19. 03. 2009
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Auswanderer-Porträts

Seelsorger im Sonnenstaat

"Wenn es weh tut, ist es ein guter Zeitpunkt, das Land zu verlassen", sagt der evangelische Pfarrer Frank Kopania, der im August vergangenen Jahres zusammen mit Frau und Kindern den Weg aus der vertrauten Gemeinde im hessischen Battenberg-Frohnhausen wagte, um in Miami ein deutsch-amerikanisches Kirchenprojekt zu betreuen.

Autor: Sarah Czuratis

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Seit wann leben Sie in den USA und wie kamen Sie auf den Gedanken auszuwandern?
Ich wurde von der Evangelischen Kirche in Deutschland angesprochen, ob ich den weiteren Aufbau des Deutschsprachigen Kirchlichen Dienstes in Miami übernehmen möchte. Meine Frau und ich hatten beide schon mal eine Zeit in England studiert, und das Job-Angebot brachte uns die Möglichkeit, noch einmal ins englischsprachige Ausland zu gehen. Zum Entscheidungsprozess kam außerdem hinzu, dass die Auswanderung in die USA auch unseren Kindern eine wichtige Auslandserfahrung bieten würde. Ende August 2008 sind wird dann schließlich nach Florida ausgewandert.

War es schwer, das Leben in Deutschland hinter sich zu lassen?
Zum Auswandern gehört natürlich auch immer eine gewisse Risikobereitschaft.
Wir hatten eine tolle Zeit in unserer deutschen Gemeinde. Das Weggehen war sicherlich schmerzhaft. Ich bin jedoch der Meinung: Wenn es weh tut, ist ein guter Zeitpunkt, das Land zu verlassen. Mein Sohn und meine Frau waren schon in Miami und kannten die Stadt. Ich selbst war zuvor bereits für das Vorstellungsgespräch hier. Nur unsere 13-jährige Tochter ließ sich nicht so leicht überzeugen. Sie war sehr traurig, ihre gewohnte Umgebung und ihren Freundeskreis zu verlassen. Wir hoffen natürlich, dass diese einzigartige Erfahrung für sie ein einträgliches Erlebnis sein wird.

Sind Sie über ein Visum oder über die Greencard in die USA gekommen?
Wir sind über das R1-Visum in die USA gekommen. Der Weg bis zum Visum hat in etwa ein Dreivierteljahr in Anspruch genommen. Die Beantragung habe ich selbst übernehmen müssen, denn meine jetzige Position ist keine klassische Auslandsstelle der Evangelischen Kirche in Deutschland. Da ich jedoch einen amerikanischen Arbeitsvertrag vorliegen hatte, verlief die Beantragung verhältnismäßig einfach. In Deutschland bin ich derzeit vom Dienst beurlaubt. Hier in den USA habe ich einen Fünfjahresvertrag.

Was machen Sie jetzt in den USA?
Ich betreue den Deutschsprachigen Kirchlichen Dienst für den Süden Floridas. Es leben zirka eine Millionen Deutsche oder Amerikaner mit deutschsprachigem Hintergrund in Florida. Im Großraum Miami gibt es viele junge Familien mit Kindern, die einen Bedarf nach kirchlicher Arbeit haben. Durch die strenge Trennung von Staat und Kirche in den USA fehlt vielen deutschen Familien hier ein Ersatz für den heimischen Religionsunterricht. Diese religiöse Bildung wünschen sich viele zudem in deutscher Sprache. Wie sagt man so schön: „Geld zählen und Beten tut man in der Muttersprache.“ Mein Vorgänger Ulrich Rosenhagen hat das Projekt von 2003 bis 2006 betreut – und somit wurde es höchste Zeit für einen Nachfolger. Nun plane ich hier in der St. Mark’s Lutheran Church in Coral Gables, einer Stadt mitten in Miami, zusammen mit meinen amerikanischen Kollegen viele kulturell-kirchliche Veranstaltungen für unsere deutschsprachige Glaubensgemeinde wie zum Beispiel den Sankt-Martins-Umzug, die Weihnachtsgottesdienste, das Erntedankfest oder zurzeit das Osterfest. Das kirchliche Leben in den USA ist ein ganz anderes als in Deutschland, denn die Gemeinde ist hier wie eine Familie. Wir investieren viel in Jugendarbeit und religiöse Bildung.

Gehen Sie Ihrem alten Beruf nach oder haben Sie etwas ganz Neues angefangen?
Ich war bereits in Deutschland Pfarrer in einer evangelischen Gemeinde in Battenberg-Frohnhausen. Darüber hinaus habe ich an der Weiterbildung Deutscher Auslandspfarrer für die Notfallseelsorge in Krisenfällen mitgewirkt. Zudem war ich für das Projektmanagement einer kirchlichen Partnerschaft zwischen Deutschland und Tansania verantwortlich.

Was ist der Erfolgsfaktor, um in Amerika Fuß zu fassen?
Die Arbeitsbedingungen sind in der amerikanischen Kirche anders als in Deutschland, wo durch die Kirchensteuer der Arbeitsplatz gesicherter ist. In den USA läuft alles viel direkter ab: Die Mittel der Gemeinde gehen direkt an die Kirche. Als Pfarrer wird man hier vom Kirchenvorstand angestellt und lebt also nur von den Spenden. Eine hohe Service-Orientiertheit ist daher in meinem Beruf sehr wichtig. Man verlässt sozusagen die deutsche Regelung und Sicherheit.

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