09. 03. 2010
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Auswanderer-Porträts

Mit Ausdauer und Optimismus zum American Dream

Greencard-Gewinner Ulrich Schumann wanderte 2004 nach Florida aus. Es folgten ein gut bezahlter Job, eine Eigentumswohnung und ein sonniges Leben in Fort Lauderdale - bis ihm die Weltwirtschaftskrise einen Strich durch die Rechnung machte. Doch der 49-jährige IT-Fachmann ist der geborene Optimist und verliert sein Ziel nie aus den Augen.

Autor: Sarah Czuratis

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Seit wann leben Sie in den USA und wie kamen Sie auf den Gedanken auszuwandern?
Ich habe 2001 an der Greencard-Lotterie über American Dream teilgenommen und dann ein Jahr später eine gewonnen. Ich war schon sehr oft in den USA, fast in jedem Bundesstaat, und mir hat das Land immer schon sehr gefallen. Mein Traum war es, dort zu leben und zu arbeiten. Dieser Traum hat sich dann erfüllt, als ich im April 2004 eingewandert bin. Florida ist einfach super - die Menschen, das Wetter und die Gemütlichkeit.

War es schwer, das Leben in Deutschland hinter sich zu lassen?
Es war nicht so leicht, alles aufzugeben, aber ich war damals lange Zeit arbeitslos und somit hatte ich mit der Greencard eine Chance, hier in Florida neu anzufangen. Natürlich vermisse ich meine Freunde und Familie, aber es hat sich für mich schon gelohnt. Ich habe nach zwei Monaten gleich wieder einen sehr guten Job in der IT Branche gefunden.

Sind Sie über ein Visum oder über die Greencard in die USA gekommen?
Wie bereits erwähnt, habe ich eine Greencard in der Lotterie gewonnen.

Was machen Sie jetzt in den USA?
Bis Januar 2009 ist für mich alles super gelaufen. Ich hatte eine tolle Arbeitsstelle, eine eigene Wohnung, die ich super ausgestattet hatte. Dann wurde ich durch die Wirtschaftskrise arbeitslos und habe mich wirklich bemüht, einen Job zu finden. Das war aber schlichtweg unmöglich. Ich habe hier fuer sechs Monate Arbeitslosengeld bekommen, was aber nur ein Bruchteil meines bisherigen Verdienstes war.Um nicht ganz ohne Geld und Job dazustehen, bin ich Ende Juni nach Deutschland zurückgeflogen um dort HartzIV zu beantragen. Im September letzten Jahres riefen mich dann viele Firmen und Recruiter auf meinem auch in Deutschland funktionierendem US-Handy an, um mit mir ein persönliches Vorstellungsgespräch möglichst am nächsten Tag zu vereinbaren. Da ich aber so kurzfristig nicht wieder nach Florida fliegen konnte, sagte ich denen, dass ich momentan in Deutschland lebe.Letztendlich entschloss ich mich Ende Oktober 2009, wieder in mein geliebtes Florida zurückzukehren, um dort einige Vorstellungsgespräche mit Firmen zu absolvieren. Ich hatte viel Glück und bekam wieder eine Stelle in der IT-Branche. Allerdings sind diese Stellen momentan nur Zeitarbeit für drei bis sechs Monate. Aber ich bin froh, wieder eine Stelle zu haben und mein Geld zu verdienen.Für die Zukunft erhoffe ich mir, dass sich die Lage hier in Florida verbessert und ich wieder eine permanente Vollzeitstelle bekomme. Natürlich muss ich meinen sehr hohen Lebensstandart, den ich mir durch meinen alten Job erarbeitet und aufgebaut hatte, weitgehend herunterschrauben. Also kein eigenes Appartment mehr, sondern in einer Wohngemeinschaft leben.

Gehen Sie Ihrem alten Beruf nach oder haben Sie etwas ganz Neues angefangen?
Ich gehe in Florida immer noch meinem alten Beruf nach. Ich bin Netzwerk-Administrator im Windows Server Bereich.

Was ist der Erfolgsfaktor, um in Amerika Fuß zu fassen?
Harte Arbeit! Ausruhen kann man sich hier nicht. Das Leben ist viel härter als in Deutschland. Man hat keine soziale Absicherung wie in Deutschland unter HartzIV. Arbeitslosengeld wird in der Regel nur sechs Monate lang gezahlt. Wenn man bis dahin keinen Job hat, kann man nur noch Lebensmittelmarken beantragen und bekommt kein Geld mehr vom Staat. So ist man sehr schnell obdachlos.

Leben Sie jetzt "den amerikanischen Traum"?
Ja und nein. Sagen wir mal so: Ich habe meinen amerikanischen Traum von 2004 bis 2009 gelebt. Momentan bin ich sehr nervös was die wirtschaftliche Lage angeht. Aber eines weiß ich ganz sicher: In Deutschland, das habe ich letztes Jahr vier Monate ausprobiert, kann ich auch nicht mehr leben. Lediglich die finanzielle Not zwang mich dazu, dort hin zurückzukehren. Während dieser Zeit hatte ich ständig Sehnsucht nach Florida. Nun weiß ich auch warum: Ich bin hier zu Hause!

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