Sie waren mit
Amerikanern zum Essen, auf einer Party oder einem Anlass. Es wurde
viel geredet, viel gelacht, man hatte Spaß. Sie gehen nach Hause und
fragen sich: Über was haben wir eigentlich geredet? Wahrscheinlich
über nichts Wichtiges. Der Amerikaner wird so erzogen, dass es sich
nicht gehört, in Gesellschaft ein Thema anzuschneiden, das die anderen
oder den Gastgeber in Verlegenheit bringen oder zu Unstimmigkeiten in
der Runde führen könnte. Gespräche über Politik, Sex und Religion sind
verpönt. Man ist zusammen, um sich kennen zu lernen, es lustig zu
haben und die gegenseitigen Beziehungen zu vertiefen. Aber auf keinen
Fall ein Thema anzuschneiden, dass zu Kontroversen führen könnte. So
sind die Amerikaner nun einmal. Ende der Diskussion.
Wenn Sie einen
Amerikaner besser kennen gelernt haben (er wird Sie schnell "my german
friend" nennen, doch das hat nichts mit dem Sinn des deutschen Wortes
"Freund" zu tun), können Sie sich langsam an Themen herantasten, die
etwas heikler sind (aus der Sicht des Amerikaners). Sie werden schnell
merken, ob Ihr Gesprächspartner konsterniert reagiert oder wirklich
auf das Gespräch eingeht. Bedenken Sie auch, dass die Allgemeinbildung
eines Amerikaners weit unter derjenigen eines Mitteleuropäers liegt.
Die USA sind so groß, dass man sich als Normalbürger wenig mit dem
beschäftigt, was im Ausland passiert. Verständlicherweise, ist es von
New York weiter nach Los Angeles als von Berlin nach Moskau.
Das heißt nun
nicht, dass die Amerikaner dümmer sind. Sie sind einfach anders.
Vieles erscheint auf den ersten Blick und selbst nach Jahren sehr
widersprüchlich. Die Deutschen haben in den USA ein gutes Image (vor
allem Ingenieure, Techniker, Geschäftsleute). Sie gelten als
organisiert, effizient, schnelle Autofahrer, Perfektionisten und als
diejenigen, die alles besser wissen. Das Bild des jodelnden Deutschen
in Lederhosen mit Bierkrug in der Hand haben nur die wenigsten
Amerikaner.
Dem Amerikaner
ist es im gesellschaftlichen Umfeld sehr wichtig, ein gutes Verhältnis
zu jedem zu haben. Konfrontationen vermeidet er soweit wie möglich.
Bei aller Ernsthaftigkeit des Lebens, möchte er doch am Ende Spaß
haben. Belehrendes Verhalten stößt ihm sauer auf und stört sein
Bedürfnis nach Harmonie. Europäer sind in Amerika willkommen und
werden offen aufgenommen. Schätzen Sie diese Offenheit und
Gastfreundschaft!
Jeder Amerikaner ist überzeugt, dass die USA Gottes Land sind. Und er
ist stolz darauf ein Amerikaner zu sein. Nach der Zeit des
Vietnamkrieges hat Amerika wieder einen Nationalstolz entwickelt.
Bitte respektieren Sie diese Gefühle der Amerikaner, auch wenn sie für
uns Mitteleuropäer manchmal etwas zu patriotisch erscheinen.
Meine
Lebensgefährtin und Geschäftspartnerin ist Amerikanerin. Viele meiner
Freunde sind Amerikaner. Vor fast 7 Jahren bin ich nach Naples
gekommen und habe mich hier eingelebt. Naples ist heute mein Zuhause.
Ich betrachte mich als Europäer mit deutschem Pass, als Jugendlicher
in die Schweiz gekommen und dort aufgewachsen, viel in der Welt
herumgereist und heute in Amerika lebend. Seit 1982 habe ich immer
wieder die USA besucht und liebe Land und Leute. Ich habe gelernt
(manchmal mit langer Verzögerung und etwas schmerzhaft), dass vieles
in den USA anders ist. Ist es anders als in Europa, so heißt dies noch
lange nicht, dass eines von beiden schlecht oder falsch sein muss.
Zugegebenermaßen ist vieles in den USA komplizierter als in Europa
(wer ist nicht schon am hiesigen Bankensystem verzweifelt und wo gibt
es um Himmelswillen richtiges Brot?). Dafür ist aber auch wieder
vieles fortschrittlicher, einfacher, freundlicher. Wir leben hier in
den USA und ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass es einfacher für
mich ist, mich anzupassen und etwas als gegeben hinzunehmen, als zu
versuchen 240 Millionen Amerikaner zu ändern und sie zu belehren.
