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Historisches
Museum in Miami zeigt erstmals antike Ausgrabungsfunde
Vor vier Jahren wurden die Schätze bereits ausgegraben, jetzt sind sie
endlich der Öffentlichkeit zugänglich. Das “Historical Museum of
Southern Florida” in Miami hat gerade eine faszinierende Ausstellung
eröffnet, die ein Stück mystisches Altertum in das postmoderne Miami
bringt. “First Arrivals” (Erste Ankünfte) lautet das Thema der
Ausstellung, die sich mit einer Zivilisation beschäftigt, die nicht
mehr existent ist: den Tequesta-Indianern, die vor über 2000 Jahren in
der Indianerstadt Tequesta an der Mündung des Miami River lebten.
Ende 1998 kam genau an der Stelle, wo einst dieser Stamm beheimatet
war, eine Reihe altertümlicher Schätze zu Tage, unter anderem
primitive Steinäxte, verzierte Tongefäße und viele andere Funde, als
der Landvermesser Ted Riggs mitten in Downtown Miami in der Nähe der
Brickell Avenue zufällig eine Entdeckung machte. Auf einer unbebauten
Fläche zwischen Wolkenkratzern und Bürogebäuden, auf der ein neues
Hochhaus mit luxuriösen Eigentumswohnungen errichtet werden sollte,
fand er zunächst eine Reihe von fünf symmetrisch im Halbkreis
angeordneten großen Löchern, eingelassen in eine riesige Steinplatte
dicht unter der Erdoberfläche. Daraufhin zog Riggs den renommiertesten
Archäologen Südfloridas, Bob Carr, zu Rate und ordnete eine
Untersuchung der gefundenen Kerben sowie weiterer Ausgrabungen an der
Mündung des Flusses an. Dabei kamen neben Töpfen, Gefäßen, Schmuck und
anderen Utensilien des täglichen Lebens noch 25 weitere der in Stein
gehauenen Löcher zum Vorschein, angeordnet in einem geometrischen
Kreis von etwa 12 Metern Durchmesser. Der mystische Miami Circle war
entdeckt.
Einzigartig in ganz Nordamerika
Bei den folgenden Untersuchungen auf dem über 9.000 Quadratmeter
großen Areal fanden die Archäologen astrologische Zeichen, eingeritzt
in die rechteckigen Löcher in der Steinplatte, die nach Schätzungen
einige tausend Jahre alt sein mussten. Chefarchäologe Carr betonte, er
habe so etwas noch nie zuvor gesehen. Das sei einzigartig in
Nordamerika. Die Nachricht von den Jahrtausende alten Funden
verbreitete sich schnell im ganzen Land. Touristen, Schulklassen und
Satelliten-Übertragungswagen von Fernsehstationen gaben einander die
Klinke in die Hand - alle wollten den Steinkreis sehen. Die Euphorie
der Archäologen, Historiker und interessierten Bürger wurde allerdings
schnell gebremst, da das Gebiet um die Flussmündung inklusive dem
Miami Circle dem Bau weiterer Wolkenkratzer zum Opfer fallen sollte -,
lange bevor die Ausgrabungen beendet werden konnten. Das Gelände wurde
gesperrt, Archäologen auf der einen und Städteplaner auf der anderen
Seite lieferten sich einen regelrechten Kampf: Es galt, die wertvollen
Artefakte gegen den für Makler und Geschäftsleute wertvollen Grund und
Boden nahe der Brickell Avenue zu verteidigen. Trotz der Hilfe von
bereits vor der Entdeckung existierenden Gesetzen, die Teile des
Gebiets als denkmalgeschützt definierten, fiel der Miami Circle
beinahe und unter lautstarkem Protest der Bevölkerung im Februar 1999
den Baggern zum Opfer. Schließlich wurde doch noch ein Kompromiss
gefunden: Miami Dade County übernahm durch einen erzwungenen
Gerichtsbeschluss das Land und entschädigte, u.a. durch Staatsgelder,
den Investor mit 26.7 Millionen Dollar.
