08. 05. 2009
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Auswanderer-Porträts

Unterwegs im Auftrag der deutschen Sprache

Autor: Sarah Czuratis

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Welche Vorteile hat man in Amerika?
Ich denke, dass das amerikanische System durchlässiger ist als das deutsche, besonders im akademischen Bereich. In Deutschland ist es schwieriger, an einer Universität zu lehren. Das dortige System ist eher rigide. Man muss erst einen gewissen Ausbildungsweg durchlaufen, um eine Anstellung zu bekommen. An amerikanischen Universitäten gibt es hingegen viele Quereinsteiger. Um in Amerika seinen Traumjob auszuüben, sind Einsatzfaktoren wie Talent und Fleiß oft wichtiger als berufliche Qualifikationen. 

Vermissen Sie Dinge, die Sie aus Deutschland kennen?
Natürlich. Ich vermisse in Florida besonders den Wechsel der Jahreszeiten. Zudem fehlt mir in gewissen Momenten eine Zeit der Ruhe. In Deutschland ist ein Sonntag noch ein Sonntag. In den USA zählt das Konzept 24/7 – jeder muss sieben Tage in der Woche und 24 Stunden am Tag aktiv sein. Auch wenn man in Deutschland sonntags zwar nicht einkaufen gehen kann, ist es doch schön, einen Tag zu haben, an dem die Menschen auch mal nicht arbeiten. 

Gibt es Momente, in denen Sie sich nach Deutschland zurücksehnen?
Eigentlich nicht, denn wir reisen ja sehr regelmäßig nach Deutschland. Ich freue mich immer auf die Zeit in der alten Heimat und meine Familie in Deutschland – besonders auch darauf, morgens zum Bäcker zu gehen und Brötchen zu holen oder darauf, in deutschen Urlaubsgebieten wie z.B. dem Schwarzwald oder an der Nordsee Urlaub zu machen. Der Vorteil an einem Job an der Universität ist der lange Sommer zwischen den Semestern, den wir gerne in Deutschland verbringen. So erleben wir eine gute Mischung aus beiden Ländern.

Was waren die größten Schwierigkeiten, mit denen Sie zu kämpfen hatten?
Sprachschwierigkeiten hatte ich eigentlich keine, da ich vor meiner Zeit in den USA bereits ein Jahr in England studiert hatte und Englisch zudem eines meiner Hauptfächer im Studium war. Ein Aspekt, an den ich mich jedoch noch heute nicht gewöhnen kann, ist der Umgang vieler Amerikaner mit der Umwelt und ihren Ressourcen. Hier kommen wohl meine deutsche Ordnungsliebe und mein Sinn für eine gewisse Ästhetik und für den Naturschutz zum Vorschein. Aber sonst habe ich mich sehr gut eingelebt. Ich muss sagen, dass ich mich in Amerika nie als Fremder gefühlt habe.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?
Wir fühlen uns sehr wohl in Florida und möchten vorerst hier wohnen bleiben.

Was raten Sie Leuten, die mit dem Gedanken spielen, nach Amerika auszuwandern?
Es hilft sicherlich, Kontakt zu Deutschen zu knüpfen, die bereits nach Florida ausgewandert sind. Da gibt es zahlreiche Möglichkeiten, zum Beispiel in deutsch-amerikanischen Clubs und Organisationen sowie deutschsprachigen kirchlichen Gemeinden. Dort kann man sich wertvollen Rat holen. Zudem sollte man sich bewusst sein, dass der besagte amerikanische Traum von einem erfüllten Leben im Urlaubsparadies Florida auch schnell in den Alltag übergehen kann. Man muss hier genauso für seinen Lebensunterhalt arbeiten wie überall anders auch. Das sollte man bei der Planung stets im Hinterkopf behalten.

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