Faszinierend und
unvergesslich: hautnaher Kontakt mit Delfinen.
Unsere Autorin Kerstin Schnabel-Macloud berichtet.
Eine griechische Legende erzählt die
Geschichte von Dionysos, dem Gott der Orgien und des Weins, der sich
in einen unbändigen Löwen verwandelte, als man ihn auf einem Schiff
entführte, um ihn zum Sklaven zu machen. Aus Angst vor seinem Wahnsinn
sind die restlichen Männer vom Schiff über Bord ins Meer gesprungen
und haben sich in Delfine verwandelt. So wurden - laut dieser Legende
- die Delfine geschaffen. Eine andere alte Überlieferung sagt, dass
Delfine immer dann auftauchen, wenn der Mensch am Abgrund angekommen
ist.
Es ist der Wunsch vieler Menschen, einmal
körperlich direkt in Berührung zu sein mit dieser wundervollen
Spezies, über die es so viele Legenden, Geschichten und Spekulationen
gibt: die Delfine. Als warmblütige Säugetiere und Lungenatmer - mit 36
verschiedenen Arten weltweit mit dem Killerwal als größtem Vertreter -
dürfen diese lernfähigen, zärtlichen und lächelnden Mammals nicht mit
einem Fisch verwechselt werden. Was auf den Speisekarten in Florida
als "Dolphin" angeboten wird, ist ein Fisch ganz anderer Natur, auch
bekannt als Mahimahi, der ohne jegliches schlechtes Gewissen gegessen
werden darf!
In Florida gibt es diverse Möglichkeiten,
mit diesen wundervollen Tieren in hautnahen Kontakt zu treten.
Schwimmen mit Delfinen heißt, unter Aufsicht erfahrener Trainer,
zumeist in einem natürlichen Salzwasserbecken, für etwa 30 Minuten auf
die unterschiedlichste Art und Weise mit den Mammals zu interagieren -
angefangen beim Streicheln dieser glatten und geschmeidigen Körper,
über das Schmusen - es darf auch geküsst werden; die große
"Flaschennase" (Bottle Nose, daher der Name) fühlt sich toll an im
Gesicht! - bis hin zu gezielten akrobatischen Übungen wie gemeinsames
Tanzen, einer tollen Wasserfahrt, bei der man sich an den
Rückenflossen fest hält und übers Wasser gleitet. Man kann auch direkt
neben ihnen schwimmen und mit ihnen tauchen. Die Aktionen im Wasser
variieren von Einrichtung zu Einrichtung.
All diese Übungen werden vom Trainer als
Aufgabe an die Delfine gegeben, wofür sie natürlich - nach
erfolgreicher Erfüllung - jeweils reichlich Fisch als Belohnung
bekommen. Dieses Verhalten zu erreichen, setzt in der Regel ein Jahr
intensives tägliches Training voraus, aber die Tiere sind sehr sozial
und sehr lernwillig.
Vor dem eigentlichen Schwimmen mit den Delfinen gibt es eine sehr
interessante Lektion zum Thema, die jeden auch über das eigene
Verhalten aufklärt. So wird ganz deutlich darauf hingewiesen, dass es
in der freien Natur verboten ist, Meeressäuger zu füttern oder zu
versuchen, näheren Kontakt aufzunehmen, da diese nicht-domestizierten
Tiere auch ihre natürlichen Verteidigungsinstinkte haben, nicht an
Kontakt mit Menschen gewöhnt sind und es gefährlich für Tier und
Mensch ist, diesen Bann zu brechen.
Alle Einrichtungen versuchen immer
wieder, den Besuchern klar zu machen, dass Meeressäuger unseres
Schutzes bedürfen und sie diesen auch verdienen. Wer sie in der freien
Natur füttert oder mit ihnen interagiert, bringt sie und auch sein
eigenes Leben in große Gefahr! Die Tiere in Seeaquarien und
Delfinarien sind trainiert und ausgebildet, sie genießen die
Interaktion mit Menschen, da sie an diese gewöhnt sind, und sie haben
ein großes Lernbedürfnis und Lernvermögen. Dennoch sind Art und Weise,
Länge der Trainingslektionen usw. staatlich genau reguliert, da die
Tiere zu den besonders geschützten Arten gehören. Jeder Teilnehmer
muss sich auch genau an die Anweisungen der Trainer halten, und es ist
nicht erlaubt, eigene spontane Aktionen mit den Tieren zu unternehmen.
Wie werden Delfine trainiert? Auch auf
diese interessante Frage gibt es Antwort. Die Trainings-/Lehr- und
Lernmethode beruht auf dem Belohnungsprinzip, auch Reward- oder
Reinforcement-Methode genannt. Mit kleinen Schritten wird den
"Schülern" beigebracht, was man von ihnen erwartet. Sobald die Aufgabe
richtig gelöst ist, bekommt das Tier eine Belohnung, die ganz
unterschiedlich sein kann. Die primäre Belohnung geht wie bei Kindern
über den Magen - der auf sie wartende Fisch ist anfänglich das größte
Lockmittel. Aber auch Lieblingsspiele, Spielzeuge oder auch nur
lobende freundliche Worte, ein intensives Streicheln vom Trainer sind
neuer Ansporn.
Gutes Englisch ein Muss
Ist die Aufgabe falsch gelöst worden, wird nicht getadelt oder
bestraft oder gar mit Futterentzug gearbeitet - "undesirable behaviour"
(unerwünschtes Verhalten) wird schlicht und einfach vom Trainer mit
Schweigen und ohne jegliche Reaktion ignoriert. Auf bereits
vorhandenes Wissen der Tiere wird immer mehr aufgebaut, was uns dann
die großen und faszinierenden Kunststücke der Delfine in den
öffentlichen Parks bewundern lässt - ein Ergebnis harter und zäher
Arbeit! Der Erfolg hängt sowohl vom jeweiligen Trainer, dem Tier
selbst als auch von dem, was ihm beigebracht werden soll, ab und kann
nach einer Trainingslektion schon eintreten, aber auch erst nach einem
Jahr.
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