Das Leben der Indianer vor der Wolkenkratzer-Ära
Das Gebiet rund um die einstige Stadt Tequesta ist für Besucher nicht
mehr zugänglich, unter anderem, weil die Ausgrabungen noch nicht
abgeschlossen worden sind; erst etwa ein Zehntel des gesamten Areals
ist bisher abgetragen. Museums-Kurator Jorge Zamanillo: “Auch wenn die
Ausgrabungsstätte selbst nicht zu besichtigen ist, hat die
Öffentlichkeit jetzt zum ersten Mal die Gelegenheit, die bisher
gefundenen und zusammen gestellten Artefakte bei uns im Museum
anzuschauen und sich ein Bild von der Zivilisation zu machen, die
lange vor der Wolkenkratzer-Ära hier existiert hat.” Dort, wo jetzt
die Banken und Kreditgesellschaften, Souvenirläden und Schnellstraßen
Teil der Hektik von Downtown Miami sind, waren einst die nun im Museum
zu besichtigenden Kupferschwerter, Indianerpfeile und Steinwerkzeuge
Teil des täglichen Lebens dieses rätselhaften Stammes, der eines Tages
von der Bildfläche Südfloridas verschwand. Sogar ein antiker
Delfinschädel und der versteinerte Panzer einer Riesenschildkröte
gehören zu den Funden des Miami Circle.
Eintauchen in die Mystik eines ausgestorbenen Indianerstammes
Über die ursprüngliche Funktion und die genaue Herkunft und Bauzeit
des Miami Circle gibt es viele Spekulationen - vom Maya-Kalender bis
zum UFO-Landeplatz. Sicher ist jedoch, dass der Steinkreis mindestens
zwei, wenn nicht mehrere Jahrtausende alt ist. Er soll den in
Südflorida ansässigen Tequesta-Indianern als Kultstätte, unter anderem
für gesellschaftliche Zusammenkünfte, als eine Art kommune-kreative
Werkstatt, sowie als Umschlagplatz für Handleswaren gedient haben. Das
Vulkangestein, aus dem der Circle besteht, datierten Geologenteams
zurück auf die letzten Jahrhunderte vor Christus; einige der
ausgegrabenen Äxte sollen ursprünglich aus Zentral-Georgia stammen,
was den Wissenschaftlern einen Beweis dafür liefert, dass die
indianischen Völker sehr wohl Handel mit anderen Teilen Amerikas
betrieben haben und nicht erst, wie Jahrhunderte lang vermutet, die
Europäer den Handel auf den Kontinent brachten.
Zeremoniestätte mit heiligen Opfergaben
Der Zaun um den Miami Circle ist behängt mit Blumen, Fotos, Schleifen
und Zeitungsausschnitten. Er funktioniert als eine Art heiliger
Schrein von Esoteriker-Gruppen und Seminole-Indianern, die seit dessen
Entdeckung auf dem öffentlich zugänglichen Teil der Stätte
Verbundenheit mit den Tequesta demonstrieren, Zeremonien abhalten und
auch nachempfinden, wie dort im pulsierenden Stadtzentrum Miamis -
mehr als 1500 Jahre, bevor ein Europäer je einen Fuß in die Neue Welt
gesetzt hat - Menschen miteinander lebten und am Circle ihre Rituale
feierten.
Historical Museum of Southern
Florida
101 West Flagler Street
Miami, Florida 33130
Tel: 305 375-1492 |
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1 - Das Gelände der entdeckten
Kultstätte Miami Circle
2 - Der Miami Circle von oben:
symmetrische Einkerbungen in Steinplatte
3 - ca. 400 Jahre altes Skelett eines Hais
4 - Zeremonie neben der Kultstätte Miami Circle
5 - Archäologen bei den Ausgrabungsarbeiten |