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Regeln im Umgang mit dem Amerikaner

 Von Rainer N. Filthaut  

Tief durchatmen, lächeln und sich des Disneylands für Erwachsene erfreuen...

Sie waren mit Amerikanern zum Essen, auf einer Party oder einem Anlass. Es wurde viel geredet, viel gelacht, man hatte Spaß. Sie gehen nach Hause und fragen sich: Über was haben wir eigentlich geredet? Wahrscheinlich über nichts Wichtiges. Der Amerikaner wird so erzogen, dass es sich nicht gehört, in Gesellschaft ein Thema anzuschneiden, das die anderen oder den Gastgeber in Verlegenheit bringen oder zu Unstimmigkeiten in der Runde führen könnte. Gespräche über Politik, Sex und Religion sind verpönt. Man ist zusammen, um sich kennen zu lernen, es lustig zu haben und die gegenseitigen Beziehungen zu vertiefen. Aber auf keinen Fall ein Thema anzuschneiden, dass zu Kontroversen führen könnte. So sind die Amerikaner nun einmal. Ende der Diskussion.

Wenn Sie einen Amerikaner besser kennen gelernt haben (er wird Sie schnell "my german friend" nennen, doch das hat nichts mit dem Sinn des deutschen Wortes "Freund" zu tun), können Sie sich langsam an Themen herantasten, die etwas heikler sind (aus der Sicht des Amerikaners). Sie werden schnell merken, ob Ihr Gesprächspartner konsterniert reagiert oder wirklich auf das Gespräch eingeht. Bedenken Sie auch, dass die Allgemeinbildung eines Amerikaners weit unter derjenigen eines Mitteleuropäers liegt. Die USA sind so groß, dass man sich als Normalbürger wenig mit dem beschäftigt, was im Ausland passiert. Verständlicherweise, ist es von New York weiter nach Los Angeles als von Berlin nach Moskau.

Das heißt nun nicht, dass die Amerikaner dümmer sind. Sie sind einfach anders. Vieles erscheint auf den ersten Blick und selbst nach Jahren sehr widersprüchlich. Die Deutschen haben in den USA ein gutes Image (vor allem Ingenieure, Techniker, Geschäftsleute). Sie gelten als organisiert, effizient, schnelle Autofahrer, Perfektionisten und als diejenigen, die alles besser wissen. Das Bild des jodelnden Deutschen in Lederhosen mit Bierkrug in der Hand haben nur die wenigsten Amerikaner.

Dem Amerikaner ist es im gesellschaftlichen Umfeld sehr wichtig, ein gutes Verhältnis zu jedem zu haben. Konfrontationen vermeidet er soweit wie möglich. Bei aller Ernsthaftigkeit des Lebens, möchte er doch am Ende Spaß haben. Belehrendes Verhalten stößt ihm sauer auf und stört sein Bedürfnis nach Harmonie. Europäer sind in Amerika willkommen und werden offen aufgenommen. Schätzen Sie diese Offenheit und Gastfreundschaft!
Jeder Amerikaner ist überzeugt, dass die USA Gottes Land sind. Und er ist stolz darauf ein Amerikaner zu sein. Nach der Zeit des Vietnamkrieges hat Amerika wieder einen Nationalstolz entwickelt. Bitte respektieren Sie diese Gefühle der Amerikaner, auch wenn sie für uns Mitteleuropäer manchmal etwas zu patriotisch erscheinen.

Meine Lebensgefährtin und Geschäftspartnerin ist Amerikanerin. Viele meiner Freunde sind Amerikaner. Vor fast 7 Jahren bin ich nach Naples gekommen und habe mich hier eingelebt. Naples ist heute mein Zuhause. Ich betrachte mich als Europäer mit deutschem Pass, als Jugendlicher in die Schweiz gekommen und dort aufgewachsen, viel in der Welt herumgereist und heute in Amerika lebend. Seit 1982 habe ich immer wieder die USA besucht und liebe Land und Leute. Ich habe gelernt (manchmal mit langer Verzögerung und etwas schmerzhaft), dass vieles in den USA anders ist. Ist es anders als in Europa, so heißt dies noch lange nicht, dass eines von beiden schlecht oder falsch sein muss. Zugegebenermaßen ist vieles in den USA komplizierter als in Europa (wer ist nicht schon am hiesigen Bankensystem verzweifelt und wo gibt es um Himmelswillen richtiges Brot?). Dafür ist aber auch wieder vieles fortschrittlicher, einfacher, freundlicher. Wir leben hier in den USA und ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass es einfacher für mich ist, mich anzupassen und etwas als gegeben hinzunehmen, als zu versuchen 240 Millionen Amerikaner zu ändern und sie zu belehren.

