14. 03. 2009
Artikel bewerten
  
Auswanderer-Porträts

Deutscher Stil-Botschafter in Orlando

Sven Bode setzt als Gründer und Verleger des "Orlando Style Magazine" neue Trends an Floridas Lifestyle-Himmel. Dabei hilft eine gute Portion Berliner Stilbewusstsein, das er vor zwölf Jahren nach Florida exportierte.

Autor: Sarah Czuratis

Left3-disabled Bild 1 von 2 Right3-enabled

Seit wann leben Sie in den USA und wie kamen Sie auf den Gedanken auszuwandern?
Im Jahr 1997 bin ich mit meiner amerikanischen Ehefrau von Berlin nach Florida ausgewandert. In Deutschland hatte ich mich zu der Zeit nicht mehr wohlgefühlt. So habe ich meine Firma verkauft und unsere Sachen gepackt. Erst wollten wir nach Kalifornien auswandern, wo meine Frau ursprünglich herstammt. Doch Florida liegt "näher" an Deutschland, und aus beruflichen Gründen war diese Nähe vorteilhaft. Zuerst sind wir nach Marco Island/Florida gezogen. Der Ort ist sehr schön, erschien uns aber auf  lange Sicht etwas langweilig. Letztendlich wollten wir doch lieber in einer Großstadt leben und sind schließlich nach Orlando umgesiedelt.

War es schwer, das Leben in Deutschland hinter sich zu lassen?
Für mich war es nicht schwer. Ich bin aber auch ein Mensch, der gerne Neues erlebt und die Herausforderung sucht. Eine Auswanderung ist zugegebenermaßen eine große Veränderung. Es hilft, ein bisschen auf die Seite gelegt zu haben.

Sind Sie über ein Visum oder über die Greencard in die USA gekommen?
Ich bin zunächst als Tourist eingereist.  Da ich mit einer Amerikanerin verheiratet bin, habe ich dann später die Greencard beantragt und nach einigen Monaten erhalten.

Was machen Sie jetzt in den USA?
Ich wollte in Florida meine eigene Publikation gründen. Aus Miami kannte ich bereits das "Ocean Drive Magazine". Als wir 2004 nach Orlando gezogen sind, war die Marktsituation für ein vergleichbares Magazin hervorragend. In den vergangenen Jahren habe ich deshalb mit großem Erfolg ein neues Magazin etabliert – das "Orlando Style Magazine". Orlando wird als Szene-Stadt oft unterschätzt. Aber durch die große Anzahl der Besucher, die jährlich in diese Stadt reisen, gibt es einen beachtlichen Markt.

Gehen Sie Ihrem alten Beruf nach oder haben Sie etwas ganz Neues angefangen?
Ich habe schon zuvor im Publishing gearbeitet – und habe langjährige Erfahrung im Marketing- und Advertising-Bereich. Die Voraussetzungen waren also gegeben.

Was ist der Erfolgsfaktor, um in Amerika Fuß zu fassen?
Wenn man sich selbstständig machen möchte, sollte man ein gewisses finanzielles Polster aus Deutschland mitbringen, das einen für ein bis zwei Jahre über Wasser hält. Als Entrepreneur muss man besonders hart arbeiten, um erfolgreich zu sein. Es lässt sich jedoch für Arbeitnehmer und andere Selbstständige gleichermaßen sagen, dass in den USA eine hohe Einsatzbereitschaft ein sehr wichtiger Erfolgsfaktor ist. Hier wird diese Einsatzbereitschaft aber auch besser belohnt als in Deutschland. In Amerika gibt es weitaus weniger bürokratische Hürden.

Leben Sie jetzt "den amerikanischen Traum"?
Ich habe mich mittlerweile in Orlando etabliert und jeder zweite kennt mich in dieser Stadt. Das Magazin hat einen guten Ruf, und die Amerikaner mögen meine Ehrlichkeit und Direktheit. Ich sage immer genau, was ich denke, und das kommt gut an. Man weiß eben, dass man sich auf mich verlassen kann, wenn ich mein Wort gegeben habe. In meiner Branche kommt es oft vor, dass viel versprochen und nichts gehalten wird.

Was genießen Sie am meisten am Leben in Florida?
Die Wärme und den ewigen Sonnenschein. Das war auch ein wichtiger Grund bei unserer Entscheidung auszuwandern. Die Kälte und den Miesgram Berlins wollten wir gegen die Sonne Floridas austauschen. Hier gibt es zwar manchmal auch ein paar Stürme und im Sommer kann es sehr heiß werden, aber die meiste Zeit des Jahres ist herrliches Wetter angesagt.

Außerdem genieße ich die gute Laune und Freundlichkeit der Amerikaner. Zu Konflikten kommt es fast nie. US-Bürger sind sehr neugierig, probieren gerne Neues aus und gehen auf die Menschen zu. Viele Deutsche interpretieren die Höflichkeit der Amerikaner als Oberflächlichkeit. Aber ganz ehrlich: Mir ist es lieber, dass jemand übermäßig freundlich ist, als so mürrisch begrüßt zu werden, wie es in Deutschland oft der Fall ist.

Seite

1  |

2

nächste Seite »

 
  
14. 03. 2009
Artikel bewerten