19. 12. 2011
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Auswanderer-Porträts

Inspiration Florida

Nach über 20 Ehejahren in Deutschland zog Uschi Lanier ihrem amerikanischen Mann zuliebe in die "andere Heimat" – die USA. In Cape Coral am Golf von Mexiko genießt die 58-jährige Deutsche nun schon seit über acht Jahren die Nähe zum Wasser und wird von Floridas üppiger Vegetation zu farbenfroher Kunst inspiriert.

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Seit wann leben Sie in den USA und wie kamen Sie auf den Gedanken auszuwandern?
Seit 2003 lebe ich mit meinem Mann in den USA. Vorher waren wir immer nur zweimal im Jahr während der Sommer- bzw. Weihnachtsferien in Florida. Mein Mann, der 11 Jahre älter ist als ich, wollte mit Anfang 60 aufhören zu arbeiten. Es zog ihn auch wieder in die USA zurück. Da wir beide gerne am und im Wasser sind, hatten wir bereits im Jahr 1990 ein Grundstück in Cape Coral an einem Kanal mit Zugang zum Golf von Mexiko gekauft. Einige Jahre später haben wir dann gebaut. Der Gedanke, sich hier zur Ruhe zu setzen, war also naheliegend.

War es schwer, das Leben in Deutschland hinter sich zu lassen?
Obwohl ich mich sehr auf das Leben hier in der Wärme Floridas gefreut hatte, war mir der Abschied von Deutschland schon sehr schwer gefallen. Wenn man jemanden aus einem anderen Land heiratet, lebt eben einer von beiden nicht in seiner Heimat. Logisch, nicht? Als junger Mensch sieht man das aber vielleicht doch nicht ganz so klar. Ich allein wäre sicher nicht auf den Gedanken gekommen auszuwandern. Ich habe mich wohl gefühlt in Deutschland, hatte Freude an meinem Beruf als Lehrerin, einen tollen Freundeskreis. Fairerweise muss ich aber sagen, dass mein Mann über 20 Jahre dort mit mir verbracht hat, länger als er eigentlich von zuhause weg sein wollte. Und, wie gesagt, ich hatte mich ja ebenfalls auf ein neues Leben hier gefreut mit all den neuen Erfahrungen und Herausforderungen. Ich bin von Natur aus eigentlich schon ein Mensch, der mit Neugierde und Begeisterung an Neues herangeht.

Sind Sie über ein Visum oder über die Greencard in die USA gekommen?
Ich bin über eine Greencard hierher gekommen. Dadurch, dass mein Mann eben amerikanischer Staatsbürger ist, war das für mich (mal abgesehen von dem vielen Papierkrieg) ja kein Problem.

Was machen Sie jetzt in den USA? Gehen Sie Ihrem alten Beruf nach oder haben Sie etwas ganz Neues angefangen?
Ich war 50, als wir nach Florida zogen. Die ersten Monate haben wir uns natürlich wie Dauerurlauber gefühlt, waren viel mit unserem Boot unterwegs, oft am Strand, haben einfach das Gefühl genossen, unendlich viel Freizeit zu haben und an einem Ort leben zu dürfen, an dem andere für ein paar kurze Wochen im Jahr Urlaub machen. Wir haben viel Golf gespielt (im Gegensatz zu mir ist mein Mann ein ausgezeichneter und passionierter Golfspieler), sind viel geschwommen, haben als langjährige Taucher auch viel Zeit auf den Florida Keys verbracht. Während mein Mann in seinem Element war, habe ich aber nach und nach gemerkt, dass ich doch gerne wieder eine Aufgabe hätte. Eine Zeitlang war ich dann ehrenamtlich zuerst in einer Schule, dann an einem Theater tätig. Irgendwie war das aber alles noch nicht das Richtige. Erklärend sollte ich wohl hinzufügen, dass ich immer noch im Beamtenverhältnis bin; die Schulbehörde hatte mich zunächst auf sechs Jahre, anschließend bis zum Eintritt in den Ruhestand beurlaubt. Deshalb sind mir, was berufliche Tätigkeiten angeht, schon sehr enge Grenzen gesetzt.

Kunst hat nun in meinem ganzen Leben eigentlich schon immer eine große Rolle gespielt. Hier hatte ich nun mehr Zeit dazu. Während ich in Deutschland immer viel mehr gezeichnet als gemalt habe, wandte ich mich hier verstärkt der Malerei zu, zunächst mit Acryl-, dann auch mit Ölfarben. Irgendwie hatte ich einfach das Bedürfnis, mich nicht wie vorher nur in schwarz-weiß, sondern in Farben (und dazu auch noch in sehr kräftigen Farben!) auszudrücken. Die üppige tropische Vegetation und die Sonne in Florida haben sicherlich das Ihrige zu diesem Bedürfnis beigetragen.

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