01. 01. 2006
Artikel bewerten
  
Auswandern & Visa

Auswandern: Neuanfang in sonnigen Gefilden

Familie Schebelik aus Schwechat bei Wien verlegte ihr glänzend eingeführtes Foto- und Designstudio vor einem Jahr nach Southwest Florida. Die erste Zwischenbilanz: Viel Arbeit, erste Erfolge mit ihren hochwertigen Produkten – und nur gelegentlich das Heimweh nach einer richtigen Melange mit Schlagobers im Café Hawelka.

Autor: Dirk Rheker

Left3-disabled Bild 1 von 1 Right3-enabled

Das kommt wohl davon, wenn man sehr nahe am Flughafen zuhause ist. Wenn man sie ständig abheben sieht, die dröhnenden Maschinen auf ihrem Weg zu exotischeren, sonnigeren Zielen. Da entstehen Träume. Und es packt einen das Fernweh. Und irgendwann schnürt man selbst sein Bündel und zieht los. Um zu sehen, ob man auch woanders auf der Welt eine neue Existenz aufbauen kann. Selbst dann, wenn man in Europa ein gut eingeführtes Fotostudio betreibt. So wie die Familie Schebelik eben. Schon seit Jahren hatten Franz (55) und Michaela Schebelik (41) und ihre beiden Kinder Isabella und Reinhard von einem Neuanfang in sonnigeren Gefilden geträumt. Denn dass ein gehöriger Schuss Weltenbummler in dem Quartett steckte, war seit langem klar. Zu oft schon waren die Schebeliks zu Fernreisen in alle möglichen – vor allem aber warmen – Winkel der Welt aufgebrochen.

In die Vereinigten Staaten sowieso. Nach Kalifornien zum Beispiel, wo sie in Huntington Beach Verwandte haben. Und natürlich Florida. „Wir sind ein paar Mal hier gewesen“, berichtet Michaela, „zuerst die Ostküste, später dann entdeckten wir Southwest Florida mit seinem lässigen Flair und der herrlichen Natur.“ Und dann ging im letzten Jahr irgendwie alles ganz schnell: Gründung des Foto- und Grafikdesign-Studios Gulfside Media Inc. in Fort Myers, Genehmigung des L1-Visums, Verkauf des Hauses in Österreich, Anmietung eines schönen Anwesens in Lehigh Acres. Dann die Einrichtung von Geschäftsräumen am McGregor Boulevard in Fort Myers. Eine Menge Holz, selbst für energiegeladene Menschen wie die Schebeliks. „Das war wirklich ein aufregendes Jahr“, sagt Michaela, und ihr ansonsten strahlendes Lächeln kommt diesmal etwas gequält.

Es seien häufig die kleinen Dinge, die sich im Nachhinein als größte Hürden erweisen. Wenn sich die Umrüstung des aus Österreich mitgebrachten Chevy Blazer als so teuer wie ein neuer Kleinwagen erweist. Wenn man Werbesendungen ausschickt und merkt, dass die Hälfte der Adressen falsch ist. Oder man erfahren muss, dass ein "You do great work!" eines Amerikaners noch längst nicht bedeutet, dass man den Auftrag in der Tasche hat. Aber die Schebeliks sind optimistisch, dass sie sich durchbeißen können. Weil sie neben der Portraitfotografie einige Produkte im Angebot haben, die eben doch ein Stück "europäische Wertarbeit" vermitteln und „vielleicht ein bisschen besser sind als das, was sonst hier so auf dem Markt ist.“. Das "Wedding Book" zum Beispiel, ein wunderschön fotografiertes und edel gestaltetes Erinnerungsbuch an den "Schönsten Tag im Leben". Oder das repräsentative "Corporate Book". Dass aller Anfang schwer sein würde, ja, das haben auch die Schebeliks gewusst. „Aber langsam spricht sich herum, welche Qualität unsere Arbeit hat“, sagt Franz Schebelik.

Das Firmenmotto verrät, mit welcher Begeisterung die Familie an einem Strang zieht: "Creative Products for Heart & Soul" heißt es auf der Webseite der Gulfside Media. Und mit Herz und Seele sind sie tatsächlich bei der Sache: Familienoberhaupt Franz kümmert sich um die Fotografie, Gattin Michaela ist für den grafischen Teil und das Marketing verantwortlich, Tochter Isabella (22) regelt das Buchhalterische und Sohn Reinhard (19) stellt sicher, dass die Computer störungsfrei laufen. Natürlich bleibt bei soviel Einsatz nur wenig Zeit, die herrliche Umgebung hier an der Golfküste zu genießen. „Im letzten halben Jahr waren wir vielleicht ein- oder zweimal am Strand“, lacht Michaela, aber es klingt nicht so, dass sie besonders traurig darüber wäre. Wenn der Laden erst einmal brummt, wird es schon Gelegenheit geben, auch die sonnigen Seiten des Lebens zu genießen. Bis dahin heißt es: Ärmel hochkrempeln. „Wir sind eine Familie, die immer nach vorn blickt!“ Wirklich immer? An einem Punkt des Gespräches gesteht Michaela, dass sie eine Sache gelegentlich doch schmerzlich vermisst: Ein richtig schönes Kaffeehaus. Was bei einer waschechten Wienerin ja auch nicht anders zu erwarten wäre ...

 
  
01. 01. 2006
Artikel bewerten