Auswanderer-Porträts
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Leben im Wohlfühl-Staat

Vor vier Jahren zog Tobias Feisst aus seiner Wahlheimat London zu seiner amerikanischen Verlobten ins sonnige Miami, um hier nicht nur die amerikanische Lebensart zu genießen, sondern auch beruflich durchzustarten. Ein neuer Job bei einem US-Unternehmen, Fußballtraining im deutschsprachigen Team und zudem noch täglich besser werdende Spanischkenntnisse – das Leben in Miami kann so international sein. Fazit: "In Florida fühlen wir uns einfach wohl."

Autor: Sarah Czuratis

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Seit wann leben Sie in den USA und wie kamen Sie auf den Gedanken auszuwandern?
Ich lebe seit April 2005 in Miami. Meine Frau und ich waren schon ein Jahr verlobt, bevor ich nach Amerika kam. Wir hatten die Möglichkeit nach London, Deutschland oder Miami zu ziehen und zu heiraten. Wir haben uns für Miami entschieden – und dies nicht bereut.

War es schwer, das Leben in Deutschland hinter sich zu lassen?
Ich habe in Freiburg und Kiel Volkswirtschaft studiert und meine erste Stelle in London gefunden. Dafür hatte ich 2001 bereits mein Leben in Deutschland hinter mir gelassen. London war sehr aufregend – ich habe dort dreieinhalb Jahre gelebt. In Miami fehlen mir nur manchmal so etwas wie der "Pub um die Ecke" und ein wenig mehr Kultur. Außerdem vermisse ich die öffentlichen Verkehrsmittel, um alles leicht zu erreichen. Miami ist aber stark im Kommen und Veränderungen bahnen sich an. Außerdem lässt das schöne Wetter eigentlich alles vergessen, was man aus Deutschland vermisst – wie weiße Weihnacht und Drachen steigen zu lassen im windigen Herbst.

Sind Sie über ein Visum  oder über die Greencard in die USA gekommen?
Meine Frau ist Amerikanerin. Es war relativ einfach für mich, die Greencard zu erhalten.

Was machen Sie jetzt in den USA?
Ich arbeite nun für eine große amerikanische Versicherungsgesellschaft (Northwestern Mutual) als Financial Representative und helfe Familien und Kleinunternehmen im Bereich Risk Management und Wealth Accumulation.

Gehen Sie Ihrem alten Beruf nach oder haben Sie etwas ganz Neues angefangen?
In meinem neuen Job kann ich auf meine Erfahrungen zurückgreifen, die ich als Banker in London, während meines Wirtschaftsstudiums in Deutschland und der Ausbildung zum Bankkaufmann gesammelt habe.

Was ist der Erfolgsfaktor, um in Amerika Fuß zu fassen?
Man muss sehr flexibel sein und natürlich die englische Sprache beherrschen. Ein deutscher Akzent gemixt mit britischem Englisch kann dabei sehr hilfreich sein. Amerikaner sind sehr neugierig und zeigen großes Interesse, wenn sie einen fremden Akzent hören. Dies ist oft ein erstes Gesprächsthema. Miami ist darüber hinaus sehr international. Dies vereinfacht vieles. Meinen ersten USA-Job hatte ich jedoch in Texas (Dallas/Fort Worth), wo ich für vier Monate als Kreditbearbeiter für die Regierung (Small Business Administration/FEMA) Kreditanträge von Hurricane-Opfern aus New Orleans bearbeiten durfte. Danach kehrte ich wieder nach Miami zurück und habe mit dieser Berufserfahrung schnell eine neue Stelle gefunden. Am Anfang muss man vor allem auch räumlich sehr flexibel sein. Meine Frau und ich hatten uns auf diese räumliche Flexibilität geeinigt.

Leben Sie jetzt "den amerikanischen Traum"?
Das kann man so sagen. Meine Frau und ich sind beide berufstätig und wir haben uns kürzlich auch ein nettes Häuschen gekauft, welches zwischen meinem Arbeitsort in Coral Gables und dem Arbeitsort meiner Frau in Brickell liegt. Bald sollen nun die Kinderlein kommen. Zudem trainiere ich seit sechs Wochen fleißig mit einem deutschen Fußballteam in Coral Gables, und am kommenden Sonntag spielen wir sogar gegen „Frankreich“. Das wird bestimmt lustig.

Was genießen Sie am meisten am Leben in Florida?
Florida ist sehr international und das schöne Winterwetter unschlagbar. Nachdem ich drei Jahre im regnerischen London gelebt und im kalten Winter in Deutschland gefroren habe, kann ich mir keinen besseren Ort zum Leben vorstellen. Die Hurricane-Saison muss man einfach ausblenden. Außerdem haben wir viele amerikanische und internationale Freunde, die hier nach Miami gezogen sind. Die deutsche Gemeinschaft ist auch sehr groß und recht aktiv. Es gibt das GABC, German Soccer on Sundays, einen deutschen Gottesdienst in der St. Mark’s Kirche und deutsche Restaurants wie das Fritz & Franz Bierhaus oder die Hofbräu Beer Hall auf der Lincoln Road. Darüber hinaus gibt es noch viele andere interessante Dinge zu unternehmen.

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