01. 05. 2009
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Auswanderer-Porträts

Tänzer aus Passion

Grigoli Kranz kam vor knapp zwei Jahren nach Florida. Der 25-jährige Tanzlehrer und professionelle Turniertänzer hat in Boca Raton seine Leidenschaft zum Beruf gemacht – und damit nicht genug: Er lebt und arbeitet dort, wo andere Urlaub machen.

Autor: Anja Liesner

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Seit wann leben Sie in den USA und wie kamen Sie auf den Gedanken auszuwandern?
Ich lebe inzwischen fast schon zwei Jahre in Amerika. Im Juli 2007 bin ich in Florida angekommen.

War es schwer, das Leben in Deutschland hinter sich zu lassen?
Natürlich. Es ist schon schwierig, Familie und Freunde zurückzulassen. Ich habe in Deutschland mehr als vier Jahre für den Grün-Gold-Club Bremen e. V. getanzt. Wir sind zusammen mehrfach Welt-, Europa- und Deutscher Meister im lateinamerikanischen Formationstanz geworden. Es ist mir sehr schwer gefallen, den Verein zu verlassen. Dennoch war ich auch sehr neugierig auf all die neuen Dinge, die mich erwarten, und das hat mich zusätzlich motiviert.

Sind Sie über ein Visum oder über die Greencard in die USA gekommen?
Ich habe ein O1-Visum. Hierbei handelt es sich um ein Visum für Menschen mit besonderen Fähigkeiten. Ich war überrascht, wie gut das Beantragungsverfahren gelaufen ist, da ich vorab schon von vielen Seiten gehört hatte, wie schwierig es generell ist, ein Visum für Amerika zu bekommen.

Was machen Sie jetzt in den USA?
Ich gehöre zu den glücklichen Menschen, die ihr Hobby zum Beruf machen konnten. Ich arbeite als Tanzlehrer im Fred Astaire Dance Studio in Boca Raton. In Amerika sind Tänzer und Trainer aus Deutschland und Europa sehr gefragt, da wir Disziplin und ein gutes Fachwissen mitbringen.

Gehen Sie Ihrem alten Beruf nach oder haben Sie etwas ganz Neues angefangen?
In Deutschland war ich ausgebildeter Friseur und Turniertänzer. Seit ich hier in Florida lebe, bin ich quasi Vollzeit-Tänzer. Ich bin Turniertänzer und arbeite als Tanzlehrer, was mir großen Spaß macht. Der Beruf Tanzlehrer ist sehr spannend, da man viel unterwegs ist, um Turniere zu tanzen, bei Shows aufzutreten und Workshops zu geben. Ich beschwere mich jedenfalls nicht.

Was ist Ihrer Meinung nach der Erfolgsfaktor, um in Amerika Fuß zu fassen?
Motivation und Ehrgeiz sind ganz wichtige Voraussetzungen, um erfolgreich in Amerika zu sein.

Leben Sie jetzt den amerikanischen Traum?
Ich arbeite daran, bin meinem Ziel aber schon ein großes Stück näher gekommen.

Was genießen Sie am meisten am Leben in Florida?
Wie die meisten Leute, die nach Florida gezogen sind, genieße ich natürlich das Wetter und den Strand. Gott sei Dank habe ich noch keinen Hurrikan erlebt, seit ich hier bin. Ich hoffe, das bleibt auch erst mal so.

Welche Vorteile hat man in Amerika?
Zu den größten Vorteilen zählt, dass die harte Arbeit in den meisten Fällen am Schluss belohnt wird. Ein weiterer Punkt ist, dass die Menschen in Amerika generell viel offener gegenüber neuen Ideen sind – das weiß ich sehr zu schätzen.

Vermissen Sie Dinge, die Sie aus Deutschland kennen?
Ja, natürlich. Da gibt es so einiges. Ich vermisse die deutsche Pünktlichkeit, Ordnung und die Autobahn.

Gibt es Momente, in denen Sie sich nach Deutschland zurücksehnen?
Nicht wirklich, ich fühle mich sehr, sehr wohl in meiner neuen Heimat Florida. Ich fände es jedoch schön, wenn ich meine Verwandten und Freunde öfter sehen könnte. Aber das wusste ich vorher, und es geht – glaube ich – allen Auswanderern so.

Was waren die größten Schwierigkeiten, mit denen Sie zu kämpfen hatten?
Mein Eindruck ist, dass die Menschen in Florida nicht wirklich ehrlich sind, und vieles mehr Schein als Sein ist. Aus diesem Grund war es für mich am Anfang nicht leicht, ehrliche Freundschaften zu finden. Auch die Arbeitsweise hier in Amerika unterscheidet sich stark von der in Deutschland.

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