Seit wann leben Sie in den USA und wie kamen Sie auf den Gedanken auszuwandern?
Um mein Englisch aufzubessern ging ich nach England, um dort neun Monate als Aupair und weitere sechs Monate als Studentin zu verbringen. Nachdem ich den Auslandsduft geschnuppert hatte, wollte ich noch mehr von der Welt sehen. 1994 arbeitete ich dann für ein Jahr im deutschen Pavillon im Epcot Center in Disney World Orlando. Dort lernte ich meinen zukünftigen Mann kennen. Nach dem Jahr reiste ich noch für sechs Wochen durch die USA und Kanada und kehrte schließlich nach Deutschland zurück wo ich in meinem alten Job weiterarbeitete. Bis ich einen Anruf von meinem Freund aus Florida bekam, der mir am Telefon einen Heiratsantrag machte. Im Juli 1996 wanderte ich dann nach Florida aus. Im August desselben Jahres haben wir geheiratet. Da alles sehr kurzfristig ablief, gab es nur eine kleine Hochzeitsfeier. Zu unserem ersten Jahrestag haben wir dann groß gefeiert -mit Familie und Freunden. Ich hatte mich bis dahin längst an den Hochsommer in Florida gewöhnt, aber ich erinnere mich, wie die Gäste aus Deutschland in der August-Hitze ganz schön ins Schwitzen kamen (lacht).
War es schwer, das Leben in Deutschland hinter sich zu lassen?
Das deutsche Wetter habe ich gerne hinter mir gelassen, aber es fiel mir schon schwer, Familie und Freunde zurückzulassen. Dank Telefon und Internet ist das heute alles nicht mehr so schlimm.
Sind Sie über ein Visum oder über die Greencard in die USA gekommen?
Für den Job bei Disney bin ich über ein J1-Visum eingereist. Nach der Hochzeit mit meinem amerikanischen Ehemann haben wir dann die Greencard für mich beantragt. Die Verfahren war sehr zeitaufwendig und nervenaufreibend. Heute besitze ich also die Greencard. Ich denke darüber nach, irgendwann auch die amerikanische Staatsbürgerschaft zu beantragen. Aber die deutsche Staatsbürgerschaft würde ich nie aufgeben.
Was machen Sie jetzt in den USA?
Ich arbeite als Assistant Manager bei Ikea in Orlando. Die Arbeit macht mir viel Spaß. Ikea ist ein sehr europäisch orientiertes Unternehmen, was mir viele Vorteile bringt. So sind Überstunden hier zum Beispiel unüblich, ganz im Gegenteil zu anderen Unternehmen in den USA.
Gehen Sie Ihrem alten Beruf nach oder haben Sie etwas ganz Neues angefangen?
Ich habe in Deutschland eine Ausbildung bei Daimler absolviert und in Florida in unterschiedlichen Berufen gearbeitet. Bei Disney war ich noch als Housing Coordinator für das Disney Programm tätig und nach der Trennung von meinem Mann habe ich mich als Flugbegleiterin beworben. Durch den neuen Job bin ich oft umgezogen und habe unter anderem in Detroit, New York City, Memphis und Alabama gewohnt. Als die Fluggesellschaft in Insolvenz ging und sie unser Gehalt um 40 Prozent kürzen wollten, ging ich 2006 zurück nach Florida.
Was ist der Erfolgsfaktor, um in Amerika Fuß zu fassen?
Man muss mit der amerikanischen Mentalität klarkommen. Deutsche kommunizieren anders als Amerikaner. Ein Beispiel: Die Amerikaner verteilen gerne Ihre Telefonnummern und Visitenkarten. Wenn man sich dann bei ihnen meldet, fragen sie dich, wer du bist. In Deutschland dauert es dagegen viel länger, bis du die Kontaktdaten einer Person erhältst. Außerdem möchten amerikanische Arbeitgeber selten Unterlagen von dir sehen und es gibt kaum Arbeitsverträge. Dafür kann man sich hier im Arbeitsleben viel schneller beweisen. Wenn man diese Mentalität erst einmal verstanden hat, ist eine gute Grundlage geschaffen, auf der man aufbauen kann.
Leben Sie jetzt "den amerikanischen Traum"?
Auf alle Fälle! Ich habe mir 1997 eine Eigentumswohnung gekauft, für die ich damals einen fairen Preis bezahlt habe. Die Wohnung ist nun mit Ikea-Möbeln ausgestattet und ich habe einen schönen Wintergarten. In Deutschland hätte ich mir das nie leisten können. Wenn ich die Palmen vor meiner Haustür sehe, denke ich mir immer wieder: Ich lebe einen wahren Urlaubstraum!





