Seit wann leben Sie in den USA, und wie kamen Sie auf den Gedanken auszuwandern?
Ich wollte ursprünglich in die USA, um mein Englisch aufzufrischen und dort einen Sprachkurs zu absolvieren. Ich habe mir aber ausgerechnet, dass es viel günstiger ist, auf eigene Faust ins Land zu reisen und dort an der Universität einen Sprachkurs zu besuchen, anstatt eine Sprachreise zu buchen. Daraufhin habe ich mich in das sonnige Florida aufgemacht. Das war im Jahr 1993, ich war damals 36 Jahre alt. Eigentlich wollte ich nur ein halbes Jahr in Florida bleiben und danach jeweils sechs weitere Monate in Mexiko und Frankreich verbringen, um mein Spanisch und Französisch aufzufrischen. In Mexiko hat es mir allerdings nicht so gut gefallen, und wegen der schlechten Wirtschaftslage in Deutschland wollte ich auch nicht wieder zurück in die Heimat. So bin ich dann wieder in Florida gelandet.
War es schwer, das Leben in Deutschland hinter sich zu lassen?
Nein, überhaupt nicht. Zur Zeit der Wirtschaftskrise nach der Wiedervereinigung war mir klar, dass ich so etwas nicht noch einmal mitmachen wollte. Daher fiel es mir damals nicht schwer, Deutschland zu verlassen.
Über welches Visum sind Sie in die USA gekommen?
Ich bin mehrfach über das Touristenvisum nach Florida eingereist und habe parallel mit Hilfe einer Immigrationsanwältin mein Visum beantragt. Das war nicht einfach und hat viel Zeit in Anspruch genommen. Aber es war auch lange nicht so umständlich wie es heutzutage ist. 1994 bin ich dann mit meinem Visum nach Florida ausgewandert. Durch die Firmengründung erhiet ich dann ein L1-Visum. Ich erinnere mich noch, wie sich die Beantragung damals verzögert hat, weil die amerikanische Behörde von Hamburg nach Berlin verlegt wurde. Da hieß es erst einmal: Abwarten! Aber irgendwann hielt ich das Visum dann in der Hand.
Was machen Sie jetzt in den USA?
Ich habe meine eigene Firma für Container-Verschiffung und Import & Export gegründet. Wir beraten bei der Verschiffung von Fahrzeugen von Deutschland in die USA und umgekehrt. Ein Schwerpunkt liegt auf der Umrüstung amerikanischer Fahrzeuge, die nach Deutschland verschifft werden. Dabei werden die Fahrzeuge den deutschen TÜV-Regelungen angepasst. Wir organisieren aber auch Autogas-Umrüstungen, bei denen Benzinmotoren für den umweltfreundlicheren Autogasantrieb umgerüstet werden. Das alles wird in Amerika vorbereitet und in Deutschland umgesetzt. Außerdem verschiffen wir noch Boote, Stückgüter und Umzugscontainer.
Gehen Sie Ihrem alten Beruf nach oder haben Sie etwas ganz Neues angefangen?
Ich habe bereits in Deutschland mit der Firma Westfehling in ähnlichen Bereichen gearbeitet: Mietwagen, Kfz-Werkstätten und Tankstellen. Viele Kunden kennen die Firma Westfehling Berlin bereits und wussten, dass ich auch Fahrzeuge aus den USA importiert habe. Somit kannte ich nicht nur den amerikanischen Markt sehr gut, sondern hatte bereits erste wichtige Kontakte für die Unternehmensgründung in den USA.
Was ist der Erfolgsfaktor, um in Amerika Fuß zu fassen?
Ärmel hochkrempeln und hart arbeiten! Das ist das einfache Erfolgsrezept. Das Geld sitzt in den USA immer noch lockerer als in Deutschland. Allerdings ist durch die derzeitige Finanzkrise auch vieles unsicher geworden. Auch in unserer Branche ist das zu spüren. Es weiß zurzeit keiner so richtig, wie es mit der Wirtschaft weitergeht. Aber Möglichkeiten gibt es hier in den USA immer noch viele.
Leben Sie jetzt "den amerikanischen Traum"?
Wenn ich von morgens bis abends nur am Strand liegen würde, dann wäre das wohl der amerikanische Traum. Aber mal im Ernst: Ich wohne hier in Florida ja wirklich sehr nah am Meer, und das ist der große Vorteil gegenüber meinem alten Leben in Deutschland. Ich muss hier zwar auch sehr hart arbeiten, aber das Leben in Florida ist trotzdem viel unbeschwerter. Ganz nach dem Motto: "Take it easy!" Unter dem Aspekt lebe ich den amerikanischen Traum.






