08. 05. 2009
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Auswanderer-Porträts

Unterwegs im Auftrag der deutschen Sprache

An der University of Miami bringt Auswanderer Michael Davidson-Schmich amerikanischen College-Studenten seine geliebte Muttersprache bei. Seit über 20 Jahren lebt der Deutsche nun schon in Amerika, dabei war die Übersiedlung eigentlich gar nicht geplant.

Autor: Sarah Czuratis

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Seit wann leben Sie in den USA und wie kamen Sie auf den Gedanken auszuwandern?
Das ist eine längere Geschichte. Ich bin im Jahr 1984 das erste Mal in die USA gegangen, allerdings nicht mit dem Gedanken, dorthin auszuwandern. Ich hatte gerade mein Lehramt-Studium in Deutschland beendet, doch zu der Zeit gab es nur wenige freie Stellen für junge Lehrer. Über einen Professor bin ich auf die Idee gekommen, für ein Jahr an eine amerikanische Universität zu gehen. An der University of West Virginia habe ich schließlich das Fach Deutsch auf Magister studiert und nebenbei als Graduate-Student Deutsch unterrichtet. Aus dem Auslandsjahr wurden schnell zwei Jahre, und nachdem ich 1986 meinen Universitätsabschluss in der Tasche hatte, bekam ich eine Festanstellung an einem kleinen College in West Virginia angeboten. So bin ich letztendlich nicht mehr nach Deutschland zurückgekehrt. Mittlerweile bin ich in den USA glücklich verheiratet und habe zwei Kinder.

War es schwer, das Leben in Deutschland hinter sich zu lassen?
Ich hatte ursprünglich nicht geplant, mein Leben in Deutschland ganz hinter mir zu lassen. Das Auswandern war für mich also eher ein langjähriger Prozess, sodass ich erst nach und nach hinterfragt habe, was das überhaupt bedeutet.

Sind Sie über ein Visum oder über die Greencard in die USA gekommen?
1984 bin ich mit einem Studentenvisum in die USA gekommen. Ein paar Jahre später habe ich die Greencard beantragt. Für diesen Prozess musste ich noch mal für ein halbes Jahr nach Deutschland zurück. Ich bin aber auch heute noch – und das sehr gerne – deutscher Staatsbürger.

Was machen Sie jetzt in den USA?
Mittlerweile lebe und arbeite ich in Florida. Hier bin ich gelandet, da meiner Frau im Jahr 2000 eine Professorenstelle an der University of Miami angeboten wurde. Nachdem ich ein Jahr an einer High School in Miami gelehrt habe, bin ich mittlerweile auch als Deutsch-Dozent an der gleichen Universität wie meine Frau tätig. Meine amerikanische Frau lehrt Politikwissenschaften mit dem Schwerpunkt "Europäische Politik". Im Rahmen ihrer Forschung reisen wir noch oft nach Deutschland. In diesem Sommer werden wir zum Beispiel zwei Monate unter anderem in Mannheim verbringen, wo meine Frau einen Sommerkurs an der Universität geben wird. Unsere Kinder (2 und 5 Jahre alt) reisen natürlich mit.

Gehen Sie Ihrem alten Beruf nach oder haben Sie etwas ganz Neues angefangen?
Da ich nach Ende meines deutschen Lehramtstudiums erst in den USA so richtig in das Berufsleben gestartet bin, kann man diese Frage schwer beantworten. Die Grundsteine für meinen Karriereweg wurden aber sicherlich in Deutschland gelegt. 

Was ist der Erfolgsfaktor, um in Amerika Fuß zu fassen?
Die wichtigsten Erfolgsfaktoren sind meiner Meinung nach Offenheit gegenüber der amerikanischen Kultur und die Gewilltheit, sich dieser Kultur zumindest teilweise anzupassen. Zwischen Amerika und Deutschland gibt es doch viele kulturelle Unterschiede. Zudem sollten eine gewisse Risikobereitschaft und eine hohe Flexibilität gegeben sein.

Leben Sie jetzt "den amerikanischen Traum"?
Wenn ich an den amerikanischen Traum denke, kommt mir das Konzept "Vom Tellerwäscher zum Millionär" in den Sinn. In diesem Sinne leben meine Familie und ich sicher nicht den amerikanischen Traum. Wenn ich überhaupt etwas geträumt habe, als ich nach Amerika gekommen bin, dann dass ich eine gute Anstellung erhalte, die ideale Partnerin finde und eine Familie gründe. Das hat sich für mich alles erfüllt, worüber ich sehr glücklich bin. Aber es ist nicht wirklich der amerikanische Traum. Das Fazit lautet also: Traum? Ja. Amerikanisch? Nicht unbedingt.

Was genießen Sie am meisten am Leben in Florida?
Das Wetter ist das erste, was mir in den Sinn kommt. Besonders für eine Familie mit Kindern ist Florida als Wohnort ideal. Wir verbringen viel Zeit im Freien – ob im Park, in den Everglades oder am Strand. Wir unternehmen Radtouren und zeigen unserem Besuch aus Deutschland gerne die Gegend.

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