08. 03. 2012
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Auswanderer-Porträts

In Florida daheim, in der Welt zu Hause

Susanne Nielsen verlor ihr Herz schon früh an Amerika: Im Alter von vier Jahren zog die Deutsche das erste Mal ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten. In den "Sunshine State" lockte es sie jedoch erst als Erwachsene. In Tampa, an der Westküste Floridas, arbeitet die 54-Jährige, die heute neben der deutschen auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, als Hochschuldozentin, freischaffende Künstlerin und Journalistin. Ein wahres Multitalent, das seinen Bezug zu Deutschland nie verloren hat ...

Autor: Sarah Czuratis

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Seit wann leben Sie in den USA und wie kamen Sie auf den Gedanken auszuwandern?
Seit meinem fünften Lebensjahr sind die USA für mich immer eine Heimat gewesen. Mein Vater wollte in den 50er Jahren nach San Franciso auswandern. Er bekam damals vom Auswärtigen Amt das Angebot für seinen ersten Posten im Generalkonsulat in San Francisco – der Stadt seiner Träume.
Es waren meine ersten vier Jahre in den USA, wo ich die Grundschule besuchte und das schöne Klima in dieser geliebten Metropole des Westens genoss. Mein Bruder wurde dort geboren. Nach weiteren drei Jahren in Island zogen wir nach Deutschland zurück. Ich besuchte ein Gymnasium in Bonn, der damaligen deutschen Hauptstadt, zusammen mit vielen anderen Diplomatenkindern. Ich sprach viel Englisch und hatte seitdem den Wunsch, in die USA zurückzukehren.  
Nach dem Studium meiner beiden "großen Lieben" – der englischen Sprache und der Kunst – lernte ich meinen amerikanischen Mann kennen, der als Austauschpilot der US-Luftwaffe einige Jahre bei der Deutschen Luftwaffe Jagdflieger war und somit auch perfekt Deutsch sprach. Es war klar, dass ich bei seiner Versetzung in die USA mit ihm zurückkehren würde.

War es schwer, das Leben in Deutschland hinter sich zu lassen?
Ich kannte die USA ja aus meiner Kindheit, aber ein Leben dort als Erwachsene brachte natürlich viele neue Hürden mit sich. Weil ich mich schon früh alle paar Jahre neu orientieren musste, habe ich gelernt, dass man nichts erwarten kann und für alles Neue offen sein muss.
Dass ich über die Jahre nie meinen amerikanischen Akzent verloren hatte und meine Englischkenntnisse auch bald auf ein Erwachsenenvokabular erweitern konnte, war nicht immer von Vorteil. Mit einem Akzent werden einem eher Fehler nachgesehen.
Ich bin in meiner Einstellung und meinem Wertesystem Europäerin. Das mag in einer Großstadt wie New York akzeptiert werden, aber in einer Kleinstadt im amerikanischen Süden, in die wir damals zogen, war mir vieles zunächst unverständlich.  
Ich habe Deutschland jedoch nie "hinter mir gelassen". Ich bin Staatsbürgerin beider Länder und pendele so oft ich kann. Seit ich in Florida lebe, reise ich zweimal im Jahr nach Deutschland, wo meine Familie lebt. Ich habe Freunde und Bekannte, die wie ich in Florida und Deutschland leben. Dadurch bin ich weiterhin beiden Ländern verbunden.
Ich habe zwanzig Jahre gewartet, bis ich die US-Staatsbürgerschaft beantragt habe. Das wurde für mich erst interessant, als die Beibehaltung der deutschen Staatsbürgerschaft möglich wurde. Meine deutsche Staatsbürgerschaft aufzugeben kam für mich nie in Frage, war sie doch mein Anker in einem sonst so unsteten internationalen Leben.

Sind Sie über ein Visum oder über die Greencard in die USA gekommen?
Ich habe einen amerikanischen Offizier geheiratet. Als Ehefrau bekam ich dann eine Greencard. Sowohl die Hochzeitsbewilligung als auch meine Auswanderung in die USA dauerten jeweils ein halbes Jahr.

Was machen Sie jetzt in den USA?
Ich hatte in Deutschland mein Anglistikstudium abgeschlossen und ein Promotionsstudium in Kunstgeschichte begonnen. Nun hatte ich in den USA zunächst die Wahl, täglich in die eine Stunde entfernte Stadt zum Kunststudium zu fahren oder anderthalb Stunden entfernt mein Studium in Kunstgeschichte zu beenden. Ich entschied mich für die Malerei und unterrichte seit Jahren an Universitäten, Colleges und Museen sowohl kunstpraktische als auch Kunst- und Kulturgeschichtskurse.
Seit meiner Kindheit male ich und so ist die Kunst weiterhin ein Teil meines Lebens. Ich arbeite zwei- und dreidimensional, also Bilder und Mixed-Media-Skulpturen, von Aquarell bis Acryl, von Holz bis Seide. Meine Arbeiten erzählen Geschichten, spannen den Bogen zwischen Deutschland und anderen Kulturen. Ich erzähle, was ich weiß, und liebe das Spiel mit Ideen und Materialien. Ich habe damit schon früh Preise gewonnen, von "Best of Show" bis "National Fiber Award". 
Auch habe ich an den für Florida typischen, jeweils ein Wochenende dauernden "Outdoor Art Shows" wie dem "Gasparilla Festival of the Arts" oder "Mayfaire by the Lake" teilgenommen. Eine Jury wählt einen unter hunderten von Bewerbern aus und unter den 300 ausgewählten Teilnehmern werden Preise im Wert von 1.000 bis zu 15.000 Dollar vergeben. Auch hier habe ich schon zu den Gewinnern gezählt.
Ich hatte Einzelausstellungen in Deutschland und hier in Florida (unter anderem im deutschen Generalkonsulat in Miami). Bis einschließlich Mai 2012 sind fünf meiner Bilder aus dem "Frauen und Magnolien"-Zyklus in der Ruth Eckerd Hall, einer der großen Performing Arts Hallen an Floridas Westküste, zu sehen. Als Thema sind hierbei Frauen aus der Werbung der 50er Jahre zusammen mit Textfragmenten und Magnolienblüten, die im Süden eine mehrschichtige Bedeutung haben, zu erkennen.
Für meine Lehrtätigkeit schreibe ich außerdem zurzeit an meiner Dissertation im Fach Kunst.

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08. 03. 2012
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