21. 04. 2009
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Auswanderer-Porträts

Zurück nach Deutschland? Erst mal nicht!

Nachdem Max Karagoz bereits beruflich oft nach Amerika gereist ist, entschloss er sich vor fünf Jahren, seinen Schreibtisch in Deutschland gegen ein Büro in Florida zu tauschen, und zog nach Miami. Hier hilft er inzwischen als Unternehmensberater erfolgreich anderen Auswanderern, ihren Traum vom Leben im Sunshine State zu verwirklichen.

Autor: Anja Liesner

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Seit wann leben Sie in den USA und wie kamen Sie auf den Gedanken auszuwandern?
Ich lebe nun seit über fünf Jahren in Miami. Die ersten Gedanken zur Auswanderung in die USA kamen mir bereits vor vielen Jahren, als ich öfter nach Michigan gereist bin und mit einer Gastfreundlichkeit empfangen wurde, die man nicht überall findet. Irgendwann hat es mich dann beim Urlaub in Miami richtig erwischt und daraufhin bin ich hierher gezogen.

War es schwer, das Leben in Deutschland hinter sich zu lassen?
Nicht allzu sehr. Man vermisst natürlich seine Freunde, Familie und Bekannte, aber besonders im Winter merkt man doch, dass es die richtige Entscheidung war, nach Miami zu ziehen. Ansonsten denke ich, dass ich fast überall leben könnte, man muss nur mit den Menschen zurechtkommen.

Sind Sie über ein Visum oder über die Greencard in die USA gekommen?
Ich bin damals über ein E-Visum gekommen. Mittlerweile ist es mein Job, auswanderwillige Menschen bei ihrem Visum zu helfen und ihnen den unternehmerischen Start in den USA so einfach wie möglich zu gestalten.

Was machen Sie jetzt in den USA?
Ich arbeite als Unternehmensberater für die Firma ALTON LLC und helfe europäischen Firmen und Personen, Fuß in den USA zu fassen. Dabei bieten wir eine Full-Service-Lösung in der Start-up-Phase an, die von der Firmengründung bis hin zum Büroservice und der Beantragung des Visums geht und noch weit darüber hinaus.

Gehen Sie Ihrem alten Beruf nach oder haben Sie etwas ganz Neues angefangen?
Ja, mehr oder weniger. In Deutschland war ich auch in der Unternehmensberatung und im Immobilienbereich tätig, von daher bin ich meinem Metier treu geblieben und habe mich auf deutschsprachige Kunden aus dem Klein- und Mittelstand konzentriert.

Was ist Ihrer Meinung nach der Erfolgsfaktor, um in Amerika Fuß zu fassen?
Nun, es gibt keinen bestimmten Erfolgsfaktor, der in den USA anders ist als in Deutschland. Wenn man unternehmerisch tätig ist, muss man in jedem Land alles geben und auch wieder aufstehen können, wenn man eine Niederlage erfährt. Selbstverständlich sind die USA ein riesiger Markt mit sehr großem Potenzial, das macht einiges etwas einfacher im Vergleich zu Deutschland, aber auch hier bekommt man nichts geschenkt.

Leben Sie jetzt den amerikanischen Traum?
Ich denke schon, trotz der weltweiten Wirtschaftskrise habe ich keinen Grund, mich zu beschweren. Es läuft zwar etwas ruhiger, aber dennoch hat jeder die Chance, aus seinem Leben etwas zu machen. Ich denke schon, dass man in den USA mehr Möglichkeiten hat, beruflich voranzukommen. Und das vor allem ohne den Neid der Mitbürger.

Was genießen Sie am meisten am Leben in Florida?
Eindeutig zuerst einmal das milde Klima und die Sonne. Ich muss mich nicht dick anziehen, um Cabrio zu fahren, und kann grundsätzlich die Winterkleidung einpacken.

Welche Vorteile hat man in Amerika?
Ich glaube nicht, dass man Amerika vereinheitlichen kann. Es gibt gravierende Unterschiede zwischen den einzelnen Staaten, wenn nicht sogar zwischen den einzelnen Städten. Vorteile, die es in manchen Bundesstaaten gibt, erfährt man wiederum nicht in anderen. Grundsätzlich finde ich jedoch, dass hier nicht alles schlecht geredet wird. Wenn man etwas machen oder schaffen möchte, dann macht man es einfach. In Deutschland wird erst einmal alles schlecht geredet und tot diskutiert, bevor man es überhaupt einmal ausprobiert hat.

Vermissen Sie Dinge, die Sie aus Deutschland kennen?
Eindeutig: das Essen. Man steht morgens auf und denkt sich, wie schön es jetzt wäre, ein deutsches Frühstück vor sich zu haben. Man kann sich zwar Ähnliches im Supermarkt besorgen, aber so ganz kommt es nicht an die deutsche Qualität heran. Ansonsten vermisse ich bestimmte Tugenden aus Deutschland, egal ob dies die Einstellung zur Pünktlichkeit ist, Sauberkeit oder Ehrlichkeit. All das ist hier anders und wird von den Menschen anders gehandhabt.

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21. 04. 2009
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