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Florida Sun Magazine - Das Insiderjournal aus Florida

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"Nice to meet you..."

 Von Rainer N. Filthaut  

Verhaltensregeln im Umgang mit Amerikanern

Die Amerikaner treten dem Europäer offen und interessiert gegenüber. Heißen ihn in den USA willkommen und freuen sich darüber, dass es dem Europäer hier gefällt. Seine natürliche Freundlichkeit und Neugierde bringt den Amerikaner im Nu dazu, ein Gespräch mit dem Europäer zu beginnen und sich für ihn und seine Herkunft zu interessieren. Die Amerikaner sind grundsätzlich freundlicher als Mitteleuropäer. Dies wird oftmals als oberflächlich angesehen. Sicher ist vieles am Anfang oberflächlich. Mir persönlich ist aber ein oberflächliches Gespräch mit einer freundlichen Person lieber, als eine unfreundliche Antwort eines Menschen mit geistigem Tiefgang. Die generelle Offenheit und das einfache Schließen von Bekanntschaften führt zu einer viel größeren Zahl von zwischenmenschlichen Kontakten. Dies bringt eine "Verflachung" der individuellen Hinwendung mit sich.

Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, folgende Themen in einem Gespräch mit Amerikanern, außer ich kenne diese wirklich gut, zu vermeiden: Waffengesetze, Todesstrafe, Rassendiskriminierung, Religion, das hiesige politische System und was in Europa alles besser ist als in Amerika.
Ein sehr heikles Thema ist das Rauchen. Der europäische Raucher vermutet grundsätzlich Akzeptanz seiner Angewohnheit und zündet seine Zigarette an, wo immer es ihm beliebt. In den USA werden Raucher oft als unsaubere Menschen und als teilweise asozial angesehen. Amerikaner der unteren sozialen Schichten rauchen und somit ist die Zigarette schnell einmal ein Anti-Statussymbol.

Bundesstaaten wie Kalifornien haben extreme Gesetze eingeführt. So darf praktisch in keinem Restaurant und in keiner Bar geraucht werden. In Florida ist aufgrund der internationalen Besucher eine größere Toleranz vorhanden, doch wagen Sie es nie eine Zigarette anzuzünden, ohne Ihren Gastgeber zu fragen. Viele Amerikaner, vor allem solche, die das Rauchen aufgegeben haben, sind radikale Anti-Raucher und bringen dies auch wortstark zum Ausdruck.

Generell sind die Amerikaner den europäischen Besuchern gegenüber sehr positiv eingestellt, solange diese sich an die hier üblichen Sitten und Gebräuche halten. Nach meinen Schätzungen leben in Naples ca. 2000 Deutschsprechende ganzjährig und etwa 5000 haben Grundeigentum. Zirka 300 000 besuchen Collier und Lee County dieses Jahr. Deutsch hört man überall, sei es im Shopping Center, im Restaurant oder am Strand. Die Amerikaner fühlen sich aber unwohl, wenn in ihrer Gegenwart Deutsch geredet wird. Sie haben dann das Gefühl, dass man über sie redet und wer mag das schon? Von meinen amerikanischen Freunden bekomme ich in letzter Zeit vermehrt Hinweise darauf, dass sie sich durch gewisse Verhaltensweisen von Deutschsprechenden gestört fühlen. Die Mehrheit der Besucher kommt wegen des schönen Wetters, der Landschaft, den Stränden, der Freundlichkeit der Leute nach Naples und weil sie den "American Way of Life" mögen. Eine kleine Minderheit möchte aber Deutschland mit Sonne und Strand und interessiert sich nicht dafür, ob dies in den USA oder sonst wo liegt. Ich bin sicher, dass Sie, meine verehrten Leser, nicht zu dieser Gruppe gehören. Doch diese Leute verursachen Spannungen mit den Amerikanern, die sich auf das Verhältnis zu allen Deutschsprechenden auswirken und sicher nicht notwendig sind.

Die Amerikaner versuchen, direkte Konfrontationen zu vermeiden. Es liegt ihnen daran ein gutes Verhältnis aufrechtzuerhalten. Konfrontationen oder unangenehme Gespräche werden durch Dritte geführt, ein weiterer Grund wieso wir hier über zwei Millionen Anwälte haben. Verhandlungen werden oft über Anwälte, Makler etc. geführt, weil man dem anderen nicht gegenüber sitzen möchte, wenn die Details einer Transaktion hart diskutiert werden. Die Amerikaner, insbesondere die amerikanischen Banken, sind Weltmeister im langsamen Nein sagen, weil sie ihr Verhältnis zum Gegenüber nicht im direkten Gespräch beeinträchtigen wollen.

Passiert einem Amerikaner ein Fehler, machen Sie ihn darauf aufmerksam. Normalerweise wird er sich sofort entschuldigen und versuchen den Fehler zu korrigieren. Damit sollte die Sache aber für beide erledigt sein. Das europäische Verhalten tendiert eher dazu, sich zu verteidigen und das führt zur Konfrontation.
Die amerikanische Gesellschaft hat eigenständige Regeln und Umgangsformen entwickelt. Beim Essen werden Speisen mit Messer und Gabel in kleine Portionen geteilt und dann mit der Gabel, die in der rechten Hand gehalten wird, gegessen. Messer und Gabel dürfen in den Händen gewechselt werden.
Begegnen Sie einem Paar, schütteln Sie zuerst dem Mann die Hand und dann warten Sie ab, ob Ihnen die Frau die Hand zum Gruß anbietet. Wenn nicht, nicken Sie mit dem Kopf und begrüßen die Dame mit einem freundlichen "Nice to meet you". Lassen Sie den Mann links liegen und begrüßen Sie die Frau zuerst, so wird dies als außerordentlich respektlos angesehen. Beim Abschied gibt man sich selten die Hand und wenn, dann auch nur dem Mann.

Der zwischenmenschliche Kontakt ist in den USA viel klarer geregelt. Dies stammt noch aus der Zeit, als 90 Prozent aller Bürger der jungen USA männlich waren. Bei einem Fahrstuhl lassen Sie zuerst den Damen den Vortritt beim Betreten und Verlassen. Nicht nur Ihrer eigenen Begleiterin, sondern allen anwesenden Damen. Beim Betreten oder Verlassen eines Gebäudes oder Raumes lassen Sie auch den Damen Ihrer Gruppe den Vortritt. Sie halten die Tür offen, gehen aber zuletzt. Meine Theorie ist, dass im Wilden Westen die Männer die Frauen vorangehen ließen. War es sicher, so folgten die Männer nach…
 
Der Autor Rainer N. Filthaut ist Immobilienbroker und Eigentümer der Firma International Realty Consultants in Naples. Er lebt seit acht Jahren in Florida und war vor seinem Umzug viele Jahre in der Steuerberatung in der Schweiz tätig.

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