Auswanderer-Porträts
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Deutscher Küchenchef im Sonnenparadies

Mit 63 Jahren ist der Deutsche Bernd Müller erfolgreicher denn je: Als Executive Chef leitet er die Küche eines internationalen Vier-Sterne-Hotels, ist Autor zweier Bücher sowie ein passionierter Ehemann, Vater und Großvater. Sein Motto? "Carpe Diem!" Und das seit nunmehr dreißig Jahren in Amerika.

Autor: Sarah Czuratis

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Seit wann leben Sie in den USA und wie kamen Sie auf den Gedanken auszuwandern?
Ich habe von 1970 bis 1979 in Mexiko gelebt und bin von dort in die USA ausgewandert. Es war schon immer mein Traum, nach Amerika zu gehen. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten hatte es mir schon als kleines Kind angetan. Ich wusste schon früh, dass ich die richtige Einstellung besitze, um im Ausland erfolgreich zu sein. Amerika war das Ziel meiner Träume. Movie Stars, fantastische Hotels und die schiere Größe des Landes faszinierten mich besonders. Das Leben ist zu kurz, um es nicht wahrzunehmen. Nach diesem Motto lebe ich mein Leben.

War es schwer, das Leben in Deutschland hinter sich zu lassen?
Ich hatte keine Zeit für Heimweh. Die Begeisterung, zuerst in Mexiko zu leben und dann den Sprung in die USA zu schaffen, war einfach zu überwältigend. Aber das sollte sich nach den ersten sechs Monaten ändern. Dann war der Urlaub vorbei und das richtige Leben begann. Plötzlich war ich unsicher in der fremden Umgebung und das Heimweh zum bekannten Deutschland machte sich bemerkbar.

Sind Sie über ein Visum oder über die Greencard in die USA gekommen?
Meine Auswanderung nach Mexiko war mit einer Liebesgeschichte verbunden. 1968 erfüllte ich mir den Traum, zu den Olympischen Spielen nach Mexico City zu reisen. Dieses Abenteuer sollte mein Leben komplett verändern. Die letzten vier Tage der Olympiade waren die ausschlaggebenden, denn da lernte ich meine zukünftige Frau kennen. Ein Jahr später kam dann die Hochzeit in Mexiko. Man kann sagen, es war Liebe auf den ersten Blick. 40 Jahre später ist das noch immer der Fall.
Irgendwann packte uns dann wieder das Reisefieber. Meine Frau Martha und ich beschlossen, mit unseren zwei Toechtern Myriam und Ingrid in die USA auszuwandern. 1979 war es soweit: Marriott Corporation bot mir eine Stelle als Bankett Chef im neu eröffneten San Antonio Marriott River Walk. Dies sollte meine erste Arbeitsstelle in den USA sein. Es wurde mehr als ein Erlebnis. Ich musste ganz von vorne anfangen. Oft packten mich Heimweh und Verzweiflung zugleich.
Mein Arbeitsvisum wurde während dieser Zeit alle sechs Monate erneuert. Erst als ich nach fünf Jahren als Küchenchef im Maui Marriott auf Hawaaii anfing, erhielt ich meine "grüne Karte".

Was machen Sie jetzt in den USA?
Ich bin seit knapp sechs Jahren der Küchenchef im Omni Hotel und Resort at Champions Gate bei Orlando, ein Vier-Sterne und Vier-Diamanten Hotel mit 725 Zimmern. Ein traumhaftes Hotel. Außerdem haben wir fünf Restaurants und zwei Bars. Wir beschäftigen 115 Köche und Stewards.

Gehen Sie Ihrem alten Beruf nach oder haben Sie etwas ganz Neues angefangen?
Ich bin noch immer leidenschaftlicher Küchenchef, habe aber auch an die Zukunft gedacht und "Mueller’s F&E’s" (F&E = Flavors and Essence) Consulting gegründet. Zudem habe ich in den lezten Jahren zwei Bücher geschrieben. Das erste Buch heißt "Cooking against all odds" und handelt vom Werdegang eines Koches – von der Lehrstelle bis zum renommierten Küchenchef, mit vielen Erinnerungen und Darstellungen. Das Manuskript habe ich auch auf Deutsch vorliegen, aber hierfür leider noch keinen Verlag gefunden. Das zweite Buch ist ausschließlich dem Management gewidmet und enthält Anekdoten über den oft brutalen Werdegang in der Welt der geldhungrigen Korporationen.

Was ist der Erfolgsfaktor, um in Amerika Fuß zu fassen?
Zuerst einmal sollte man eine gute Ausbildung mitbringen, was mir persönlich sehr geholfen hat. Dann sollte man ein gesundes Selbstvertrauen und einen starken Willen besitzen. Man muss jederzeit bereit sein, auf Änderungen reagieren zu können. Das amerikanische Leben ist voller gegensätzlicher Verhalten. Jeder hat seine eigene Meinung. Aber das Wichtigste ist, stets seinen Kurs zu halten und nicht aufzugeben. Ganz nach dem alten deutschen Sprichwort: "Wenn dich das Schicksal drücket, erhebe dich noch umso kühner."

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