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Sagenumwobenes Schnorchelparadies
112 Kilometer westlich von Key West liegt im klaren, türkisfarbenen
Ozean eine Ansammlung von sieben kleinen Inseln, die hauptsächlich aus
Korallenriffen und Sand bestehen und das einzige lebende
Wallriff-Ökosystem der USA beheimaten: die Dry Tortugas.
Im Deutschen klingt der Name Dry Tortugas nur halb so lautmalerisch:
trockene Schildkröten. Trocken? Und das, wo sich nur ein Bruchteil der
260 Quadratkilometer Fläche des gesamten Parks auf dem Trockenen
befindet, der Rest liegt im Wasser. Der spanische Seefahrer Ponce de
León entdeckte im Jahre 1513 die sieben Inseln. Unzählige
Meeresschildkröten versorgten seine Seemänner mit Nahrung, doch es gab
kein Trinkwasser auf den Inseln. So bekamen diese ihren Namen.
Die Inseln bilden den Dry Tortugas Nationalpark, der vor allem für
sein abwechslungsreiches Meerestiere- und Vogelvorkommen bekannt ist.
Über 250 verschiedene im Wasser und zu Lande lebende Pflanzen- und
Tierspezies nennen die Tortugas ihr Zuhause, darunter Barrakudas,
Zackenbarsche, Stachelrochen, Sternkorallen, Königsmuscheln, blauer
Seetang und Gorgonien. Zu den häufigsten Vogelarten des Parks zählen
Seemöwen, Wanderfalken, Meerschwalben, Tölpel, Strandläufer und der
gabelschwänzige Fregattvogel.
Aber auch Legenden von Piraten und vergrabenen Goldschätzen haben den
Park berühmt gemacht. Hier steht Fort Jefferson, das größte
amerikanische Küstenfort des 19. Jahrhunderts. Das Fort befindet sich
auf der größten der sieben Inseln, Garden Key. Seit den Tagen der
spanischen Eroberung haben die scharfkantigen Riffe entlang der Dry
Tortugas für die Schifffahrt eine nicht zu verachtende Gefahr
dargestellt und sind der Grund für hunderte Schiffwracks, die am
Meeresgrund um die Inseln herum zu finden sind. Zu Beginn des 19.
Jahrundert wurde den Dry Tortugas aufgrund ihrer strategisch guten
Lage große Bedeutung beigemessen, bald wurde mit dem Bau einer
massiven, sternförmigen Festung begonnen – doch das legendäre Fort
wurde trotz der Entwicklung eines ausgeklügelten unterirdischen
Zisternensystems, dass die Insel und die Festung mit Trinkwasser
versorgte, nie fertig gestellt. Der Bau stand nicht, wie zuerst
vermutet, auf festem Korallenstein, sondern fußte auf Sand und
Findlingen – was schnell Risse im Fundament zur Folge hatte. Als so
die militärische Bedeutung des Forts schwand, gewann die reichhaltige
Tierwelt der Inselgruppe wieder zunehmend an Bedeutung.
Während des Bürgerkrieges 1861 - 1865 erlebte Dry Tortugas noch einmal
politische Prominenz als Gefangenenlager. Unter anderem waren hier die
Lincoln-Verschwörer eingesperrt, jene vier Männer, denen ein
Mordanschlag auf Präsident Lincoln zur Last gelegt wurde. Die Zellen
der mutmaßlichen Attentäter können Besucher auf einem Rundgang
besichtigen. Die scheinbar endlose Anordnung von Gewölben und Torbögen
entlang der Batteriedecks ist einen Anblick wert. Ebenso sollte man es
nicht versäumen, die steilen Wendeltreppen zum oberen Ende der
Festungsmauer hinauf zu steigen – von dort aus hat man einen
spektakulären Blick auf die umliegenden Gewässer.
Präsident Franklin D. Roosevelt erklärte das imposante Fort und die es
umgebenden Gewässer 1935 zum nationalen Denkmal. 1992 wurde das Gebiet
zum Dry Tortugas Nationalpark erklärt, um sowohl die naturbezogenen
als auch die historischen Merkmale der Inseln zu schützen.
Der Besuch des Visitor Centers gehört genauso zum Programm wie eine
self-guided Tour durch das Fort. Ranger bieten unter anderem geführte
Vogel- und Tierbeobachtungen an. Der Nationalpark ist bekannt für die
Wanderung der Vogelschwärme im Frühling und für seine heimischen
tropischen Vogelarten. Angeln, Schwimmen und Tauchen sind nur einige
der Möglichkeiten, sich im Park aktiv zu betätigen. Schon Ernest
Hemingway, der lange Jahre im nahe gelegenen Key West weilte, kam
regelmäßig zum Angeln auf die Insel. Geheimtipp: Teile des leicht
zugänglichen Korallenriffs auf Garden Key sind ein Paradies für
Wasserfreunde, denn das Meeresleben auf den Tortugas ist absolut
fantastisch.
Die Riffe sind so flach, dass man eigentlich keine Tauchausrüstung
benötigt – Schnorcheln ist angesagt. Für Naturliebhaber, die
Wassertiere lieber vom Land aus als Auge in Auge über dem Meeresgrund
betrachten, gibt es spezielle Dämmerungstouren, an denen man
teilnehmen kann. Mit Hilfe des Mondlichts, das in die die Küsten
umgebenden Ringmulden scheint, sind viele der seltenen Spezies auch
gut vom Land aus zu beobachten.
Eines der einzigartigsten Naturereignisse auf Dry Tortuga im
südlichsten Zipfel der USA ist das „Grüne Licht“, ein faszinierender
grüner Saum, der die Oberseite der Sonne umgibt, während sie über dem
Golf von Mexiko untergeht. Die Dry Tortugas sind wohl der beste Ort,
um dieses seltene Phänomen zu beobachten. Die besten Voraussetzungen
für das Naturschauspiel sind ein flacher Horizont, eine klare,
wolkenlose Sicht auf die Sonne sowie die richtige Atmosphäre.
Der Eintritt in den Nationalpark beträgt $5 pro Person. Er ist (mit
Ausnahme der Insel Bush Key, die während der Brutzeit von März bis
September geschlossen bleibt) ganzjährig von Sonnenauf- bis
Sonnenuntergang geöffnet. Der Park ist ausschließlich via Wasser und
Luft zu erreichen. Charterflieger starten mehrmals täglich von Key
West, ebenso Fährschiffe (Sunny Days, Telefon: 305-292-6100; Yankee
Fleet, Telefon: 305-294-7009
oder www.yankeefleet.com ).
Fisch- und Tauchausflüge (sowohl von Key West als auch von Naples aus)
sind im Vorfeld buchbar. Tel: 305-242-7700.
Internet: www.drytortugas.com
Aktivitäten:
V Fort Jefferson Visitor Center,
Museum und Buchladen
(Telefon: 305-242-7700)
V Wandertouren nach Schildern durch das Fort
V Kommentierte Führungen durch den Nationalpark
V Vogel- und Wild-Beobachtungsspaziergänge
V Picknick
V Sportfischen, Schnorcheln, Schwimmen, Scubatauchen
V Campingplätze (zurzeit geschlossen)
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