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Das Airboat startet
gemächlich und düst dann mit steigender, aber immer noch sanfter
Geschwindigkeit durch die Gräser und Mangrovenbäume der Everglades.
Anstatt eines Abreiß-Tickets, wie sonst überall in Amerika üblich,
bekommen wir hier Watte von unserem Reiseführer gereicht, die unsere
Ohren vor den lauten Motorengeräuschen schützen soll. Der leichte,
warme Frühlingswind scheint uns immer weiter hinein zu tragen in eine
andere Welt, direkt aus dem High-Society-Lifestyle des nahe gelegenen
Miami in eine Kultur, in der Reichtum und Schönheit sich auf innere
Werte beschränken.
Auf dem Boot steht “Buffalo Tiger’s Airboat Tours”. Die schwarzen,
endlos langen Haare des jungen Reiseführers glänzen in der
Mittagssonne, während er das Clan-System seines Stammes erklärt, das
nach einer matriarchalischen Hierarchie funktioniert. “Bei uns zieht
der Mann nach der Hochzeit zur Ehefrau”, sagt er und lässt das Boot
ganz nahe an eines der mitten in den Sumpf auf Stelzen gebauten
indianischen Häuschen heranfahren, ein so genanntes “Chikee”.
Noch heute kann man hier auf einer der durch die Miccosukee-Indianer
organisierten Touren sehen und vor allem nachempfinden, wie der Stamm
ein ganzes Jahrhundert lang hier lebte, abgeschieden von der Außenwelt
und Schutz suchend vor einer Regierung, welche die Assimilierung jeder
Kultur forderte, die der ihren fremd war. “Wir Miccosukees passen uns
zwar heute auf eine gewisse Art an die amerikanische Lebensart an –
das geht mit dem Wandel der Zeit und der Wertesysteme einher – aber
wir streben danach, den Kern unserer Traditionen von Generation zu
Generation weiter zu geben. Die Exkursionen durch die Everglades,
unseren River of Grass, ist nur eine Art, unsere Kultur zu bewahren.”
Wilder Westen und Indianer – das ist für viele Europäer eine Symbiose,
die nur schwer voneinander zu trennen ist. Die südfloridianische Sonne
und das subtropische Klima der Everglades bringt man dagegen nicht so
leicht mit indianischen Kulturen in Verbindung. Doch nicht nur längst
ausgestorbene Zivilisationen wie die Tequesta stammen aus Florida,
auch zwei noch heute dort lebende Indianerstämme haben ihren Ursprung
im Südosten der USA. Einer der beiden Stämme sind die Miccosukees, die
Mitte des 19. Jahrhunderts aus der heute als Panhandle bekannten
Landzunge im Norden Floridas in den Süden flüchteten, wo sie Schutz in
den Everglades suchten. In dieser “Pufferzone” sollten sie ein
weiteres Jahrhundert lang ihr traditionelles Leben führen. In der
Abgeschiedenheit der Mangrovensümpfe schafften sie es selbst durch den
Urbanisierungsboom der 20er und 30er Jahre hindurch, sich nicht von
der expandierenden Metropole Miami mitsamt dem kapitalistischen,
schnelllebigen Lebensstil einsaugen zu lassen, sondern bewahrten und
pflegten ihre indianische Kultur.
Rasches Bevölkerungswachstum und die
damit verbundene teilweise Austrocknung der Everglades zugunsten der
Landwirtschaft hatten jedoch zur Folge, dass die Miccosukees sich
letztendlich doch an die veränderten Lebensumstände anpassen mussten -
ohne allerdings ihre Werte zu verleugnen.
Hätten sie weiterhin in den Sümpfen in ihren Chikees, den
traditionellen Häusern, gelebt, wäre ihre Identität graduell verloren
gegangen - der bloße Zusammenschluss von so genannten Clans, ohne
offiziellen Titel, ohne Rechte, Gesetze und alles, was eine legale
Gemeinschaft ausmacht, lief tendenziell Gefahr, auseinander zu
brechen. Deshalb entschlossen sie sich, unter der Führung des
Medizinmannes Buffalo Tiger aus den Sümpfen heraus zu kommen und Teil
