu den versteckten Villen
auf den Keys - Floridas Anziehungskraft auf Prominente ist
ungebrochen. Die Ingredienzien: das warme Klima, hervorragende
Golfplätze, ungestörte Privatsphäre und ein lässiger Lifestyle. Und
natürlich ein solider Wertzuwachs der Immobilien und handfeste
Steuervorteile.
Jahrhunderte lang gab es nur Wildnis und Indianer. Dann kamen die
Spanier. Doch sie blieben meist in den Sümpfen stecken. Florida hatte
seinen Eroberern nur einen Rohstoff zu bieten: Sonne. Von der war
allerdings so verschwenderisch viel vorhanden, dass ein paar
sonnenhungrige Investoren aus New York und Neuengland beschlossen, ein
Geschäft mit ihr zu machen. Henry Flagler, ein verrückter Millionär,
war so überzeugt von der Zukunft Floridas, dass er 1912 eine Eisenbahn
bis nach Key West bauen ließ.
Irgendwann kamen dann die Reichen und Prominenten. Ob Miami Beach,
Naples oder Palm Beach – überall haben in den vergangenen Jahrzehnten
einflussreiche und berühmte Menschen aus Wirtschaft, Sport und
Show-Business hier einen Erst-, Zweit- oder Drittwohnsitz erworben.
Auch deutsche Promis wie Boris Becker, der Playmobil-Chef Horst
Brandstätter, der Musikproduzent Frank Farian oder der Mäuse-Zeichner
Uli Stein konnten den Verlockungen des „Sunshine State“ nicht
widerstehen. Einer kam schon vor dreißig Jahren: James Last. Heute
läuft er auf seinem Lieblings-Golfplatz in West Palm Beach oft Otto
Waalkes über den Weg. Der Bandleader aus Bremen und der Komiker aus
Emden wissen nur zu gut, warum sie so versessen sind auf eine Gegend,
in der man beim Golf keinen Ostfriesennerz anziehen muss.
Stefanie Maria Graf, in den Neunzigern zur weltbesten Tennisspielerin
aufgestiegen, nennt einen traumhaft schönen Wohnsitz im noblen Boca
Raton ihr eigen – genauso wie ihre ehemalige Kontrahentin Chris Evert.
Mit seinen von Palmen gesäumten Straßen, den eleganten Boutiquen,
schicken Restaurants und prächtigen Wohnanlagen, zu denen meist
schmiedeeiserne Tore Normalsterblichen den Zugang verwehren, bietet
Boca Raton seinen Prominenten einen Flair von Luxus und Sicherheit.
Für den Hamburger Tommy Haas dagegen war die Nähe der berühmten
Tennis- Academy von Nick Bollettieri ausschlaggebend, sich in
Bradenton an der Westküste Floridas niederzulassen. Mary Pierce und
Marcelo Rios ging es ähnlich. Wo sonst kann man praktisch zwölf Monate
im Jahr das Racket schwingen – und ist doch in zwei Stunden in New
York? Die Liste der Tennis-Cracks, die einen Wohnsitz in Florida ihr
eigen nennen, liest sich denn auch wie das Who’s Who des weißen
Sports. Jennifer Capriati hat eine Immobilie in Saddlebrook, die
schöne Russin Anna Kournikova in Miami Beach, Todd Martin residiert in
Ponte Vedra, Monica Seles in Sarasota und die Williams-Sisters Serena
und Venus haben sich in Palm Beach Gardens niedergelassen.
Überhaupt die Sportler! Wenn Shaquille O’Neal nicht für seine Los
Angeles Lakers auf Korbjagd ist, genießt Amerikas Basketballer Nummer
Eins daheim in der Promi-Enklave Isleworth nahe Orlando die angenehmen
Seiten des Lebens. Hier gibt es keine kreischenden Fans, einen
herrlichen Golfplatz und den schnellen Zugang zum internationalen
Flughafen von Orlando. Ach ja, die Tatsachen, dass der Bundesstaat
Florida keine eigene Einkommenssteuer erhebt und ein vergleichbares
Haus in Kalifornien gut das Dreifache kosten würde, waren für den 2,16
m großen Riesen nicht ganz unbedeutend. Nur einen Steinwurf entfernt
besitzen auch Mega-Golfer Tiger Woods, Schauspieler Wesley Snipes und
Gesangs-Sternchen Mandy Moore Immobilien.
In Tampa Bay, Heimat des derzeitigen Super Bowl-Gewinners im Football,
den Tampa Bay Buccaneers, zieht die eingezäunte Golf-Wohnanlage Avila
nicht nur die Sportgrößen der heimischen Region an. So hat sich neben
den Football-Stars Warren Sapp und Shaun King auch der Baseballer
Derek Jeter von den New York Yankees – Amerikas höchstbezahlter
Sportler – hier eingekauft.
