Seit wann leben Sie in den USA und wie kamen Sie auf den Gedanken auszuwandern?
Ich lebe seit mittlerweile 20 Jahren in Miami und bin durch meinen Ex-Mann nach Amerika gekommen. Er ist Deutscher, der in Amerika lebte, und wir haben uns in meiner Heimat Düsseldorf kennengelernt. Ich bin damals zwar viel durch Asien gereist, aber noch nie in Amerika gewesen, so dass ich zum Zeitpunkt der Auswanderung das erste Mal in die USA kam.
War es schwer, das Leben in Deutschland hinter sich zu lassen?
Eigentlich nicht. Ich war damals Anfang 20 und habe natürlich meine Freunde vermisst. Heute, 20 Jahre später, sieht man das anders. Man gewöhnt sich an alles. Nach Deutschland fliege ich heute gerne in den Urlaub.
Sind Sie über ein Visum oder über die Greencard in die USA gekommen?
Ich bin damals über ein E2-Investorenvisum ausgewandert. Mein Mann besitzte eine Speditionsfirma.
Was machen Sie jetzt in den USA?
Ich bin heute Inhaberin des Speditionsunternehmens CSI Miami - das steht für "Container Service International" und hat nichts mit der "Crime Scene Investigation" aus dem Fernsehen zu tun (lacht).
Gehen Sie Ihrem alten Beruf nach oder haben Sie etwas ganz Neues angefangen?
Ich habe in Deutschland Ernährungswissenschaften studiert und wollte eigentlich als Köchin arbeiten. Ein ganz anderes Berufsfeld also.
Was ist der Erfolgsfaktor, um in Amerika Fuß zu fassen?
Es hat sich in den vergangenen Jahren vieles geändert. Heute ist es schwieriger, erfolgreich zu werden. Seit dem 11. September ist es auch nicht mehr einfach, ein Visum zu erhalten. Wer heute erfolgreich sein will, muss seine Sparte finden, dran bleiben und nicht aufgeben. Speziell in unserem Bereich bedeutet das, einen guten Kundenservice zu bieten und stets zu seinem Wort zu stehen.
Leben Sie jetzt "den amerikanischen Traum"?
Ich bin mir nicht sicher, ob es diesen Traum gibt. Manchmal denke ich, dass das Arbeiten hier härter ist als in Europa, speziell in Deutschland. Dort hat man noch ein soziales Netz, eine sichere Krankenversicherung. Aber mit harter Arbeit kann man alles erreichen, egal wo man lebt. Die Vereinigten Staaten sind natürlich ein traumhaft schönes Land, das viele Leute anzieht. Die Menschen hier sind wahnsinnig nett und Amerika gilt noch immer als Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
Was genießen Sie am meisten am Leben in Florida?
Natürlich das Wetter. Und ich liebe die Stadt Miami, ganz besonders die vielen Menschen, die aus der ganzen Welt hierher kommen und kulinarische Köstlichkeiten mitbringen. Außerdem ist es toll, das Meer direkt vor der Haustür zu haben. Es fehlen eigentlich nur noch die Berge.
Welche Vorteile hat man in Amerika?
Man kann sich hier einfacher selbstständig machen. Es werden einem nicht so viel Steine in den Weg gelegt und man muss nicht so viele bürokratische Hürden überwinden. So wird eine Geschäftsidee schneller zur Realität. Eine Selbstständigkeit bringt aber natürlich auch viel harte Arbeit mit sich, wie in jedem anderen Land auch.
Vermissen Sie Dinge, die Sie aus Deutschland kennen?
Ja, das deutsche Brot. In Miami fehlt uns ein deutscher Bäcker. Vieles lassen wir uns aber auch aus der Heimat mitbringen.
Gibt es Momente, in denen Sie sich nach Deutschland zurücksehnen?
Nein, die gibt es eigentlich nicht. Sicherlich kommt an Weihnachten manchmal Heimweh auf, aber Deutschland kommt mir mittlerweile sehr klein vor.
Was waren die größten Schwierigkeiten, mit denen Sie zu kämpfen hatten?
Mein erster Eindruck der "Neuen Welt" war damals erst ein schlechter: Ich hatte fürchterliches Heimweh, befand die Menschen als zu oberflächlich und mir war alles fremd. Aber das hat sich schnell gelegt. Mit der Sprache hatte ich eigentlich kaum Probleme, da ich durch meine vielen Reisen und Bekanntschaften schon gut Englisch sprach. Nur manchmal hatte ich Probleme, den amerikanischen Akzent zu verstehen.





