Seit wann leben Sie in den USA und wie kamen Sie auf den Gedanken auszuwandern?
Wir leben seit 1997 in den USA. Wir beide standen vor einem Jobwechsel in Deutschland. Vorher wollten wir noch eine sechsmonatige Reise quer durch die USA mit einem Wohncamper machen, das war im Jahr 1996. Allerdings mit dem leichten Hintergedanken – na, mal sehen was kommt, wenn sich eine Gelegenheit bietet ...
Vorab wollten wir noch ein Konto in den USA eröffnen, also riefen wir einen zu dieser Zeit flüchtigen Bekannten an, der uns dabei helfen sollte. Das war der Beginn unserer (nie angetretenen) "Reise" quer durch die USA in Ocala. Wir wollten eigentlich nur ein paar Tage zu Besuch bleiben, doch dann bot man uns eine einmalige Gelegenheit an, um hier Fuß zu fassen – und das haben wir dann auch getan. Wir sind dann sechs Monate in Ocala geblieben und haben hier auch standesamtlich geheiratet. Dann sind wir zurück nach Deutschland, haben alles verkauft und sind Ende 1997 komplett ausgewandert, um in Ocala eine Wohn- und Golfanlage zu erbauen.
Bis zum heutigen Tag sind wir überzeugt, dass das die beste Entscheidung unseres Lebens war, wir würden es immer wieder tun.
War es schwer, das Leben in Deutschland hinter sich zu lassen?
Für meinen Mann Rolf sicher etwas schwerer als für mich, da er zu diesem Zeitpunkt eher ein sehr familienverbundener Mensch war, mehr als ich. Heute bin ich das auch, da ich selbst eine Familie habe, aber damals überhaupt nicht. Bereits als junges Mädchen wollte ich ins Ausland und weit weg von meiner Heimat sein, da ich nicht sehr viel damit verbinde.
Sind Sie über ein Visum oder über die Greencard in die USA gekommen?
Es war ein Riesenpapierkrieg, bei dem uns die Firma, für die wir arbeiteten, und eine Anwältin sehr geholfen haben. Wir haben mit einem H1B-Visum angefangen, dann kam 2001 die Greencard und im letzten September sind wir sogar amerikanische Staatbürger geworden – haben aber die deutsche Staatbürgerschaft ebenfalls behalten.
Was machen Sie jetzt in den USA?
Wir betreiben eine kleine Hotelanlage mit Ferienwohnung, die "Villa Venezia" in Fort Lauderdale. Und dann betreiben wir noch unsere eigene Design- und Baufirma, mit der wir in den letzten Jahren während des Immobilienbooms sehr erfolgreich waren.
Gehen Sie Ihrem alten Beruf nach oder haben Sie etwas ganz Neues angefangen?
Rolf ist/war staatlich geprüfter Datentechniker und ich bin/war Maschinenbauingenieurin. Das kommt uns allerdings inzwischen so weit weg vor wie ein fremdes, anderes Leben, und wir haben absolut keinen Bezug mehr dazu. Hier in Amerika sind wir per Zufall Hotelmanager geworden. Außerdem hat Rolf die Baulizenz erworben, und ich habe mich im Bereich Innenarchitektur weitergebildet. Doch auch das wird noch nicht das Ende unserer Geschichte sein. Unser eigentlicher amerikanischer Traum kommt noch...
Was ist Ihrer Meinung nach der Erfolgsfaktor, um in Amerika Fuß zu fassen?
Man sollte seine deutsche Gründlichkeit und Zuverlässigkeit nicht vergessen, diese mit der amerikanischen Flexibilität und Risikobereitschaft mischen – offen, aber realistisch bleiben, eine kleine Prise Verrücktheit schadet sicher auch nicht. Und dann kann es losgehen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Was für uns auch sicher ein guter Schritt war, dass wir erst einmal sechs Monate hier waren und uns alles angeschaut und vieles erlebt haben. Dann zurück nach Deutschland sind und erst danach alle Zelte abgebrochen haben und nicht einfach blind ins Ungewisse aufgebrochen sind. Daran scheitern viele.









