Seit wann leben Sie in den USA und wie kamen Sie auf den Gedanken auszuwandern?
Ich bin mit meinen beiden Söhnen Jonathan und Joshua am 12. Januar 2005 in die USA eingereist, um hier mit meinem Mann zu leben. Meine Auswanderung beruhte weniger auf einem Gedanken als vielmehr auf meinen Lebensumständen. Mein Mann ist in Florida aufgewachsen und hat für zirka 14 Jahre in Deutschland gelebt. Die letzten vier Jahre vor meiner Auswanderung ist er mehr oder weniger zwischen Deutschland und den USA hin und hergependelt, da er sich als freischaffender Jazzgitarrist immer der jeweiligen Marktlage anpassen musste, aber auch weil er wegen seines Heimwehs den Wunsch hatte, in Florida eine Lebensgrundlage für uns zu schaffen. Als dann relativ bald nach der Geburt unseres zweiten Sohnes meine Schwiegermutter zum Pflegefall wurde, war es meinem Mann nicht mehr möglich, einfach so zwischen den USA und Deutschland zu pendeln. Nachdem klar wurde, dass sich diese Situation nicht so bald ändern würde, entschloss ich mich den in der Vergangenheit immer wieder diskutierten Schritt zur Auswanderung (für meinen Mann Wiedereinwanderung) zu machen.
War es schwer, das Leben in Deutschland hinter sich zu lassen?
Nachdem der Entschluss zur Auswanderung mal gefasst war, gab es erstmal so viel zu tun, dass ich mir nicht viele Gedanken darüber machen konnte wie ich mich fühlte. Ich kann aber im Rückblick sagen, dass es mir durchaus sehr schwer gefallen ist, meine Heimat zu verlassen. Mein Körper hat das auch sehr deutlich ausgedrückt als ich zirka eine Woche vor Abflug von einer schweren Grippe geradezu festgenagelt wurde. Ohne eine gute Freundin und meine Mutter hätte ich es wohl nicht geschafft, meine Wohnung an den Vermieter zu übergeben und mich und die Kinder für die Reise fertig zu machen.
Als ich dann so zwischen den Welten schwebte, wurde mir die Tragweite meines Entschlusses erst richtig bewusst: Ich besaß keinen einzigen Schlüssel mehr!
Sind Sie über ein Visum oder über die Green Card in die USA gekommen?
Wie schon erwähnt hatten wir die Auswanderung immer mal wieder besprochen. Deshalb hatte ich die Greencard schon in der Tasche, als der Beschluss endgültig gefasst war. Als mein Mann sich ursprünglich entschloss, sich wieder mehr in der amerikanischen Jazzszene zu betätigen, begannen wir den langwierigen Prozess der Antragstellung meiner Greencard. Man sagte uns damals, dass es bis zum Erhalt ungefähr 6 Monate dauern würde. Aufgrund verschärfter Regelungen und Sicherheitsmaßnahmen und wohl auch, weil wir den größten Teil des Prozesses ohne Anwalt erledigten, hat es aber tatsächlich drei volle Jahre gedauert bis ich sie in den Händen hielt. Unmittelbar danach wurde ich schwanger mit unserem zweitem Kind. Da ich in den USA keine Krankenversicherung hatte, habe ich dann bei den Amerikanern eine Sondergenehmigung für verlängerten Auslandsaufenthalt beantragt und auch erhalten.
Was machen Sie jetzt in den USA?
Wesentlich mehr als ich jemals in Deutschland gemacht habe. Neben Arbeit, Kindererziehung und Haushalt studiere ich jetzt wieder, da mein Abschluss hier nicht anerkannt wird. Der erlaubt es mir nicht, an öffentlichen Schulen zu unterrichten. Es gibt aber auch immer mehr Privatschulen, die das Florida Teaching Certificate haben wollen.
Ich studiere im Schneckentempo, was hier im Gegensatz zu Deutschland nicht nur möglich, sondern sogar relativ gängig ist. Das Studium ist einerseits redundant, da ich das ja schon alles mal gelernt habe, andererseits aber auch wieder ganz interessant, weil ja in englischer Sprache und aus amerikanischer Sichtweise vermittelt.
Außerdem wird unser Leben seit nahezu fünf Jahren von einem Rechtsstreit in Anspruch genommen, der sich jetzt aber endlich dem Ende zuneigt. Es geht dabei um das Haus meiner inzwischen verschiedenen Schwiegermutter, in dem wir nach unserer Einwanderung lebten und das durch Hurricane Wilma relativ schwer beschädigt wurde. Die Condominium Association, zu der das Haus gehört, hat zwar das Versicherungsgeld eingestrichen, aber das Haus nie in einen wieder beziehbaren Zustand gebracht. Das hat dazu geführt, daβ wir seitdem viermal umziehen mussten (weil wir ja immer nach einer temporären Lösung suchten) und unwahrscheinlich hohe Unkosten hatten (und immer noch haben). Ich habe dabei die mafiöse Seite Floridas kennengelernt und ein äußerst interessantes, ausschließlich sich selbst dienendes Rechtssystem.








