04. 08. 2011
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Auswanderer-Porträts

Floridas sportlichste Auswanderin

Cornelia Gyura ist passionierter Fitness-Fan. Doch in ihrem deutschen Fitnessstudio war die 44-Jährige jahrelang unzufrieden. Schließlich kehrte die ehemalige Fitnessweltmeisterin ihrer Heimat den Rücken und wagte den Neustart in Übersee. Mit einem Gründervisum in der Tasche eröffnete die Deutsche ihr eigenes Sportstudio in Pompano Beach an der Ostküste Floridas. Seit nunmehr sechs Jahren motiviert sie ihre Kunden dort mit deutscher Disziplin und amerikanischem Enthusiasmus zu einem aktiven und gesunden Lebensstil.

Autor: Sarah Czuratis

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Seit wann leben Sie in den USA und wie kamen Sie auf den Gedanken auszuwandern?
Wir leben seit Mitte 2005 in Pompano Beach. Zuvor waren wir mindestens zweimal im Jahr in den USA. – in New York, Kalifornien, aber meistens in Florida. Seit unserem ersten Besuch in den USA im Jahr 1996 war es immer unser Ziel, hier zu leben und zu arbeiten. Im Jahr 2005 brachte der Verkauf meine Geschäftes, einem großen Fitnessstudio in Weinheim an der Bergstraße, genug Kapital ein, um einen Neustart wagen zu können.

War es schwer, das Leben in Deutschland hinter sich zu lassen?
Es war ein wundervolles Gefühl, Deutschland aufzugeben. Wenn man dieses Gefühl nicht hat, sollte man die Sicherheit Deutschlands auf keinen Fall verlassen. In den letzten zwei bis drei Jahren in Deutschland  war ich sehr unzufrieden. Die Mentalität vieler meiner deutschen Kunden war sehr negativ. Oft gab es Beschwerden über die deutsche Krankenversicherung, wie viel man in Deutschland arbeiten müsse und wie schlecht doch alles sei. Interessanterweise bestand meine Kundschaft vorwiegend aus dem oberen Mittelstand, die mindestens dreimal im Jahr in die ganze Welt in den Urlaub fliegt. Das hat mich furchtbar aufgeregt. Schließlich hatte ich dann auch keine Lust mehr, in meinem eigenen Geschäft zu arbeiten. Die negative Einstellung der Menschen war einfach demotivierend.

Sind Sie über ein Visum oder über die Greencard in die USA gekommen?
Nach einem Besuch beim US-Konsulat in Frankfurt wurde mir das E2-Visum als beste und schnellste Möglichkeit für den Weg in die USA ans Herz gelegt. Als ehemalige IFBB Fitness Deutsche, Europa- und Weltmeisterin mit einem Diplom in Volkswirtschaftslehre wäre ich prädestiniert, die Amerikaner mit meinen Motivationsseminaren mitzureißen. Ich gab beim Konsulatinterview auch an, dass ich sehr viel Nordic Walking mache. Das hat den damaligen Generalkonsul sehr begeistert, denn er war auch ein Nordic Walker. Wir erhielten auch umgehend unsere Visa.

Was machen Sie jetzt in den USA?
Wir eröffneten 2005 unser Design-Gym "Fit&Fight" – ein kleines, auf die Altersgruppe 40plus spezialisiertes Fitnessstudio. Wir bieten Thai Boxing, Nordic Walking (mit Stöcken und Hanteln am Strand oder auf der Straße) sowie Gewichts- und Balance-Training an. Unsere Kunden trainieren immer unter Einbeziehung der Psyche und der mentalen Gesundheit. Mit diesem Konzept sind wir konkurrenzlos. Die Spezialisierung auf die Altersgruppe 40plus sollte in den wirtschaftlich schwierigen Jahren 2009 und 2010 unsere Rettung sein. Unsere Zielgruppe hatte weiterhin genug Geld, um Personal Training zu buchen und ihre Gesundheit nicht zu vernachlässigen. Wir sahen zu, wie viele Studios um uns herum pleitegingen.

Parallel zum Studio hat mein Ehemann auch seinen eigenen Traum verwirklicht. 2007 eröffnete er die kleine aber feine Schreinerei "Wood & Design", die auf Möbelbau spezialisiert ist. Mittlerweile ist die Schreinerei richtig groß geworden. Mein Mann entwirft und baut Anrichten, Vitrinen, Designküchen und Designbetten – alles Unikate.

Was ist der Erfolgsfaktor, um in Amerika Fuß zu fassen?
Eine unglaubliche Flexibilität und die Bereitschaft im Notfall für den Kunden sieben Tage die Woche zur Verfügung zu stehen.

Leben Sie jetzt "den amerikanischen Traum"?
Mein Mann und ich sind jeden Tag dankbar, hier in Florida leben zu dürfen. Das meine ich ehrlich.

Was genießen Sie am meisten am Leben in Florida?
Es macht so viel Spaß mit und für die Amerikaner zu arbeiten. Sie sind dankbar und erkennen die Arbeit, die wir leisten, an. Wenn ich das Leben eines Kunden komplett durch Sport, Ernährung und Motivation verändern kann und sie oft auch von Medikamentenmissbrauch befreien kann, ist das für mich eine unglaubliche Erfüllung.

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