18. 01. 2012
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Auswanderer-Porträts

Floridas Communicator

Florian Weckert ist in einer Kleinstadt in der Nähe von Stuttgart geboren. Heute ist der Deutsche ein preisgekrönter Artdirektor in den USA. Seine Karriereschritte: renommierte Werbeagenturen, erst in Hamburg, dann in New York. Zu seinen Kunden zählten schon so namhafte Größen wie Disney, Verizon oder Reebok. Wie man das schafft? Das kann man an der Miami AdSchool herausfinden, wo der 36-Jährige mittlerweile den Nachwuchs in Art Direction lehrt ...

Autor: Sarah Czuratis

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Seit wann leben Sie in den USA und wie kamen Sie auf den Gedanken auszuwandern?
Ich lebe seit 2002 in den USA. Der Wunsch, irgendwann einmal hier zu leben, entstand zirka zehn Jahre zuvor bei einem einjährigen Aufenthalt an einer amerikanischen High School. An Auswanderung was damals aber noch nicht zu denken. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, ich habe nie wirklich ans Auswandern gedacht. Es hat sich irgendwie so ergeben.
Geboren und aufgewachsen in der Nähe von Stuttgart, zog mich ein Job und Studium nach Hamburg. In der Werbeagentur Springer & Jacoby lernte ich zwei Studenten von der Miami Adschool kennen und war begeistert von deren Studienprogramm. Ich bewarb mich kurz darauf an der Schule und zog dann im Sommer nach Miami.

War es schwer, das Leben in Deutschland hinter sich zu lassen?
Ich habe ja immer geglaubt, dass es nur ein kurzer "Ausflug" für die Dauer meines Studiums wird. Erst gegen Ende des Studiums in New York entstand dann der Wunsch, noch etwas länger in den USA zu bleiben. In der Welthauptstadt der Werbung zu arbeiten ist für einen jungen Art Director aus Deutschland ein Traum, der mir noch nie so zum Greifen nah war wie damals.  

Sind Sie über ein Visum oder über die Green Card in die USA gekommen?
Zuerst hatte ich ein Studentenvisum. Danach bekam ich ein Arbeitsvisum, um hier ein Praktikum in meinem Bereich zu absolvieren. Ich habe damals in der Schule meinen Textpartner aus Dänemark getroffen, mit dem ich die ganze Ausbildung gemeinsam absolviert habe und auch danach weiter zusammen arbeiten wollte.
Die meisten Dinge haben sich wirklich zufällig ergeben, wir haben nur immer das meiste daraus gemacht. Nach dem Praktikum in einer New Yorker Agentur hatten wir Blut geleckt und wollten auf keinen Fall wieder zurück nach Europa.
Es war kurz vor Weihnachten 2004, als wir nur noch vier Wochen Zeit hatten, um unsere Koffer zu packen und das Land zu verlassen. Wir bekamen einen Anruf von einer neuen Agentur. Sie bot uns an, über die Weihnachtszeit, in der alle anderen Mitarbeiter im Urlaub waren, eine Präsentation für ein Neugeschäft zu erarbeiten. Der Deal lautete wie folgt: Wenn wir den neuen Kunden für die Agentur gewännen, würde die Agentur uns eine Arbeitserlaubnis besorgen. Wir saßen drei Wochen Tag und Nacht in den leeren Büroräumen und überlegten uns, wie man wohl am besten ein brasilianisches Bier verkaufen könne. Am Ende war der Neukunde unser Einstieg in die Arbeitswelt in New York.

Was machen Sie jetzt in den USA?
Ich lebe seit zirka zwei Jahren mit meiner Frau und unseren zwei Töchtern wieder in Miami. Wir unterrichten beide an der Miami Adschool, der Schule, an der wir uns vor acht Jahren kennenlernten.

Gehen Sie Ihrem alten Beruf nach oder haben Sie etwas ganz Neues angefangen?
Wir haben vor ein paar Jahren unsere eigene, kleine Kommunikationsagentur "weckert.2" gegründet und arbeiten sowohl im Auftrag für große Werbeagenturen als auch für kleine und mittelständische Kunden in den USA und in Deutschland. Unsere Dozententätigkeit war zwar nie unser eigentlicher Beruf, ist aber immer mehr zur Berufung geworden und nimmt stetig mehr und mehr von unserer Zeit in Anspruch.

Was ist der Erfolgsfaktor, um in Amerika Fuß zu fassen?
Man muss wollen und können.

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18. 01. 2012
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