Auswanderer-Porträts
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Vom Auswanderer zum US-Bürger

In den sechziger Jahren wanderte Dr. Horst Ewald Pferdekaemper zusammen mit seiner Frau und deren 32 Zuchtstuten - ihrem Nachnamen alle Ehre machend - von Hannover nach Florida aus. Neben der Leidenschaft zur Pferdezucht etablierte der gebürtige Thüringer auch ein Geschäft zum Grundstückserwerb und Urbanisierung im Palm Beach County. Mittlerweile besitzt der 70-Jährige, der in Amerika nur noch "Howald" genannt wird, die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Autor: Sarah Czuratis

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Seit wann leben Sie in den USA und wie kamen Sie auf den Gedanken auszuwandern?
Die frühe Jugend verbrachte ich in Thüringen und bin in Ablehnung der kommunistischen Diktatur aufgewachsen. Als 16-Jähriger musste ich nach Bayern flüchten, wo ich die Schule, Universität und Promotion absolvierte. In Hannover wurde mir die Leitung einer bekannten Maschinenfabrik mit vielen USA-Kunden angeboten. So komisch das heute klingt, aber ich befürchtete in den sechziger Jahren, dass die rote Armee eines Morgens am Rhein steht. Das wollte ich lieber auf der anderen Seite des Atlantiks erleben.

War es schwer, das Leben in Deutschland hinter sich zu lassen?
Nicht für mich, denn ich bin damals vier- bis fünfmal im Jahr nach Europa geflogen.

Sind Sie über ein Visum oder über die Greencard in die USA gekommen?
Einem Rat des Hamburger US-Generalkonsuls folgend kam ich zunächst über ein E2-Visum nach Amerika. Nach einigen Jahren habe ich in den USA die Greencard beantragt und kurzfristig erhalten. (Ich habe gehört, dass das heute sehr viel länger dauert.) Inzwischen sind meine in Norddeutschland aufgewachsene Frau und ich US-Bürger. Wir haben zwei in den USA geborene Söhne.

Was machen Sie in den USA?

Ich habe mich darauf spezialisiert, rohes Land zu kaufen, zu urbanisieren und an Bauherren zu verkaufen. Meine Frau studierte Kunst an der Braunschweiger Universität und ist hier eine bekannte Malerin. Als wir einwanderten, brachten wir 32 hannoversche Zuchtstuten mit uns. Wir waren eine zeitlang der größte Hannoveraner-Züchter und -Ausbilder im Südosten der USA und haben auch das "Palm Beach Dressage Derby" gegründet, das heute noch das bedeutendste Dressur-Turnier der USA ist.

Gehen Sie Ihrem alten Beruf nach oder haben Sie etwas ganz Neues angefangen?
Wie Sie oben lesen können, habe ich etwas ganz Neues angefangen.

Was ist der Erfolgsfaktor, um in Amerika Fuß zu fassen?
Das kann ich so gar nicht beantworten. Im Ruhrpott hieß es damals: "Immer lustig druff". Das wäre eine Antwort. Oder ein Zitat von Donald Trump: "Den Druck aushalten und ihm widerstehen; Nur das machen, was einem selbst Spaß macht und sein Ziel niemals aufgeben." Aber das gilt natürlich für jeden Ort dieser Welt, nicht nur für Amerika.

Leben Sie jetzt den amerikanischen Traum?
Zwischen Träumen und Wirklichkeit besteht ein großer Unterschied und ich hatte keinen Traum. Vielmehr sah ich Chancen, ein Leben ohne Vorgesetzte zu führen. Als ich mit 16 Jahren in Bayern ankam, hatte ich lediglich 40 Westmark. Jetzt kann ich komfortabel leben. Das konnte ich aber auch schon während meiner Zeit in Hannover.

Was genießen Sie am meisten am Leben in Florida?
Das Klima, die gute Infrastruktur und die freundlichen Menschen. Abgesehen von den letzten zwei Jahren zogen jedes Jahr tausende Menschen aus den nördlicheren US-Staaten nach Florida und wir hatten über Jahrzehnte einen wirtschaftlichen Boom. Da sich das Klima weder im Norden noch in Florida ändert, wird Florida auch in Zukunft attraktiv für Zuwanderer bleiben.

Welche Vorteile hat man in Amerika?

Man muss sich ins Gedächtnis rufen, dass waghalsige Menschen aus Europa in ein praktisch leeres Land auswanderten - ein Land ohne eine Zentralregierung. Für diese Menschen war es wichtig, eines Tages einen Arzt, Polizisten oder Pfarrer zu haben. Sie holten sich diese Personen und wählten sich einen Bürgermeister. Demokratie und Bürokratie kamen "von der Basis", wie man heute sagen würde. In Europa sorgte der "gute König" für seine Untertanen und wurde später durch Parlamente ersetzt. Die Bürokratie kam also von oben. Heute noch ist es in den USA viel leichter, ganz von unten anzufangen als in Deutschland. Aber dafür ist das "soziale Netz" hier erheblich dünner.

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