Seit wann leben Sie in den USA und wie kamen Sie auf den Gedanken auszuwandern?
Seit September letzten Jahres lebe ich in den USA. Um Ihre Frage zu beantworten, muss ich erwähnen, dass wir seit Mitte der 90er Jahre ein Ferienhaus an der Westküste Floridas (Cape Coral) hatten und eigentlich, wann immer es ging, unsere Urlaube in den Staaten verbrachten. Aus privaten Gründen (Trennung nach 37 Jahren Ehe) habe ich mich dazu entschlossen, alles hinter mir zu lassen und nach Florida überzusiedeln, wo ich mich eigentlich immer sehr wohl gefühlt habe. Ich wollte nur noch weg, meinen Kummer vergessen und noch einmal von vorne anfangen.
War es schwer, das Leben in Deutschland hinter sich zu lassen?
Ja, natürlich, es war eine sehr schwerwiegende Entscheidung für mich. In den vergangenen Jahren war ich nicht mehr berufstätig, denn ich hatte mich ausschließlich der Familie gewidmet. Doch nun, völlig auf mich alleine gestellt, fühlte ich mich einfach noch zu jung, um in den Vorruhestand zu gehen. Wie sollte es nun weitergehen? Es ist eben ein großer Unterschied, ob man in Urlaubslaune davon träumt, in den USA zu leben, oder sich letztlich der Herausforderung stellt, einen Neubeginn zu wagen, wohl wissend, dass dieser Schritt – in Amerika Fuß zu fassen – mit großen Schwierigkeiten und Hindernissen verbunden sein wird. Auf der anderen Seite war mir aber auch bewusst, dass ich in Deutschland insbesondere in meinem Alter keinen gut bezahlten Job mehr bekommen würde, und diese Erkenntnis war ausschlaggebend für meinen Entschluss.
Sind Sie über ein Visum oder über die Greencard in die USA gekommen?
Ich hatte vorher ein B1/B2-Visum, was mir erlaubte, sechs Monate in den USA zu bleiben. Mithilfe eines Anwalts habe ich dann ein E2-Visum beantragt, was mir auch erteilt wurde.
Was machen Sie jetzt in den USA? Gehen Sie Ihrem alten Beruf nach oder haben Sie etwas ganz Neues angefangen?
Bevor ich nach Amerika zog, war ich über 24 Jahre lang bei Siemens in Deutschland beschäftigt. Die letzten Jahre vor meinem Ausscheiden war ich als Assistentin für den Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig und parallel sechs Jahre lang persönliche Assistentin eines Bundestagsabgeordneten der CDU-Fraktion in Bonn.
Nachdem ich entschieden hatte auszuwandern, war ich bereit, mich neuen Herausforderungen zu stellen. Doch obwohl mir Business Broker bei der Suche nach einem geeigneten Geschäft behilflich waren, gestaltete sich die Suche als äußerst schwierig und langwierig.
Durch Zufall betrat ich dann zum ersten Mal einen Kilwin's Confectionery Store in Lake Worth. Ich war beeindruckt von dem besonderen, nostalgischen Flair, das dieser Laden ausstrahlte, gepaart mit hohen Qualitätsanforderungen sowie äußerster Sorgfalt und Frische bei der Herstellung der Produkte.
Das Konzept, die Show-Küche mit ihren nostalgischen Kupferkesseln, die zur Zubereitung der süßen Leckereien benötigt werden, in den Verkaufsraum zu integrieren, hat mir sofort imponiert. Es gibt immer Kunden und Zuschauer, die sich die Zubereitung von Fudge (karamellähnliche Süßigkeit aus Butter, Zucker und Milch) nicht entgehen lassen, während dieser genau nach alten überlieferten Rezepturen in Kupferkesseln zubereitet und anschließend zum Abkühlen auf Tischen mit dicken Marmorplatten ausgegossen wird, wo er dann durch das Paddeln – was immer ein Spektakel ist – seine cremige Konsistenz erhält und schließlich zu einem Laib geformt wird.
Auf jeden Fall war für mich das reichhaltige Angebot von feinster Schokolade, Pralinen, Trüffeln oder auch frischen Erdbeeren, überzogen mit Schokolade, das reinste Paradies der Gaumenfreuden.








