19. 01. 2009
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Auswanderer-Porträts

Vom Leben auf zwei Kontinenten

Gabriele Heinrichs ist eine erfolgreiche Karrierefrau, die sich ein Leben auf zwei Kontinenten aufgebaut hat. Regelmäßig pendelt die 48-Jährige zwischen Deutschland und Florida und genießt die Vorzüge beider Länder. Die gebürtige Bremerin liebt das Reisen und hat ihr Hobby quasi zum Beruf gemacht. So sind Hamburg und Fort Lauderdale für die Unternehmerin gleichermaßen zur Heimat geworden.

Autor: Sarah Czuratis

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Seit wann leben Sie in den USA, und wie kamen Sie auf den Gedanken auszuwandern?
Vor 20 Jahren habe ich in Deutschland meine eigene Firma im Logistikbereich gegründet. Ich war jedoch schon immer an den USA, dem "Land der unbegrenzten Möglichkeiten", interessiert. 1986 kam ich das erste Mal in die USA. Damals wurde ich von meinem damaligen Chef nach Kalifornien geschickt. Als ich in L.A. ankam, war ich erst einmal von der riesigen Flughafenhalle beeindruckt. Ich fand sofort alles ganz klasse. 1990 bin ich dann zurück nach Kalifornien gekommen, um dort die eigene Firma im Bereich Fahrzeugverschiffung zu gründen. Fahrzeuge waren in den USA sehr günstig, und das habe ich für den Firmenaufbau genutzt. In Kalifornien habe ich dann weitere drei Jahre gelebt. 1996 bin ich nach Florida übergesiedelt, weil hier der Gebrauchtwagenmarkt besser war. Zudem gibt es hier günstigere Transitzeiten als in Kalifornien. Ein Immigrationsanwalt hat mir bei den Formalitäten geholfen. Mittlerweile lebe ich seit 12 Jahren in Florida.

War es schwer, das Leben in Deutschland hinter sich zu lassen?
Nein, da ich seit Anfang an ständig zwischen den USA und Deutschland gependelt bin. Ich lebe heute sozusagen auf beiden Kontinenten und fliege zirka alle vier bis acht Wochen in das jeweils andere Land. Mein Mann wohnt in Hamburg und der Standort unseres US-Unternehmens ist in Fort Lauderdale. Ich wollte in Florida keinen Urlaub machen, sondern bin hauptsächlich aus beruflichen Gründen hierher gekommen. Daher fiel es mir nicht schwer, alles in Deutschland hinter mir zu lassen.

Sind Sie über ein Visum oder über die Green Card in die USA gekommen?
Ich bin über die Firmengründung mit einem Visum in die USA gekommen. Heute besitze ich die Green Card. Damals waren die Einwanderungsbestimmungen jedoch weniger streng als heute.

Was machen Sie jetzt in den USA?
Ich bin Geschäftsinhaberin von American Freight Line Inc. Im Jahr 1991 startete AFL als internationales Logistikunternehmen mit dem Schwerpunkt Automobilverschiffung von den USA nach Europa. 1992 haben wir unser eigenes Büro in Deutschland eröffnet, um unsere Kunden persönlicher betreuen zu können. Heute organisieren wir nicht nur weltweite Transporte für Pkws und Motorräder, sondern auch für Boote und Yachten. Darüber hinaus übernehmen wir die Organisation von Umzügen oder Wohnmobilverschiffungen im Touristikbereich. 1991 war das ein neuer Service, den es so bisher noch nicht gegeben hatte. Damals haben wir diese Nische entdeckt, und heute sind wir der einzige Anbieter dieser Art mit Sitz in den USA und Deutschland.

Gehen Sie Ihrem alten Beruf nach oder haben Sie etwas ganz Neues angefangen?
Ich bin bereits in Deutschland im gleichen Bereich selbstständig gewesen, habe dann meine alte Firma verkauft und eine neue in der gleichen Branche gegründet. Dazu kam dann später der zweite Standort in Fort Lauderdale.

Was ist anders am Berufsleben in den USA?
Das ist schwer zu beantworten, denn ich arbeite auch in Florida fast ausschließlich mit deutschen Angestellten. Insofern gibt es keinen wesentlichen Unterschied zu unserem Standort in Deutschland. Qualifiziertes Personal ist in den USA schwer zu finden. In Deutschland haben wir ja unsere Ausbildung. Solche Leute bekommen sie hier gar nicht. Zudem haben wir in unserem Unternehmen den Sprachvorteil mit deutschen Kunden, die einfach mit uns kommunizieren können. Unsere Kunden sind fast ausschließlich Europäer. Die Stadt Fort Lauderdale ist auch eine sehr europäische Stadt.

Was ist der Erfolgsfaktor, um in Amerika Fuß zu fassen?
Unser persönlicher Erfolgsfaktor war, dass wir die Nische der europäischen Kunden entdeckt haben. Die Kunden fühlen sich in einem europäischen Umfeld wohl. Damals habe ich mich selbst über amerikanische Spediteure geärgert und zu mir gesagt: "Das kannst Du doch besser!" Im Büro arbeiten wir mit deutschen Mitarbeitern, einer Ungarin und zwei Südamerikanern. So eine Kombination kann wiederum nur in einem Land wie den USA erfolgreich sein. 

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