Die Amerikaner
treten dem Europäer offen und interessiert gegenüber. Heißen ihn in
den USA willkommen und freuen sich darüber, dass es dem Europäer hier
gefällt. Seine natürliche Freundlichkeit und Neugierde bringt den
Amerikaner im Nu dazu, ein Gespräch mit dem Europäer zu beginnen und
sich für ihn und seine Herkunft zu interessieren. Sicher ist vieles am
Anfang oberflächlich. Mir persönlich ist aber ein oberflächliches
Gespräch mit einer freundlichen Person lieber als eine unfreundliche
Antwort eines Menschen mit geistigem Tiefgang. Im Laufe der Jahre habe
ich gelernt folgende Themen in einem Gespräch mit Amerikanern (außer
ich kenne ihn wirklich gut) zu vermeiden: Waffengesetze, Todesstrafe,
Rassendiskriminierung, das hiesige politische System und was in Europa
alles besser ist als in Amerika.
Es kommt mir
immer häufiger zu Ohren, dass Amerikaner ihren Unmut zum Ausdruck
bringen, dass deutsche Eigentümer mit allen Mitteln und Tricks
versuchen, Beschränkungen in der Vermietung und Nutzung von
Wohneigentum zu umgehen. Generell sind die Amerikaner den europäischen
Besuchern gegenüber sehr positiv eingestellt, solange diese sich an
die hier üblichen Sitten und Gebräuche halten. Nach meinen Schätzungen
leben in Naples zirka 2000 Deutschsprechende ganzjährig und etwa 5000
haben Grundeigentum. Etwa 300,000 besuchen Collier und Lee County
dieses Jahr. Deutsch hört man überall, sei es im Shopping Center, im
Restaurant oder am Strand. Die Amerikaner fühlen sich aber unwohl,
wenn in ihrer Gegenwart Deutsch geredet wird. Sie haben dann das
Gefühl, dass man über sie spricht und wer mag das schon?
Von meinen
amerikanischen Freunden bekomme ich in letzter Zeit vermehrt Hinweise
darauf, dass sie sich durch gewisse Verhaltensweisen von
Deutschsprechenden gestört fühlen. Die Mehrheit der Besucher kommt
wegen des schönen Wetters, der Landschaft, den Stränden, der
Freundlichkeit der Leute etc. nach Naples und weil sie den "American
Way of Life" mögen. Eine kleine Minderheit möchte aber Deutschland mit
Sonne und Strand und interessiert sich nicht, ob dies in den USA oder
sonst wo liegt. Ich bin sicher, dass Sie, meine verehrten Leser, nicht
zu dieser Gruppe gehören. Doch diese Leute verursachen Spannungen mit
den Amerikanern, die sich auf das Verhältnis zu allen
Deutschsprechenden auswirken und sicher nicht notwendig sind. Auch
wenn man gut Englisch spricht, merkt man doch oft, dass man nicht
alles versteht, was um einen herum passiert. Die Amerikaner versuchen
direkte Konfrontationen zu vermeiden. Es liegt ihnen daran, ein gutes
Verhältnis aufrechtzuerhalten. Konfrontationen oder unangenehme
Gespräche werden durch Dritte geführt (ein weiterer Grund, wieso wir
hier über 2 Millionen Anwälte haben). Verhandlungen werden oft über
Anwälte, Makler etc. geführt, weil man dem Anderen nicht gegenüber
sitzen möchte, wenn die Details einer Transaktion hart diskutiert
werden. Die Amerikaner (insbesondere die amerikanischen Banken) sind
Weltmeister im langsamen Nein sagen, weil sie ihr Verhältnis zum
Gegenüber nicht im direkten Gespräch beeinträchtigen wollen.
Passiert einem
Amerikaner ein Fehler, machen Sie ihn darauf aufmerksam! Normalerweise
wird er sich sofort entschuldigen und versuchen, den Fehler zu
korrigieren. Damit sollte die Sache aber für beide erledigt sein. Das
europäische Verhalten tendiert eher dazu, sich zu verteidigen und
schon haben wir die schönste Konfrontation.
Wussten Sie, dass Naples auf dem Breitengrad von Khartum/Sudan liegt?
Es ist schwierig, bei diesem subtropischen Klima alles tadellos zum
Funktionieren zu bringen. Ist es nicht der relaxte Lebensstil, der
Naples und Florida so attraktiv macht für den Ordnungsgewohnten,
reglementierten und gestressten Mitteleuropäer? Mein Ratschlag: tief
durchatmen, lächeln und sich des Disneylands für Erwachsene erfreuen.