Auswanderer-Porträts
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Tanz nach Amerika

Zwei große Leidenschaften lockten Peter Schneider vor zehn Jahren aus Deutschland nach Florida: die Liebe zu seiner amerikanischen Frau und die zum Tanzsport. Auch wenn das Ehepaar Schneider inzwischen seine aktive Tanzkarriere mit großem Erfolg beendet hat, so dreht sich in ihrem Leben nach wie vor alles um ihre große Passion: Tanzunterricht, ein Fachgeschäft für Tanzsportbedarf, eine eigene Bekleidungskollektion und die Organisation der "Grand National Championships" in Miami.

Autor: Sarah Czuratis

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Seit wann leben Sie in den USA und wie kamen Sie auf den Gedanken auszuwandern?
Ich bin im Juni 1999 in die USA gezogen. Die Entscheidung zur Auswanderung habe ich zirka sechs Monate zuvor zusammen mit meiner jetzigen Ehefrau getroffen, nachdem uns ein italienischer Tanzschuh-Hersteller die Rechte für die USA angeboten hatte und sich dadurch die Möglichkeit bot, in Amerika durchzustarten.

War es schwer, das Leben in Deutschland hinter sich zu lassen?
Nein. Je jünger man ist, desto einfacher ist es auch, alles hinter sich zu lassen und ein neues Abenteuer zu beginnen, ohne viel über die Folgen und Risiken nachzudenken.

Sind Sie über ein Visum oder über die Greencard in die USA gekommen?
Durch die Heirat mit meiner Frau, eine Amerikanerin aus San Diego, habe ich eine temporäre Greencard erhalten. Zum Zeitpunkt der Hochzeit war sie amerikanische Meisterin in den lateinamerikanischen Tänzen. Somit konnten wir unsere gemeinsame tänzerische wie auch private Zukunft in den USA vertiefen.

Was machen Sie jetzt in den USA?
Nachdem wir uns 2004 vom aktiven Tanzsport verabschiedet haben, fingen wir an, Tanz zu werten und unterrichten. Wir sind beide im Aufsichtsrat des amerikanischen Tanzsportverbands. Außerdem bin ich Vizepräsident einer Tanzlehrervereinigung. Darüber hinaus gehört uns eines der größten Fachgeschäfte für Tanzsportbedarf in Florida. Neben dem Vertrieb von Tanzschuhen aus Europa produzieren wir auch eine inzwischen weltweit bekannte Marke für Trainingsbekleidung – Dance America. Die Trainingsbekleidung wird hier in Florida in unserer eigenen Firma hergestellt. Entworfen werden unsere Kleidungsstücke von mir selbst. Um das Bild abzurunden, haben wir 2004 schließlich die Rechte für die Tanzveranstaltung "Grand National Championships" gekauft. Das Turnier findet traditionell Ende Oktober jeden Jahres in Miami statt.

Gehen Sie Ihrem alten Beruf nach oder haben Sie etwas ganz Neues angefangen?
Nein, ich gehe nicht meinem alten Beruf nach. Ich habe ein abgeschlossenes Studium im Fach Architektur und habe auch in Deutschland bereits als Architekt gearbeitet. Meine Kenntnisse aus dem Studium kommen mir allerdings beim Entwerfen der Kleidung und der Schnittherstellung sehr zugute.

Was ist der Erfolgsfaktor, um in Amerika Fuß zu fassen?
Arbeite doppelt so hart wie normal und versuche, nicht vom Kleingedruckten eingeholt zu werden!

Leben Sie jetzt "den amerikanischen Traum"?
Was ist der "American Dream"? Ich glaube, was wir in Deutschland als amerikanischen Traum bezeichnen, existiert nicht mehr.

Was genießen Sie am meisten am Leben in Florida?
Ganz klar: das Wetter.

Welche Vorteile hat man in Amerika?
Auf beruflicher Ebene gibt es den Vorteil, dass es für unser Geschäft hier einen größeren Markt gibt.

Vermissen Sie Dinge, die Sie aus Deutschland kennen?
Es gibt ein paar Dinge, die ich vermisse, so zum Beispiel die deutsche Gemütlichkeit, ein besseres Gesundheitssystem, die bessere Altersversorgung und stabilere Lebensabsicherung.

Gibt es Momente, in denen Sie sich nach Deutschland zurücksehnen?
Selbstverständlich. Unsere Heimat wird immer dort bleiben, wo wir geboren sind.

Was waren die größten Schwierigkeiten, mit denen Sie zu kämpfen hatten?
Die größten Schwierigkeiten waren unlautere Geschäftsgebaren. Jeder ist nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht, und Vertrauen wird oftmals missbraucht. Der gute alte deutsche Handschlag existiert hier nicht.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?
Wir planen, unser Geschäft noch weiter auszubauen.

Was raten Sie Leuten, die mit dem Gedanken spielen, nach Amerika auszuwandern?
Das ist eine sehr schwierige Frage. Ich habe hier sehr viele Leute kennen gelernt, die in die USA gezogen sind, um den zuvor erwähnten amerikanischen Traum zu leben. Sollte dies der Hauptgrund zum Auswandern sein, würde ich stark davon abraten. Ich habe nie meine Brücken nach Deutschland komplett abgebrochen. Somit wäre eine Rückkehr theoretisch immer noch möglich.

 
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