Die
Amerikaner treten dem Europäer offen und interessiert gegenüber.
Heißen ihn in den USA willkommen und freuen sich darüber, dass es dem
Europäer hier gefällt. Seine natürliche Freundlichkeit und Neugierde
bringt den Amerikaner im Nu dazu, ein Gespräch mit dem Europäer zu
beginnen und sich für ihn und seine Herkunft zu interessieren. Die
Amerikaner sind grundsätzlich freundlicher als Mitteleuropäer. Dies
wird oftmals als oberflächlich angesehen. Sicher ist vieles am Anfang
oberflächlich. Mir persönlich ist aber ein oberflächliches Gespräch
mit einer freundlichen Person lieber, als eine unfreundliche Antwort
eines Menschen mit geistigem Tiefgang. Die generelle Offenheit und das
einfache Schließen von Bekanntschaften führt zu einer viel größeren
Zahl von zwischenmenschlichen Kontakten. Dies bringt eine
"Verflachung" der individuellen Hinwendung mit sich.
Im Laufe
der Jahre habe ich gelernt, folgende Themen in einem Gespräch mit
Amerikanern, außer ich kenne diese wirklich gut, zu vermeiden:
Waffengesetze, Todesstrafe, Rassendiskriminierung, Religion, das
hiesige politische System und was in Europa alles besser ist als in
Amerika.
Ein sehr heikles Thema ist das Rauchen. Der europäische Raucher
vermutet grundsätzlich Akzeptanz seiner Angewohnheit und zündet seine
Zigarette an, wo immer es ihm beliebt. In den USA werden Raucher oft
als unsaubere Menschen und als teilweise asozial angesehen. Amerikaner
der unteren sozialen Schichten rauchen und somit ist die Zigarette
schnell einmal ein Anti-Statussymbol.
Bundesstaaten wie Kalifornien haben extreme Gesetze eingeführt. So
darf praktisch in keinem Restaurant und in keiner Bar geraucht werden.
In Florida ist aufgrund der internationalen Besucher eine größere
Toleranz vorhanden, doch wagen Sie es nie eine Zigarette anzuzünden,
ohne Ihren Gastgeber zu fragen. Viele Amerikaner, vor allem solche,
die das Rauchen aufgegeben haben, sind radikale Anti-Raucher und
bringen dies auch wortstark zum Ausdruck.
Generell
sind die Amerikaner den europäischen Besuchern gegenüber sehr positiv
eingestellt, solange diese sich an die hier üblichen Sitten und
Gebräuche halten. Nach meinen Schätzungen leben in Naples ca. 2000
Deutschsprechende ganzjährig und etwa 5000 haben Grundeigentum. Zirka
300 000 besuchen Collier und Lee County dieses Jahr. Deutsch hört man
überall, sei es im Shopping Center, im Restaurant oder am Strand. Die
Amerikaner fühlen sich aber unwohl, wenn in ihrer Gegenwart Deutsch
geredet wird. Sie haben dann das Gefühl, dass man über sie redet und
wer mag das schon? Von meinen amerikanischen Freunden bekomme ich in
letzter Zeit vermehrt Hinweise darauf, dass sie sich durch gewisse
Verhaltensweisen von Deutschsprechenden gestört fühlen. Die Mehrheit
der Besucher kommt wegen des schönen Wetters, der Landschaft, den
Stränden, der Freundlichkeit der Leute nach Naples und weil sie den
"American Way of Life" mögen. Eine kleine Minderheit möchte aber
Deutschland mit Sonne und Strand und interessiert sich nicht dafür, ob
dies in den USA oder sonst wo liegt. Ich bin sicher, dass Sie, meine
verehrten Leser, nicht zu dieser Gruppe gehören. Doch diese Leute
verursachen Spannungen mit den Amerikanern, die sich auf das
Verhältnis zu allen Deutschsprechenden auswirken und sicher nicht
notwendig sind.
Die
Amerikaner versuchen, direkte Konfrontationen zu vermeiden. Es liegt
ihnen daran ein gutes Verhältnis aufrechtzuerhalten. Konfrontationen
oder unangenehme Gespräche werden durch Dritte geführt, ein weiterer
Grund wieso wir hier über zwei Millionen Anwälte haben. Verhandlungen
werden oft über Anwälte, Makler etc. geführt, weil man dem anderen
nicht gegenüber sitzen möchte, wenn die Details einer Transaktion hart
diskutiert werden. Die Amerikaner, insbesondere die amerikanischen
Banken, sind Weltmeister im langsamen Nein sagen, weil sie ihr
Verhältnis zum Gegenüber nicht im direkten Gespräch beeinträchtigen
wollen.
Passiert
einem Amerikaner ein Fehler, machen Sie ihn darauf aufmerksam.
Normalerweise wird er sich sofort entschuldigen und versuchen den
Fehler zu korrigieren. Damit sollte die Sache aber für beide erledigt
sein. Das europäische Verhalten tendiert eher dazu, sich zu
verteidigen und das führt zur Konfrontation.
Die amerikanische Gesellschaft hat eigenständige Regeln und
Umgangsformen entwickelt. Beim Essen werden Speisen mit Messer und
Gabel in kleine Portionen geteilt und dann mit der Gabel, die in der
rechten Hand gehalten wird, gegessen. Messer und Gabel dürfen in den
Händen gewechselt werden.
Begegnen Sie einem Paar, schütteln Sie zuerst dem Mann die Hand und
dann warten Sie ab, ob Ihnen die Frau die Hand zum Gruß anbietet. Wenn
nicht, nicken Sie mit dem Kopf und begrüßen die Dame mit einem
freundlichen "Nice to meet you". Lassen Sie den Mann links liegen und
begrüßen Sie die Frau zuerst, so wird dies als außerordentlich
respektlos angesehen. Beim Abschied gibt man sich selten die Hand und
wenn, dann auch nur dem Mann.
Der
zwischenmenschliche Kontakt ist in den USA viel klarer geregelt. Dies
stammt noch aus der Zeit, als 90 Prozent aller Bürger der jungen USA
männlich waren. Bei einem Fahrstuhl lassen Sie zuerst den Damen den
Vortritt beim Betreten und Verlassen. Nicht nur Ihrer eigenen
Begleiterin, sondern allen anwesenden Damen. Beim Betreten oder
Verlassen eines Gebäudes oder Raumes lassen Sie auch den Damen Ihrer
Gruppe den Vortritt. Sie halten die Tür offen, gehen aber zuletzt.
Meine Theorie ist, dass im Wilden Westen die Männer die Frauen
vorangehen ließen. War es sicher, so folgten die Männer nach
Der Autor Rainer N. Filthaut ist Immobilienbroker und Eigentümer der
Firma International Realty Consultants in Naples. Er lebt seit acht
Jahren in Florida und war vor seinem Umzug viele Jahre in der
Steuerberatung in der Schweiz tätig.