der sie umgebenden Gesellschaft zu werden; dieser Schritt ging einher
mit der Anerkennung als indianische Nation durch die US-Regierung.
Doch noch heute leben die Miccosukees so nah es geht an ihrem
ursprünglichen Lebensumfeld.
In den späten 70er Jahren begannen die Miccosukees, sich dem Tourismus
in den Everglades zu widmen. Die Idee basierte auf drei Fakten: In
erster Linie brauchten die Miccosukees Geld, hatten aber nicht die
geographischen bzw. infrastrukturellen Gegebenheiten, um
beispielsweise Fabriken zu bauen, in denen sie hätten arbeiten können.
Zweitens gewannen die Everglades zusehends an touristischer
Popularität, und drittens suchten die Indianer nach einer Möglichkeit,
ihre Traditionen zu erhalten und weiter zu geben. Zählt man diese drei
Faktoren zusammen, ist der Schritt zum Kultur- und Natur-Tourismus,
der die Historie der Miccosukees beleuchtet, nicht mehr weit.
Nach der
Etablierung des “Gambling”, also des Glücksspiels, das in den
Miccosukee-Casinos legal betrieben wird, kam in den letzten Jahren der
so genannte Öko-Tourismus dazu. Die Miccosukees haben es sich zur
Aufgabe gemacht, Besucher des Ökosystems Everglades nicht nur zu
unterhalten, sondern auch zu informieren, zu bilden und sie über die
Gefährdung der Gewässer und der darin beheimateten Tiere und Pflanzen
durch den Menschen aufzuklären. Begonnen hat die Tourismus-Idee 1976
mit dem Ausbau des alten Indian Village am Tamiami Trail. Vom Village
aus, das auf der Verbindungsstraße zwischen Miami und Naples liegt,
bringen die Indianer Besucher aus aller Welt auf Booten in die
Everglades und laden ins Miccosukee Restaurant, wo vor allem
traditionelle Speisen aus Alligatorenfleisch, indianische Eintöpfe,
sof-kee (eine Art Maismehl-Shake) oder fried bread gereicht werden.
Die Speisekarte hat sich allerdings im Laufe der Jahre den
Menüwünschen der Gäste angepasst, denn neben den einheimischen
Gerichten hat auch hier das fast food Einzug gehalten. Außerdem bieten
die Miccosukees Führungen durch das indianische Dorf an, die das Leben
des Stammes in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zur Schau
stellen. Hier sieht man Miccosukee-Indianer in ihren traditionellen
Kostümen, die Perlenstickerei, Holzschnitzerei und Korbflechterei
betreiben; man kann ihnen sozusagen bei den Handarbeiten über die
Schulter gucken und zum Beispiel das vor Ort angefertigte, mit Perlen
bestickte Lederarmband direkt mit nach Hause nehmen.
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Miccosukee
Touren:
Auf dem Tamiami Trail zwischen Miami und Naples
Indian Village:
Erwachsene $5,-, Kinder $3,-
Airboat-Tour: $10,-
Deluxe-Kombi-Paket:
(Indian Village, Airboat-Tour und Lunch) Erwachsene $17,60,
Kinder $16,40
Reservierungen:
305 233-8380 oder 305 233-2272
Village, Museum and Giftshop:
305 223-8380
Buffalo Tiger’s Airboat Tours:
305 559-5250
Unterkunft im Miccosukee-Hotel Resort and Gaming
S.W. 177th Avenue, Miami, FL 33194
Leistungen:
Europäischer Spa und Fitness-Center, Konferenz-Center,
amerikanisch-indianische Cafés, z. B. Café Hammock (mit einem
$6,95 Steak & Lobster Special), Einzel- oder
Doppelzimmer ab $69,-,
Reservierungen:
1-877 242-6464
www.miccosukee.com
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Ein Holzsteg führt
durch die Wildnis


Alligatoren-Wrestling wurde in den 30er Jahren von einer
amerikanischen Familie in Miami erfunden. Seitdem nutzen es die
Miccosukees, um Touristen zu unterhalten.




Rasante Airboat-Tour durch die Everglades

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