Auswanderer-Porträts
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Deutsche Traditionen im Sunshine State

Als Auswanderin Gaby Villiotis 1988 nach Texas reiste, war es um sie geschehen. Der American Way of Life hatte sie angesteckt, ja geradezu voll erwischt. Es folgte eine abenteuerliche Reise durch Nordamerika, die sie schließlich in den Sonnenstaat Florida führte. Heute leitet die 54-Jährige ein deutsches Lernzentrum bei Fort Lauderdale, in dem Sie Kindern ihre heimische Kultur näher bringt.

Autor: Sarah Czuratis

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Seit wann leben Sie in den USA und wie kamen Sie auf den Gedanken auszuwandern?
Das ist eine abenteuerliche Geschichte, wenn ich daran denke, wie alles damals angefangen hat. Vor 22 Jahren erfuhr ich, dass ich weitläufige Verwandte in Texas habe und bin noch im gleichen Jahr zum ersten Mal in die USA geflogen, um meine amerikanische Familie kennenzulernen.  Es war ein "Traum", das Leben, die Mentalität der Texaner hat mich vollkommen gefangen genommen und ich hatte nur noch einen Gedanken: Ich wollte in Texas leben und arbeiten. Leider konnte ich nicht gleich dort bleiben. Ich flog zurück nach München und begann, Bewerbungen zu schreiben. Natürlich konnte ich meinen Traum nicht so einfach verwirklichen - kein Visum, keine
Arbeitserlaubnis. Nachdem ich sämtliche Ideen in Gedanken einmal durchgespielt hatte und eine Bewerbung nach der anderen mit dem Vermerk "Would love to hire you, let us know when you get your permit" zurück kam, wurde mir klar, dass ich mir etwas anderes überlegen musste. Meinen Traum, nach Amerika auszuwandern, würde ich wahr machen, so oder so.

War es schwer, das Leben in Deutschland hinter sich zu lassen?
Nein, eigentlich nicht. Die Abenteuerlust hatte mich gepackt und alles ging damals so schnell. Ich erfuhr von einem Kreuzfahrt-Unternehmen, mit Sitz in Miami, dass sie dringend Leute suchten. Also bewarb ich mich zusammen mit einer Freundin. Tja, und kurze Zeit später entwickelte sich aus meinem Traum das ganz große Abenteuer: Ich hatte einen Job auf einem Kreuzfahrtschiff erhalten und musste innerhalb von zwei Wochen meine Zelte in Deutschland abbrechen. Ich kündigte meinen gut bezahlten Job bei einem der renommiertesten  Architekten und Bauunternehmen in München, bei dem ich 11 Jahre gearbeitet hatte.
Das war der Beginn meines neuen Lebens und ich glaube, es war mir damals gar nicht klar, dass ich mein altes Leben unwiderruflich hinter mir gelassen hatte. Natürlich war etwas Wehmut dabei, als ich mich am Flughafen von meiner Familie und Freunden verabschieden musste. Doch damals war ich jung, ungebunden und ich hatte das Gefühl, Amerika wartete nur noch auf mich. Und so begann meine Reise:  Von München nach Miami und weiter nach Costa Rica, wo das Schiff auf mich wartete, dann ging die Reise erst richtig los: durch den Panama Kanal, Kalifornien, Kanada bis hoch nach Alaska und zurück in die Karibik. Ich habe nicht viel von der Schönheit Amerikas und der Karibik genießen können, da die Arbeit auf dem Schiff sehr schwer war: Zusammen mit weiteren 27 verschiedenen Nationalitäten, arbeiten von morgens früh  bis spät in die Nacht hinein, angefangen als Cocktail-Bedienung, Wein-Stewardess, Purser, Crew-Purser bis hin zum Chief-Purser, habe ich alle Höhen und Tiefen auf dem Schiff erlebt (einschließlich einem Maschinenraum unter Feuer, und einem Zusammenstoss mit einem Eisberg in Alaska…)

Sind Sie über ein Visum oder über die Greencard in die USA gekommen?
Durch den Arbeitsvertrag mit der Kreuzfahrtgesellschaft erhielt ich das Seemanns-Visum (C1/C2), mit dem ich auf dem Schiff arbeiten durfte. Später lernte ich meinen Mann auf dem Schiff kennen. Er war ein griechischer Offizier. Kurz nachdem wir uns verlobt hatten, bot uns die Reederei des Kreuzfahrtschiffes eine Stelle an Land an und so übernahm ich die Leitung der Personalabteilung und Verlobter Peter die technische Leitung. Durch die Firma erhielten wir beide unsere Arbeitserlaubnis und kurze Zeit später die Greencard. Wir heirateten, trotz vieler Probleme, da es nicht leicht war, die Familien aus Deutschland und Griechenland unter einen "Hut" zubringen und nach Amerika einfliegen zu lassen.

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