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Dry Tortugas Nationalpark

                        Von Daniela Boettcher


Sagenumwobenes Schnorchelparadies


112 Kilometer westlich von Key West liegt im klaren, türkisfarbenen Ozean eine Ansammlung von sieben kleinen Inseln, die hauptsächlich aus Korallenriffen und Sand bestehen und das einzige lebende Wallriff-Ökosystem der USA beheimaten: die Dry Tortugas.

Im Deutschen klingt der Name Dry Tortugas nur halb so lautmalerisch: trockene Schildkröten. Trocken? Und das, wo sich nur ein Bruchteil der 260 Quadratkilometer Fläche des gesamten Parks auf dem Trockenen befindet, der Rest liegt im Wasser. Der spanische Seefahrer Ponce de León entdeckte im Jahre 1513 die sieben Inseln. Unzählige Meeresschildkröten versorgten seine Seemänner mit Nahrung, doch es gab kein Trinkwasser auf den Inseln. So bekamen diese ihren Namen.

Die Inseln bilden den Dry Tortugas Nationalpark, der vor allem für sein abwechslungsreiches Meerestiere- und Vogelvorkommen bekannt ist. Über 250 verschiedene im Wasser und zu Lande lebende Pflanzen- und Tierspezies nennen die Tortugas ihr Zuhause, darunter Barrakudas, Zackenbarsche, Stachelrochen, Sternkorallen, Königsmuscheln, blauer Seetang und Gorgonien. Zu den häufigsten Vogelarten des Parks zählen Seemöwen, Wanderfalken, Meerschwalben, Tölpel, Strandläufer und der gabelschwänzige Fregattvogel.

Aber auch Legenden von Piraten und vergrabenen Goldschätzen haben den Park berühmt gemacht. Hier steht Fort Jefferson, das größte amerikanische Küstenfort des 19. Jahrhunderts. Das Fort befindet sich auf der größten der sieben Inseln, Garden Key. Seit den Tagen der spanischen Eroberung haben die scharfkantigen Riffe entlang der Dry Tortugas für die Schifffahrt eine nicht zu verachtende Gefahr dargestellt und sind der Grund für hunderte Schiffwracks, die am Meeresgrund um die Inseln herum zu finden sind. Zu Beginn des 19. Jahrundert wurde den Dry Tortugas aufgrund ihrer strategisch guten Lage große Bedeutung beigemessen, bald wurde mit dem Bau einer massiven, sternförmigen Festung begonnen – doch das legendäre Fort wurde trotz der Entwicklung eines ausgeklügelten unterirdischen Zisternensystems, dass die Insel und die Festung mit Trinkwasser versorgte, nie fertig gestellt. Der Bau stand nicht, wie zuerst vermutet, auf festem Korallenstein, sondern fußte auf Sand und Findlingen – was schnell Risse im Fundament zur Folge hatte. Als so die militärische Bedeutung des Forts schwand, gewann die reichhaltige Tierwelt der Inselgruppe wieder zunehmend an Bedeutung.

Während des Bürgerkrieges 1861 - 1865 erlebte Dry Tortugas noch einmal politische Prominenz als Gefangenenlager. Unter anderem waren hier die Lincoln-Verschwörer eingesperrt, jene vier Männer, denen ein Mordanschlag auf Präsident Lincoln zur Last gelegt wurde. Die Zellen der mutmaßlichen Attentäter können Besucher auf einem Rundgang besichtigen. Die scheinbar endlose Anordnung von Gewölben und Torbögen entlang der Batteriedecks ist einen Anblick wert. Ebenso sollte man es nicht versäumen, die steilen Wendeltreppen zum oberen Ende der Festungsmauer hinauf zu steigen – von dort aus hat man einen spektakulären Blick auf die umliegenden Gewässer.

Präsident Franklin D. Roosevelt erklärte das imposante Fort und die es umgebenden Gewässer 1935 zum nationalen Denkmal. 1992 wurde das Gebiet zum Dry Tortugas Nationalpark erklärt, um sowohl die naturbezogenen als auch die historischen Merkmale der Inseln zu schützen.
Der Besuch des Visitor Centers gehört genauso zum Programm wie eine self-guided Tour durch das Fort. Ranger bieten unter anderem geführte Vogel- und Tierbeobachtungen an. Der Nationalpark ist bekannt für die Wanderung der Vogelschwärme im Frühling und für seine heimischen tropischen Vogelarten. Angeln, Schwimmen und Tauchen sind nur einige der Möglichkeiten, sich im Park aktiv zu betätigen. Schon Ernest Hemingway, der lange Jahre im nahe gelegenen Key West weilte, kam regelmäßig zum Angeln auf die Insel. Geheimtipp: Teile des leicht zugänglichen Korallenriffs auf Garden Key sind ein Paradies für Wasserfreunde, denn das Meeresleben auf den Tortugas ist absolut fantastisch.

Die Riffe sind so flach, dass man eigentlich keine Tauchausrüstung benötigt – Schnorcheln ist angesagt. Für Naturliebhaber, die Wassertiere lieber vom Land aus als Auge in Auge über dem Meeresgrund betrachten, gibt es spezielle Dämmerungstouren, an denen man teilnehmen kann. Mit Hilfe des Mondlichts, das in die die Küsten umgebenden Ringmulden scheint, sind viele der seltenen Spezies auch gut vom Land aus zu beobachten.

Eines der einzigartigsten Naturereignisse auf Dry Tortuga im südlichsten Zipfel der USA ist das „Grüne Licht“, ein faszinierender grüner Saum, der die Oberseite der Sonne umgibt, während sie über dem Golf von Mexiko untergeht. Die Dry Tortugas sind wohl der beste Ort, um dieses seltene Phänomen zu beobachten. Die besten Voraussetzungen für das Naturschauspiel sind ein flacher Horizont, eine klare, wolkenlose Sicht auf die Sonne sowie die richtige Atmosphäre.

Der Eintritt in den Nationalpark beträgt $5 pro Person. Er ist (mit Ausnahme der Insel Bush Key, die während der Brutzeit von März bis September geschlossen bleibt) ganzjährig von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang geöffnet. Der Park ist ausschließlich via Wasser und Luft zu erreichen. Charterflieger starten mehrmals täglich von Key West, ebenso Fährschiffe (Sunny Days, Telefon: 305-292-6100; Yankee Fleet, Telefon: 305-294-7009
oder www.yankeefleet.com ). Fisch- und Tauchausflüge (sowohl von Key West als auch von Naples aus) sind im Vorfeld buchbar. Tel: 305-242-7700.
Internet: www.drytortugas.com

Aktivitäten:

V Fort Jefferson Visitor Center,
Museum und Buchladen
(Telefon: 305-242-7700)
V Wandertouren nach Schildern durch das Fort
V Kommentierte Führungen durch den Nationalpark
V Vogel- und Wild-Beobachtungsspaziergänge
V Picknick
V Sportfischen, Schnorcheln, Schwimmen, Scubatauchen
V Campingplätze (zurzeit geschlossen)
 


Legenden von Piraten und vergrabenen Goldschätzen haben die Dry Tortugas berühmt gemacht.


Fort Jefferson diente früher als Gefangenenlager: Hier waren einst die Lincoln-Verschwörer eingesperrt.


Exotisches Vogelparadies


Die Wendeltreppe zur Festungsmauer im Fort Jefferson
 

 

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