22. 07. 2011
Artikel bewerten
  
Auswanderer-Porträts

Nomaden der Neuzeit

Evelin Pataki ist in der Welt zu Hause. Die geborene Ungarin hat in sieben Ländern gelebt und zog vor zwei Jahren mit ihrem deutschen Ehemann und dem in Venezuela geborenen gemeinsamen Sohn von Luxemburg nach Florida. Dort genießt die 42-Jährige die Vielfalt der Kulturen und engagiert sich ehrenamtlich in der German School of Fort Lauderdale, die dem Florida-Nachwuchs mit Motivation und Engagement die deutsche Sprache näher bringt.

Autor: Sarah Czuratis

Left3-disabled Bild 1 von 1 Right3-enabled

Seit wann leben Sie in den USA und wie kamen Sie auf den Gedanken auszuwandern?
Wir sind seit Oktober 2009 hier und wir kamen wegen der Arbeit meines Mannes.

War es schwer, das Leben in Luxemburg hinter sich zu lassen?
Ja und nein. Luxemburg ist eines der reichsten Länder der Welt und das hat natürlich viele Vorteile. Es ist auch ein sehr schönes Land! Aber wir wollten wirklich in die USA kommen. Wir sprechen beide Englisch und Spanisch und die progressive, zukunftsorientierte Kultur der USA war uns immer sehr sympathisch.

Sind Sie über ein Visum oder über die Greencard in die USA gekommen?
Wir kamen mit einem "L"-Visum über den Arbeitgeber meines Mannes. Mittlerweile haben wir die Greencard.

Was machen Sie jetzt in den USA?
Ich unterstütze die German School in Fort Lauderdale als freiwillige Helferin. Ich bin sehr beeindruckt von ihrer Arbeit mit den Kindern und möchte ein wenig zurückgeben. Die zahlreichen freiwilligen Netzwerke in den USA inspirieren mich. Freiwillige liefern hier einen großen Beitrag für die "Local Communities". Ich glaube, die Europäer könnten hiervon noch etwas lernen. Ferner nutze ich mein Berufswissen, um einer Firma im Marketing zu helfen. Ich berate "House of Film" – ein Unternehmen, das auf die weltweite Verbreitung von Independent- und Dokumentar-Filmen spezialisiert ist.

Gehen Sie Ihrem alten Beruf nach oder haben Sie etwas ganz Neues angefangen?
Aufbauend auf dem Alten haben wir etwas Neues angefangen. Nachdem, was wir hier bisher erlebt haben, ist das wirklich die "Essenz der USA". Die Leute sind flexibel, zukunftsorientiert und unternehmerisch. Ich habe 14 Jahre beim Marketing-Guru Procter & Gamble verbracht. Nun erweitere ich dieses Wissen unter anderem mit Internet-Marketing und neuen Medien.

Was ist der Erfolgsfaktor, um in Amerika Fuß zu fassen?
Ein Netzwerk von Freunden zu erstellen. Wir haben in sieben Ländern gelebt und ich habe in mehr als dreißig Ländern gearbeitet. Meine Erfahrung ist, dass echte Freundschaften und gute Netzwerke unabdingbar sind. Diese Freundschaften können mit der Orientierungshilfe für Neuankömmlinge oder einfacher Nachbarschaftshilfe beginnen, zum Beispiel bei der Einkaufshilfe, Schulauswahl oder mit Tipps, wo und wie man seinen Führerschein macht.

Leben Sie jetzt "den amerikanischen Traum"?
The American Dream! (lacht) Der amerikanische Traum basiert auf harter Arbeit, wie in anderen Ländern auch. Aber ich glaube schon, dass Amerika das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist. Freiheit, Respekt füreinander und harte Arbeit sowie der Glaube an eine bessere Zukunft bilden den amerikanischen Traum. Das geschieht hier tatsächlich. Deshalb glaube ich, dass Träume sich hier eher verwirklichen lassen als an vielen anderen Orten der Welt.

Was genießen Sie am meisten am Leben in Florida?
Ich genieße die Vielfalt. Ich spreche vier Sprachen, habe einen deutschen Mann, bin in Ungarn geboren und unser Sohn in Venezuela. Ich wollte schon immer an einem Ort sein, wo dies als "normal" verstanden und begrüßt wird. Diese Vielfalt und das nebeneinanderher von vielen Kulturen sind hier in Florida "Alltag". Jeder hat eine interessante Lebensgeschichte zu erzählen.

Welche Vorteile hat man in Amerika?
Kinder wachsen hier mit einer Offenheit für Innovation und Technologie auf. Sie werden motiviert, aktive und fürsorgliche Mitglieder ihrer Gemeinschaft zu sein. Sie lernen, an sich zu glauben, sich ihre eigenen Ziele zu setzen und diese auch zu verfolgen. Sie lernen, mit Selbstvertrauen im Wettbewerb zu stehen und bereit zu sein, anderen zu helfen. Es dauert Generationen, eine solche Kultur aufzubauen. Diese Lebenseinstellung kann auch nicht einfach exportiert werden, wie zum Beispiel technische Fähigkeiten. Im Marketing nennen wir das einen "schwer zu erreichenden Wettbewerbsvorteil". Hier aufzuwachsen, oder zumindest ein paar Jahre in dieser Umgebung zu verbringen, kann – so glaube ich – ein großer Vorteil sein.

Seite

1  |

2

nächste Seite »

 
  
22. 07. 2011
Artikel bewerten