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Turtle Walk

von Edith Richter  

 Vergangenen Sommer sind sie mir eines Morgens am Strand aufgefallen: Spuren im Sand, die ins Wasser führten. Ein älterer Herr, der seinen Morgenspaziergang machte, erzählte mir, was es mit diesen Spuren auf sich hatte: Es waren Seeschildkröten-Babys, die in der Nacht geschlüpft und in ihr neues Zuhause, ins Meer gekrochen waren.

Es müssen mindestens 50 Tiere gewesen sein. Einige brachen auch in die falsche Richtung auf, da sie die Straßenbeleuchtung oder das Licht aus nahe gelegenen Häusern mit dem Schimmern der Wasseroberfläche verwechselt hatten.
Für mich als Florida-Neuling war das etwas sehr Aufregendes, denn ich hatte noch nie eine Seeschildkröte in Freiheit oder ein frisch geschlüpftes Schildkröten-Baby gesehen.

Wenige Tage später erfuhr ich, dass die National Save The Sea-Turtle Foundation einen so genannten "Turtle-Walk" organisierte, um Seeschildkröten beim Legen ihrer Eier zu beobachten. Ich meldete mich sofort an und einige Tage später, in einer Vollmondnacht, ging es los.

Wir trafen uns im Gumbo Limbo Center, einem kleinen Naturpark in Boca Raton. Freiwillige Helfer zeigten uns einen Film über die Seeschildkröten, der u. a. von vielen Bemühungen berichtete, diese Tiere vor dem Aussterben zu bewahren. Es wurde uns vor allem auch erklärt, wie wir uns später verhalten sollten. Dies sind im Grunde Verhaltensregeln für jeden, der das Glück hat, einer Seeschildkröte am Strand zu begegnen:

  • Nicht berühren,
  • nicht mit Blitzlicht fotografieren, 
  • keine Taschenlampen benutzen, das Tier kommt sonst nicht an Land, 
  • unbedingt im Hintergrund bleiben, bis sie mit dem Legen der Eier begonnen hat. Auch dann bitte Abstand halten und das Tier nicht stören, 
  • ruhig bleiben, 
  • keine lauten Geräusche machen, 
  • nicht die Spur im Sand zerstören, da anhand der zurückgelassenen Spur festgestellt werden kann, um welche Schildkrötenart es sich handelte.


Während wir im Gumbo Limbo Center viel Interessantes über die Turtles lernten, patrouillierten andere freiwillige Helfer zusammen mit einem Meeresbiologen am Strand, um nach den Tieren Ausschau zu halten. Nach kurzer Zeit kam die Meldung über Funk: Eine Loggerhead war an Land gekrochen. Alles war hervorragend organisiert, wir fuhren die kurze Strecke mit einem Kleinbus zu der Stelle, wo die Helfer schon auf uns warteten und uns im Mondlicht an den Strand geleiteten.
Keiner sagte ein Wort, wir schlichen auf Zehenspitzen heran. Da lag sie im Sand, eine riesige "Loggerhead", der Panzer fast einen Meter lang. Wir setzten uns im Halbkreis um sie herum. Sie benutzte ihre Hinterbeine fast wie Hände, um ein Loch zu graben. Als dieses groß genug war, begann sie sofort mit dem Legen der Eier, die die Größe von Ping-Pong-Bällen hatten und elastisch sind, so dass sie nicht zerbrechen, wenn sie aufeinander liegen.

Sie legte zirka 100 Eier und blickte dabei in die Runde, als ob sie sagen wollte: "Was macht ihr denn alle hier?" Man konnte ihr ansehen, welch enorme Anstrengung es war, den gewohnten Lebensraum zu verlassen, ein Loch zu graben und die Eier zu legen. Am Ende schaufelte sie das Loch wieder zu, ebnete den Sand mit ihrem Körper und kroch zurück ins Meer. Der Biologe erklärte uns, dass sie in den nächsten Tagen noch ein paar Mal ans Land kommen wird, um weitere Eier zu legen.
Wenn das Nest nicht in dieser Zeit von Waschbären, Füchsen, Koyoten, Bussarden oder Ameisen geplündert oder von den Wellen in einem Sturm weggespült wurde, schlüpfen nach zirka 60 Tagen die Schildkrötenbabys, die Hatchlings aus. Sie schlüpfen alle zusammen in einer Nacht und krabbeln ins Meer, um ihr großes Abenteuer des Überlebens zu beginnen


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Mehr Informationen

Weitere Infos im Internet unter www.wwf.de  und beim WWF-Deutschland: Volker Homes, Referat Artenschutz 
Tel. (069) 7 91 44-183 oder Ulrike Bauer, Pressestelle Tel. (069) 7 91 44-145.


Fotos: © Doug Perrine/Seapics.com

 

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