24. 11. 2011
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Auswanderer-Porträts

Piano unter der Sonne

1965 wanderte Gisela Manchen im Alter von 30 Jahren mit ihrem Mann Günter und den zwei gemeinsamen Töchtern nach Übersee aus. Erst führte ihr Weg nach Toronto in Kanada, bis sie schließlich Floridas warmes Klima in den Süden lockte. In Naples eröffnete das Ehepaar vor zehn Jahren sein eigenes Klaviergeschäft, dessen Erfolg nun von der nächsten Generation Manchen fortgeführt werden soll ...

Autor: Sarah Czuratis

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Seit wann leben Sie in den USA und wie kamen Sie auf den Gedanken auszuwandern?
Mein Mann, ein gebürtiger Hallenser, und ich, in Liegnitz in Schlesien geboren, machten uns 1958 nach Westdeutschland auf. In Überlingen am Bodensee heirateten wir. Dort kamen auch unsere zwei Töchter, Susanna und Christiane auf die Welt. 

Eine Eindruck schindender Besuch von Verwandten aus Kanada prägte meinen Mann so, dass er 1965 nach Toronto auswanderte. Ich folgte mit den Kindern, als er nach drei Monaten Arbeit als Klavierstimmer fand. 

Unsere Winterurlaube in Naples/Florida führten schließlich zum Kauf einer kleinen Ferienwohnung. Mit der Zeit gefiel uns das Klima in Florida immer besser. Kanadische Winter sind doch sehr kalt! 2001 gründeten Günter und ich dann unser Klaviergeschäft "Euro Pianos Naples", in dem wir die herrlichsten Pianos der Welt repräsentieren.  

War es schwer, das Leben in Deutschland hinter sich zu lassen?  
Mein Mann erwähnte oft, dass er es bedauere, nicht schon viel früher nach Florida ausgewandert zu sein.

Sind Sie über ein Visum oder über die Greencard in die USA gekommen?
Als kanadische Staatsbürger brauchten wir ein Investoren-Visum, um unser Geschäft in Naples zu eröffnen. 

Was machen Sie jetzt in den USA?  
Mein Mann verstarb im Januar 2011. Unsere Familie betreibt weiterhin unser Klaviergeschäft. Mittlerweile ist auch die zweite Generation aktiv dabei. Wir vertreiben mit Erfolg Klaviere von Bechstein, Boesendorfer, Sauter, August Foerster, Bohemia, Kawai und Weber.  

Gehen Sie Ihrem alten Beruf nach oder haben Sie etwas ganz Neues angefangen?  
Mein Mann war in Deutschland gelernter Orgel- und Klavierbauer. Als wir nach Toronto auswanderten, konzentrierte er sich auf Klavier- und Orgelreparatur. Es kam jedoch der Verkauf von edlen, deutschen Klavieren nach und nach hinzu. Mein Mann war hier in Florida als auch in Toronto ein sehr angesehener Fachmann in seiner Branche. 

Was ist der Erfolgsfaktor, um in Amerika Fuß zu fassen?  

Das Wichtigste ist, mit der englischen Sprache vertraut zu sein. Amerikaner sind kontaktfreudig, respektvoll und sehr hilfsbereit. Besucher und Neueinwanderer ebenso.   

Leben Sie jetzt "den amerikanischen Traum"?  
Ich glaube, ja. So fühlen wir uns auf jeden Fall. 

Was genießen Sie am meisten am Leben in Florida?   
Unser Geschäft. Euro Pianos Naples besteht nun schon seit über zehn Jahren im Norden Naples. Es macht uns große Freude und ermöglicht uns, interessante, musikliebende Menschen kennen zu lernen. Obgleich junge Familien, die ein Piano zur Miete suchen, damit die Kinder im Urlaub nicht aus der Übung kommen, oder Menschen die ihr "Traum-Piano" für einen neuen Lebensabschnitt suchen. Mein Mann war zudem leidenschaftlicher Gärtner und liebte Palmen, Orchideen und Obstbäume.       

Welche Vorteile hat man in Amerika?  
In Florida genießen wir eine tolle Mischung aus Natur, Kultur, Luxus und Geschichte.  Ein weiterer Vorteil: In Amerika macht Autofahren Freude! Die Parkplätze sind groß, die Straßen breit und die Autofahrer zuvorkommend. Allerdings gibt es hier immer eine Geschwindigkeitsbegrenzung! 

Vermissen Sie Dinge, die Sie aus Deutschland kennen?  
Da wir nun schon seit 1965 nicht mehr in Deutschland leben, kann ich nicht sagen, dass uns etwas fehlt. Außer vielleicht einige deutsche Zutaten für ein besonderes Rezept. In Naples besuchen wir eine deutsche Gemeinde, die sich an jedem dritten Sonntag im Monat trifft. Außerdem haben wir ja durch unser Geschäft viel Kontakt zu Deutschland und Deutschen.   

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