27. 09. 2011
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Auswanderer-Porträts

"Sonnenschirm statt Regenschirm"

Vom nordischen Hamburg ins warme Sarasota. Ein Unterschied wie Tag und Nacht, was Durchschnittstemperatur und Sonnenstunden betrifft. Und auch sonst ist in Florida einiges anders, weiß Unternehmer Joerg Pohlmann. Seit zwanzig Jahren nennt er Amerika seine zweite Heimat. Im Florida Sun Interview spricht der 47-jährige Deutsche über die Unterschiede der deutschen und amerikanischen Business-Mentalität und gibt Tipps, wie sich potentielle Auswanderer auf den großen Schritt nach Übersee vorbereiten können.

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Seit wann leben Sie in den USA und wie kamen Sie auf den Gedanken auszuwandern?
Ans "Auswandern" im üblichen Sinne habe ich eigentlich nie gedacht. Meine Frau ist Amerikanerin und kam in den 80er Jahren nach Deutschland. Wir haben vor 20 Jahren geheiratet und seitdem sehe ich die USA quasi als zweite Heimat an. "Auswandern" hört sich immer so endgültig an. Ich sehe mich viel lieber als Pendler zwischen zwei Welten.

War es schwer, das Leben in Deutschland hinter sich zu lassen?
Nein. Ich war innerhalb Deutschland bereits rund fünfmal umgezogen, quasi schrittweise vom Süden in den Norden. Jetzt ging es eben über den großen Teich gen Westen.

Sind Sie über ein Visum oder über die Greencard in die USA gekommen?
Seit 2001 habe ich durch Heirat mit einer Amerikanerin eine Greencard.

Was machen Sie jetzt in den USA?
Ich bin selbstständig und habe ein Unternehmen, welches Kundenkarten mit Zahlungsfunktion entwickelt. Unser aktuelles Produkt ist die TRAVALL MasterCard, eine Prepaid-Karte, die sich gerade an Urlauber, aber auch Einwanderer aus Deutschland richtet. Mit einer deutschen EC-Karte oder auch Bargeld kann man in USA nicht viel anfangen. Man zahlt einfach überall mit "Karte". Um in den USA jedoch eine Kreditkarte zu bekommen, muss man eine gute "Credit History" haben. Das dauert und ist nicht ganz einfach. Urlauber wie Einwanderer, welche die TRVALL Card haben, überweisen einfach einen individuellen Geldbetrag auf das TRAVALL Kartenkonto und können überall und bequem bis zum Ladebetrag die Karte einsetzen. Beim Tanken, im Hotel, im Restaurant oder bei Wal Mart. Zudem hat die Karten auch noch eine kostenlose Reiseunfallversicherung.

Gehen Sie Ihrem alten Beruf nach oder haben Sie etwas ganz Neues angefangen?
Seit 1995 bin ich selbstständig. Mein Unternehmen ist heute in Deutschland wie in den USA tätig.

Was ist der Erfolgsfaktor, um in Amerika Fuß zu fassen?
Man muss sich selbst verkaufen können. Amerikaner sind begnadete Verkäufer und erwarten das auch von Einwanderern. Wir Deutschen vergessen das manchmal. Unsere Mentalität ist eher: "Hier bin ich. Was könnt Ihr für mich tun?" Die amerikanische Haltung ist genau umgekehrt: "Hier bin ich. Was kann ich für Euch tun?" Wer das nicht versteht, wird nicht erfolgreich sein.

Leben Sie jetzt "den amerikanischen Traum"?
Was ist der "amerikanische Traum" heute? Vom Tellerwäscher zum Millionär? Ja, ich glaube, dass man nach wie vor in den USA viel erreichen kann. Aber man muss hart dafür arbeiten. Möglicherweise härter als früher. Ich kenne nicht wenige Leute, die haben nicht einen, nicht zwei, sondern drei Jobs, um sich etwas leisten zu können.

Was genießen Sie am meisten am Leben in Florida?
Das Wetter. Ich habe zuletzt in Hamburg gelebt. Tolle Stadt, keine Frage. Aber viel Regen, graue Herbst- und Wintertage. Ich mag Sonnenschirme lieber als Regenschirme.

Welche Vorteile hat man in Amerika?
Vieles ist einfacher und geht schneller. Ich bin ein spontaner Mensch. Wenn man etwas möchte, dann wird es schnell erledigt. Das ist mir wichtig. Wenn ich zum Beispiel einen Handwerker brauche, dann rufe ich an und er kommt oft noch am gleichen Tag. In Deutschland kann das Monate dauern.

Vermissen Sie Dinge, die Sie aus Deutschland kennen?
Wenig. Typisches Klischee, das ein oder andere Lebensmittel. Aber im Großen und Ganzen bekommt man alles, was man sucht. Gerade in Florida gibt es ja auch viele deutsche Geschäfte. Menschen fehlen einem natürlich. Alte Freunde. Aber dafür gibt es ja Skype & Co. Wir leben so gesehen in einer kleinen Welt.

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