Seit wann leben Sie in den USA und wie kamen Sie auf den Gedanken auszuwandern?
Ich lebe seit 2000 in den USA, mit einigen Unterbrechungen. Schon im Jahre 1992 war ich in Miami zum Urlaub. Als wir von einem Tagestrip auf die Bahamas zurückkehrten und in den Hafen von Miami einfuhren, hatte ich ein überwältigendes Heimatgefühl. Ich hatte diesen Ort nach nur einem Tag Abwesenheit vermisst. Dieses Gefühl ließ sich unterbewusst nie richtig abstellen. Nach abgeschlossenem Studium der Rechtswissenschaften in Berlin entschied ich mich vor dem Referendariat dazu, einen amerikanischen Masterstudiengang an der University of Miami zu absolvieren. Dort lernte ich neben dem amerikanischen Rechtssystem auch das Berufsbild des amerikanischen Juristen kennen und lieben. Gepaart mit meiner Liebe zu Miami, stand der Entschluss, hier zu bleiben, fest.
War es schwer, das Leben in Deutschland hinter sich zu lassen?
Den ersten Kulturschock erlebte ich in Orlando, als ich dort in einer Anwaltskanzlei arbeitete. Die ersten drei Monate sind meiner Meinung nach die schwierigsten. Es ist nicht einfach, die Familie zurückzulassen.
Sind Sie über ein Visum oder über die Greencard in die USA gekommen?
Zunächst über ein Studentenvisum und danach mit einem Investmentvisum zur Greencard.
Was machen Sie jetzt in den USA?
Ich habe meine eigene Kanzlei - Mondiale Law Group, Pl - eröffnet und arbeite seit 2008 selbständig als Rechtsanwältin in Miami Beach. Meine Kanzlei in Berlin besteht parallel seit 2007. Durch den Masterstudiengang habe ich ein weltweites Netzwerk von juristischen Kollegen und Freunden aufgebaut, das auch meinen Mandanten zugute kommt.
Gehen Sie Ihrem alten Beruf nach oder haben Sie etwas ganz Neues angefangen?
Ich bin in Deutschland und Florida als Rechtsanwältin zugelassen. Es ist derselbe Beruf aber ein anderes Rechtssystem. Mein Entschluss in Miami bedeutete, dass ich hier nochmals zwei Jura studieren musste, um die Anwaltsprüfung in Florida ablegen zu dürfen. Hierfür reichte der Mastertitel nicht. Von meinem sechsjährigen deutschen Jurastudium wurde mir ein Jahr angerechnet. Nach Zulassung als Rechtsanwältin in Florida, arbeitete ich in diversen US-Kanzleien. Ich kehrte zwei Jahre nach Deutschland zurück, um dort die Anwaltsprüfung abzulegen und Praxiserfahrung als deutsche Rechtsanwältin zu sammeln. Seit einigen Jahren bin ich jezt selbständig als Rechtsanwältin in Miami tätig. Ich berate vornehmlich europäische Mandanten und helfe, dass sie in den USA arbeiten und leben können. Die Rechtsberatung geht von einwanderungsrechtlichen Fragen und Scheidungen über Geschäftsgründungen und vertragsrechtlichen Fragen bis hin zu allgemeinen praktischen Tipps.
Was ist der Erfolgsfaktor, um in Amerika Fuß zu fassen?
An sich selber zu glauben. Seinen Traum nicht von Faktoren abhängig zu machen, die man nicht selber kontrollieren kann. Wirklich zu wissen, was man will und warum. Sich zu integrieren, d.h. amerikanische Freunde, Bekannte zu finden.
Leben Sie jetzt "den amerikanischen Traum"?
Mein Leben hier unterscheidet sich äußerlich zwar nur hinsichtlich des Wetters von dem in Deutschland, aber persönlich kommt mein jetztiges Leben doch dem Ideal sehr nahe.
Was genießen Sie am meisten am Leben in Florida?
Den Florida-Lifestyle, die Meeresluft, die Sonne und den Strand. Außerdem den gelebten Mix der Kulturen in Miami und den Alltag in einem Land, das von Einwanderern gegründet wurde.
Welche Vorteile hat man in Amerika?
Jeder ist auch hier seines Glückes Schmied. Es liegt nicht nur an Amerika selbst. Für mich persönlich sind die USA ein Ort, den ich Heimat nennen kann und will.
Vermissen Sie Dinge, die Sie aus Deutschland kennen?
Natürlich. Manchmal einfach nur das europäische Gefühl. Man weiß nicht, was man vermisst, bald lernt man aber was fehlt. Viele Europäer suchen hier daher die Nähe von anderen Europäern. Außerdem vermisse ich das Übliche wie „richtiges“ Brot, Kaffee, Schokolade und Wurst.