Florida ist „in“ unter Promis und niemand stört sich daran, dass die
großen US-Klatschmagazine wie der National Enquirer oder der Star
ausgerechnet hier angesiedelt sind. Anders als in Beverly Hills oder
Manhattan bleiben die „rich and famous“ in Florida weitgehend
unbehelligt.
Zu den frühen Fans des Sunshine States gehörten die Präsidenten Harry
Truman, der sich auf Key West ein Anwesen gönnte, Richard Nixon, der
zeitweise auf Key Biscayne lebte, und natürlich John F. Kennedy,
dessen Clan viele Jahrzehnte lang ein luxuriöses Strandhaus in West
Palm Beach sein eigenen nannte. Andere berühmte Floridianer:
Literatur-Nobelpreisträger Ernest Hemingway in Key West und in
jüngerer Zeit Immobilien-Mogul Donald Trump mit seinem „Mar-a
Lago“-Club in Palm Beach. Viele noble Wohnanlagen sind auf dem Gelände
früherer Industriellen-Estates gebaut, so zum Beispiel Fisher Island
vor Miami Beach – heute Heimatadresse für Boris Beckers Ex-Gemahlin
Barbara –, wo in den zwanziger Jahren William K. Vanderbilt eine
standesgemäße Residenz erbaute.
Neben gern gesehen Prominenten war Florida freilich auch immer
Anziehungspunkt eher zweifelhafter Berühmtheiten wie den Mafiosi Al
Capone und Meyer Lansky, die sich beide in Miami Beach niederließen
und zuletzt der ehemalige Footballstar O. J. Simpson, der es durch den
spektakulären Prozess um den Mord an seiner Gattin Nicole zu
„Weltruhm“ brachte.
Im Übrigen herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Die Sängerin
Celine Dion etwa hat im vergangenen November ihr Haus in Miamis
Admirals Cove für
20 Millionen Dollar verkauft. Die Musical-Legende Liza Minnelli
mietete für einige Jahre ein Haus in Fort Lauderdale, ehe es sie
wieder nach New York zog. Sylvester Stallone und Madonna waren in
ihren Villen in Miami einige Jahre lang Nachbarn. Die in Amerika
überaus populäre Fernsehdiva Oprah Winfrey hat drei ihrer Appartements
auf Fisher Island gerade abgestoßen. Sesshafter dagegen ist
Kosmetik-Queen Estee Lauder. Die
95-Jährige residiert bereits seit Jahrzehnten in Palm Beach. Und auch
Soul-Lady Whitney Houston, Besitzerin eines Luxus-Anwesens auf
Williams Island, hegt keine Abwanderungsgedanken.
Ansonsten bleiben auch die Wirtschaftskapitäne gern unter sich – in
Orten wie Vero Beach, Sarasota, Bonita Springs, Naples und natürlich
Palm Beach. Letzteres verfügt über die höchste Dichte an solventen
Spitzenmanagern in Florida. Zu ihnen gehören der superreiche
High-Tech-Milliardär Jim Clarke, Gründer von Netscape, sowie Nelson
Peltz vom Fastfood-Imperium Triarc Companies („Arby’s“), der sein
Anwesen Montsorrel derzeit allerdings für 75 Millionen Dollar zum
Verkauf anbietet. Zuweilen werden die ambitionierten Baupläne der
Top-Manager aber auch von der Realität eingeholt. So liegt das 15
Millionen teure Villenprojekt von Scott Sullivan, ehemals Finanzchef
des inzwischen Bankrott gegangenen Telefonriesen WorldCom, in Boca
Raton zunächst auf Eis – jetzt sprechen die Gerichte.
Ganz oben auf der Liste namhafter Executives steht seit einigen Jahren
Naples am Golf von Mexiko. Das mag daran liegen, dass sich der Ort
trotz anhaltendem Bauboom ein kleinstädtisches Flair bewahrt hat und
wohl auch daran, dass man hier noch ein bisschen strenger auf die
Einhaltung der Privatsphäre achtet als anderswo. Im Nobel-Quartier
Port Royal bleibt man zumeist unter sich.
Weiter im Süden auf den Keys ist man als Prominenter ebenfalls gut
aufgehoben. So ist der ehemalige Football-Trainer Jimmy Johnson im
Anglerparadies Islamorada ansässig. Nick Carter, Sänger der
Teenie-Band Backstreet Boys, hat sich ein tropisches Anwesen in
Marathon gesichert.
Künstler aus dem Pop- und Rockgeschäft zieht es dagegen naturgemäß
eher dorthin, wo die „Action“ ist: die Clubszene am South Beach von
Miami. Stars mit Heimatadresse Miami Beach sind unter anderem Barry
Gibb, Sänger der Bee Gees, Lenny Kravitz, Enrique Iglesias, die
Latino-Beauty Jennifer Lopez und ihr männliches Pendant Ricky Martin.
In Miami versteckt sich niemand – die Stadt ist kosmopolitisch genug,
die Privatsphäre seiner Stars zu würdigen. Man weiß halt, was man an
ihnen hat.
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