09. 05. 2013
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Auswanderer-Porträts

Traumziel Titusville: Mit Geduld und Ausdauer zum American Dream

Mit ihrem amerikanischen Ehemann zog Heidi Hansen vor acht Jahren an Floridas Space Coast. Doch aller Anfang war schwer: Erst nach einem mehrjährigen Kampf um die Aufenthaltsgenehmigung – inklusive Drohbrief der Homeland Security und dem Einschalten eines Immigrationsanwalts – konnte das neue Leben im Sunshine State beginnen. Im Interview mit Florida Sun berichtet die 48-Jährige vom Arbeitsmarkt zu Zeiten der amerikanischen Wirtschaftskrise und gibt Tipps, wie man als Auswanderer sicher und schnell Fuß fassen kann. 

Autor: Sarah Czuratis

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Seit wann leben Sie in den USA und wie kamen Sie auf den Gedanken auszuwandern?
Ich lebe seit Ende Oktober 2005 im sonnigen Florida. Der Gedanke, Deutschland zu verlassen und mit Kind und Kegel in den Heimatstaat meines Mannes zu ziehen, wurde 2003 greifbar. Wir entschieden uns dazu, Deutschland in der Hoffnung auf berufliche Verbesserungen und Karrierechancen für meinen Mann zu verlassen.
Immerhin hatten wir es ja gemeinsam 19 Jahre in Deutschland versucht, aber die behördlichen Auflagen und der Papierkrieg – insbesondere die Anerkennung von US-Zertifikaten und -Qualifikationen – machten einen beruflichen Aufstieg schier unmöglich. Ich erwähne hier zum Beispiel nur das Stichwort "Meisterbrief", der in seiner Form wohl nur so in Deutschland existiert.
Sollten wir also lieber den Schritt ins Ungewisse wagen, ohne Netz und mit vollem Risiko ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten auswandern als immer nur auf der Stelle zu treten? Die Antwort auf diese Frage lautete Ja. 

War es schwer, das Leben in Deutschland hinter sich zu lassen?
Sowohl eine objektive als auch subjektive Antwort auf diese Frage kann nur Ja lauten. Wenn man sich mit dem Auswandern befasst, handelt es sich schließlich um eine lebensverändernde Entscheidung, die man nicht so einfach aus einer Laune heraus trifft.
Auf einem anderen Kontinent zu leben und zu arbeiten ist eben anders als dort Urlaub zu machen.
Die Familienmitglieder, den Freundes- und Bekanntenkreis, gewohnte Abläufe und Dinge, die man einfach kennt und mit der Zeit lieben und schätzen gelernt hat, muss man zurücklassen. Eine "Fernbeziehung" auf 4.600 km und die Ungewissheit über ein mögliches existentielles Scheitern im neuen Land sind schon eine nervenaufreibende Angelegenheit, auch wenn Sonne und Klima in Florida eine Verlockung darstellen. 

Sind Sie über ein Visum oder über die Greencard in die USA gekommen?
Es hat sich sehr viel getan seit 09/11. Früher ging alles einfacher. Unter diesem Motto lässt sich kurz beschreiben, wie ich selbst in die USA eingewandert bin. Als Teenager und Tochter eines Luftwaffensoldaten habe ich während unseres dreijährigen Auslandsaufenthaltes in El Paso/Texas einschlägige US-Erfahrungen sammeln können. Damals hatte sich die Luftwaffe um die Visa gekümmert. Rund 21 Jahre später, nach 09/11, gab es verschärfte Auflagen. Ich dachte, da ich schon lange mit meinem amerikanischen Mann verheiratet war, müsste das Ehegatten-Visum schnell über die Bühne gehen. Weit gefehlt! Mit der Antragstellung Mitte 2003, jeder Menge Papierkrieg mit dem US-Konsulat in Frankfurt sowie auf amerikanischen Boden von Seiten meines bürgenden Mannes vergingen rund anderthalb Jahre, in denen wir getrennt lebten.
Mittlerweile war ich um mehrere tausend Dollar leichter und der Spießrutenlauf bis zum Erhalt der Greencard ging weiter. Als das Ziel fast erreicht war – alle Formulare waren eingereicht, weiterbearbeitet und von Illinois über Texas bis nach Kalifornien gewandert – kam der große Schock: Sämtliche Unterlagen waren angeblich verschollen! Keine Ansprechpartner, keine Zuständigen, keine offiziellen Stellen, die Auskünfte erteilen konnten. Und dann der Drohbrief der Homeland Security, das Land binnen kurzer Zeit verlassen zu müssen oder verhaftet zu werden.
Gerettet hat uns seinerzeit ein auf Einwanderungsangelegenheiten spezialisierter Anwalt, der uns riet, den gesamten Visumsantrag komplett neu zu stellen. Eine bittere finanzielle Pille, die uns aber letztendlich den gewünschten Erfolg bescherte. Nach langer Zeit hielt ich endlich die offizielle Aufenthaltsgenehmigung in den Händen.

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