Die Amerikaner treten dem Europäer offen und interessiert gegenüber. Heißen ihn in den USA willkommen und freuen sich darüber, dass es dem Europäer hier gefällt. Seine natürliche Freundlichkeit und Neugierde bringt den Amerikaner im Nu dazu, ein Gespräch mit dem Europäer zu beginnen und sich für ihn und seine Herkunft zu interessieren. Sicher ist vieles am Anfang oberflächlich. Mir persönlich ist aber ein oberflächliches Gespräch mit einer freundlichen Person lieber als eine unfreundliche Antwort eines Menschen mit geistigem Tiefgang. Im Laufe der Jahre habe ich gelernt folgende Themen in einem Gespräch mit Amerikanern (außer ich kenne ihn wirklich gut) zu vermeiden: Waffengesetze, Todesstrafe, Rassendiskriminierung, das hiesige politische System und was in Europa alles besser ist als in Amerika.

Es kommt mir immer häufiger zu Ohren, dass Amerikaner ihren Unmut zum Ausdruck bringen, dass deutsche Eigentümer mit allen Mitteln und Tricks versuchen, Beschränkungen in der Vermietung und Nutzung von Wohneigentum zu umgehen. Generell sind die Amerikaner den europäischen Besuchern gegenüber sehr positiv eingestellt, solange diese sich an die hier üblichen Sitten und Gebräuche halten. Nach meinen Schätzungen leben in Naples zirka 2000 Deutschsprechende ganzjährig und etwa 5000 haben Grundeigentum. Etwa 300,000 besuchen Collier und Lee County dieses Jahr. Deutsch hört man überall, sei es im Shopping Center, im Restaurant oder am Strand. Die Amerikaner fühlen sich aber unwohl, wenn in ihrer Gegenwart Deutsch geredet wird. Sie haben dann das Gefühl, dass man über sie spricht und wer mag das schon?

Von meinen amerikanischen Freunden bekomme ich in letzter Zeit vermehrt Hinweise darauf, dass sie sich durch gewisse Verhaltensweisen von Deutschsprechenden gestört fühlen. Die Mehrheit der Besucher kommt wegen des schönen Wetters, der Landschaft, den Stränden, der Freundlichkeit der Leute etc. nach Naples und weil sie den "American Way of Life" mögen. Eine kleine Minderheit möchte aber Deutschland mit Sonne und Strand und interessiert sich nicht, ob dies in den USA oder sonst wo liegt. Ich bin sicher, dass Sie, meine verehrten Leser, nicht zu dieser Gruppe gehören. Doch diese Leute verursachen Spannungen mit den Amerikanern, die sich auf das Verhältnis zu allen Deutschsprechenden auswirken und sicher nicht notwendig sind. Auch wenn man gut Englisch spricht, merkt man doch oft, dass man nicht alles versteht, was um einen herum passiert. Die Amerikaner versuchen direkte Konfrontationen zu vermeiden. Es liegt ihnen daran, ein gutes Verhältnis aufrechtzuerhalten. Konfrontationen oder unangenehme Gespräche werden durch Dritte geführt (ein weiterer Grund, wieso wir hier über 2 Millionen Anwälte haben). Verhandlungen werden oft über Anwälte, Makler etc. geführt, weil man dem Anderen nicht gegenüber sitzen möchte, wenn die Details einer Transaktion hart diskutiert werden. Die Amerikaner (insbesondere die amerikanischen Banken) sind Weltmeister im langsamen Nein sagen, weil sie ihr Verhältnis zum Gegenüber nicht im direkten Gespräch beeinträchtigen wollen.

Passiert einem Amerikaner ein Fehler, machen Sie ihn darauf aufmerksam! Normalerweise wird er sich sofort entschuldigen und versuchen, den Fehler zu korrigieren. Damit sollte die Sache aber für beide erledigt sein. Das europäische Verhalten tendiert eher dazu, sich zu verteidigen und schon haben wir die schönste Konfrontation.
Wussten Sie, dass Naples auf dem Breitengrad von Khartum/Sudan liegt? Es ist schwierig, bei diesem subtropischen Klima alles tadellos zum Funktionieren zu bringen. Ist es nicht der relaxte Lebensstil, der Naples und Florida so attraktiv macht für den Ordnungsgewohnten, reglementierten und gestressten Mitteleuropäer? Mein Ratschlag: tief durchatmen, lächeln und sich des Disneylands für Erwachsene erfreuen.

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